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Karte statt Geld : Bar zahlen? Nein, Danke!

Bargeld unerwünscht: Bei Public Coffee Roasters kann man nur mit Karte zahlen. Bild: Unternehmen

Die Deutschen lieben ihr Münz- und Scheingeld. Nun gibt es Läden, die gar keine Barzahlung mehr anbieten. Kann das hierzulande klappen, und ist das erlaubt?

          An sich sieht alles sehr normal aus. Es ist ein Café, wie es sie in deutschen Städten tausendfach gibt. Eine wuchtige Barista-Kaffeemaschine, eine große Theke aus Holz und ein umfangreiches Angebot an Kaffeespezialitäten sowie Kuchen. So weit, so normal. Doch ein kleines, schwarzes Schild weist darauf hin, dass hier bei den „Public Coffee Roasters“ in Hamburg doch etwas anders ist. Weiß auf Schwarz steht an der Kasse: „Nur Kartenzahlung möglich“. Richtig gelesen. Wer hier mit Scheinen und Münzen seinen Cappuccino zahlen möchte, wird zurückgewiesen. In China gab es schon einzelne Fälle, in denen Bargeldzahlungen abgelehnt wurden, wie diese Zeitung vergangene Woche berichtete. Aber im Bargeldland Deutschland eine unglaubliche Provokation, oder?

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch Argin Keshishian, der mit seinem Bruder das Kaffee betreibt, hat gar nichts Dogmatisches an sich: „Wir wollen die Gesellschaft nicht belehren oder Deutschland erklären, dass Bargeld keinen Sinn macht. Für uns ist das einfach sehr vorteilhaft“, sagt der 27 Jahre alte Cafébetreiber.

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          Mit Bargeld kann jeder bezahlen

          Dabei liegen die Vorteile von Bargeld erst einmal auf der Hand. Denn Bargeld hat ohne Zweifel viele Stärken. Zum einen ist es anonym. Niemand kann eine Zahlung mit Bargeld nachverfolgen. Argumente, dass genau das von Kriminellen ausgenutzt wird, laufen aber ins Leere. Fast alles, was es auf der Welt gibt, kann von Kriminellen ausgenutzt werden. Auch hat über Bargeld keiner Kontrolle, es kann (noch) nicht eingezogen oder verwehrt werden.

          Bargeld macht den Kapitalismus demokratischer, da jeder damit zahlen kann und jeder am Zahlungsverkehr teilnehmen kann – vom Bankier bis zum Obdachlosen. Und das unbeobachtet vom Staat oder anderen Institutionen – in der heutigen Zeit ein nicht unwichtiges Argument. Außerdem hält Bargeld zur Disziplin an: Wer die Scheine in seinem Geldbeutel schwinden sieht, gibt eher weniger Geld aus, als wenn die Ziffern sich im Online-Konto von Schwarz auf Rot drehen.

          Versicherungen und zusätzliche Arbeit fallen weg

          Doch für Keshishian überwiegen vier handfeste Vorteile des Bargeldverbots. „Das Zählen von Bargeld kostet jeden Mitarbeiter eine halbe Stunde am Tag – und wir haben das als sehr sinnlose Aufgabe empfunden“, sagt Keshishian. Doch nicht nur das, auch die Kosten dafür sind für den Handel nicht zu vernachlässigen. Er muss zum Beispiel große Mengen an Wechselgeld in den Läden vorhalten. Dazu muss eine aufwendige Sicherheitstechnik installiert werden.

          Die Unternehmen versichern sich gegen Diebstahl und bezahlen Dienstleister, die in gepanzerten Fahrzeugen das Bargeld anliefern und wieder abholen. Daneben gibt es keine Zinsen auf das gelagerte Geld – was im aktuellen Niedrigzinsumfeld nicht mehr ganz so schwer wiegt. Aber auch alltägliche Dinge wie falsches Wechselgeld verursachen Kosten. Die Arbeitszeit für die Verwaltung des Bargeldbestandes ist nicht zu verachten. Insgesamt summieren sich die Verluste für den Handel auf etwa 6,7 Milliarden Euro, wie eine Studie der Steinbeis-Hochschule ergab.

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