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Veröffentlicht: 28.03.2017, 14:11 Uhr

FinTech Der nächste große Umbruch in der Finanzwelt rückt näher

Die Digitalisierung der Finanzbranche schreitet voran. Gerade prüfen mehrere Geldinstitute die neue Blockchain-Technologie für ihre Transaktionswege. Wann ist die Methode marktreif?

von
© Reuters Die Blockchain-Technologie hat in der Finanzwelt einen Forschungsdrang ausgelöst.

Die Schlagzeilen einer einzigen Woche lassen gut erkennen, welchen Stellenwert die Blockchain in der internationalen Finanzwelt schon heute eingenommen hat – und an wie vielen Stellen sie diese verändern könnte. Die Vorteile der neuen Technologie in der Handelsfinanzierung erforscht die Deutsche Bank mit sieben weiteren internationalen Instituten. Der zentrale Zahlungsabwickler der Banken, Swift, überprüft, wie die Technik sich in seine Systeme integrieren lässt. Und die Deutsche Börse hat eine Liquidity Alliance mit vier weiteren Zentralverwahrern gebildet, um die Technologie im Sicherheitentransfer auszuprobieren.

Tim  Kanning Folgen:

Die Blockchain-Technologie ist komplex (siehe Kasten). Doch sie hat in der Finanzwelt einen Forschungsdrang ausgelöst wie kaum eine andere Technik zuvor. Sie soll die Transparenz erhöhen, Geschäfte effizienter und sicherer machen und in vielen Geschäftsbereichen die Kosten senken.

In Echtzeit an den Versicherer melden

Spätestens in drei bis fünf Jahren wird die Blockchain in der Finanzindustrie breite Anwendung finden, so ist sich die Unternehmensberatung Roland Berger in einer am Montag veröffentlichten Studie sicher. „Gerade in der Finanzbranche mit ihren großen Datenmengen, zahlreichen Intermediären und Dienstleistungen, die abgesichert und verifiziert werden müssen, ergeben sich für Blockchain viele Anwendungsmöglichkeiten“, sagt Roland-Berger-Partner Sebastian Steger.

Bekannt geworden ist die Blockchain vor allem als Technik hinter der Digitalwährung Bitcoin. Die Berater führen aber noch eine ganze Reihe weiterer Anwendungen auf, in denen die Blockchain sinnvoll angewandt werden könnte. Beispiel Handelsfinanzierung: Bisher müssen Verkäufer und Käufer über ihre Banken zahlreiche Dokumente organisieren, die festhalten, welchen Wert die Ware hat, wie sie verladen und transportiert wird und wer bis zu welchem Zeitpunkt haftet. Solche Unterlagen müssen allen Beteiligten im Original vorliegen. Über die Blockchain ließen sich die Dokumente nach Ansicht von Roland Berger unveränderbar, mit Zeitstempel und nachverfolgbar digital speichern, so dass die Handelspartner schnell und kostengünstig darauf zugreifen können. Dadurch können Zahlungen schneller angestoßen und die Warenlieferung beschleunigt werden.

Bei Kfz-Versicherungen denken die Berater sogar noch weiter. Nicht nur könnten Fahrzeug- und Fahrerdaten dabei helfen, stärker auf den jeweiligen Kunden zugeschnittene Verträge aufzusetzen. Würden diese Daten auch noch mit den Informationen vernetzt, die zum Beispiel intelligente Sensoren aus den Autos der Zukunft senden, könnten ein Unfall und der entstandene Schaden quasi in Echtzeit an den Versicherer gemeldet werden.

Mehr Einblick in die technische Neuerung erlangen

Die Berater von Roland Berger sind mit ihren großen Erwartungen an die Blockchain nicht allein auf dem Markt. Viele Beratungsgesellschaften und Finanzinstitute gehen davon aus, dass der große Erfindergeist rund um die neue Technologie bald Früchte tragen wird. Das World Economic Forum prognostizierte kürzlich, dass schon im Jahr 2025 insgesamt 10 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts mit Hilfe dieser Technologie abgewickelt wird.

Infografik / so funktioniert die blockchain © F.A.Z. Vergrößern

Auch die Bundesbank und die Deutsche Börse forschen gemeinsam in der Blockchain. Ziel sei nicht eine digitale Euromünze, wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann kürzlich beteuerte. Vielmehr wolle die Bundesbank nachvollziehen können, was die Technologie für sie als Zentralbank und Aufsichtsbehörde bedeute. Schließlich ist ein wichtiger Bestandteil, dass der Handel in der Blockchain ohne zentrale Stellen auskommt. Auch die Bundesregierung will mehr Einblick in die technische Neuerung erlangen und hat nicht zuletzt zu diesem Zweck in der vergangenen Woche einen Fintechrat am Bundesfinanzministerium eingerichtet. Darin sollen sich Fachleute von Banken und jungen Finanz-Start-ups unter anderem über die Ausgestaltung und Nutzung der Blockchain austauschen.

„Blockchain ist eine Technologie, deren Möglichkeiten unsere Vorstellungskraft derzeit noch übersteigen“

Dass Blockchain kein reines Thema für die Finanzindustrie ist, zeigte sich vorige Woche auf der Cebit in Hannover. Dort zeigte etwa die Telekom, wie eine ganze Fabrik per Blockchain gesteuert werden könnte, wenn in der Industrie 4.0 jedes Bauteil einer Maschine digital lesbar und mit den übrigen vernetzt ist. Um die ganze Bandbreite von Möglichkeiten mit der Blockchain zu testen, haben auch die Beratungsgesellschaft KPMG und der Computerkonzern Microsoft in Frankfurt gerade ihr erstes gemeinsames Forschungszentrum eröffnet. Zwei weitere sollen in Singapur und New York folgen. Auch andere Unternehmen sollen darin testen, wie die Blockchain in ihren jeweiligen Geschäftsfeldern Vorteile schaffen könnte.

„Blockchain ist eine Technologie, deren Möglichkeiten unsere Vorstellungskraft derzeit noch übersteigen“, sagt KPMG-Partner Sven Korschinowski. „Das liegt auch an der geringen Zahl von bereits umgesetzten Anwendungen.“ In den gemeinsamen Zentren mit Microsoft hofft die Beratungsfirma darauf, anhand konkreter Aufgabenstellungen neue Erkenntnisse zu erlangen – und das nicht nur mit Finanzinstituten, auch im Handel, der Automobilindustrie und dem Energiesektor.

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So funktioniert die Blockchain

Die Blockchain ist eine dezentral auf mehrere Computer verteilte Datenbank. Kontostände und Transaktionen werden darin in Form von Datenblöcken dargestellt, die eine unabänderliche, von allen Teilnehmern einsehbare Kette bilden. Will darin zum Beispiel Teilnehmer Albert für 100 Euro ein Wertpapier von einem anderen Teilnehmer Fritz kaufen, so kann Albert erst einmal anhand der Datenkette überprüfen, ob Fritz dieses Wertpapier überhaupt erworben hat und es also tatsächlich besitzt. Fritz wiederum kann überprüfen, ob Albert die 100 Euro hat. Die Transaktion, der Verkauf des Wertpapiers gegen die Zahlung von 100 Euro, wird nun in Form eines Datenblocks formuliert und verschlüsselt. Mehrere Computer innerhalb des Blockchain-Netzwerks überprüfen nun ihrerseits, ob die Transaktion in der gewünschten Form korrekt ist – also Albert die 100 Euro und Fritz das Wertpapier besitzt. Erst wenn die Mehrzahl der teilnehmenden Rechner sie als rechtens erkennt, wird sie auch tatsächlich ausgeführt. Manipulationen oder Betrug durch einzelne Teilnehmer sollen so ausgeschlossen oder zumindest erschwert werden. Der Datenblock, der die Transaktion beschreibt, wird nun wiederum an die Blockchain geschrieben und auf allen beteiligten Rechnern abgespeichert. So wissen automatisch alle Nutzer, dass nun Albert das Wertpapier besitzt, dafür aber 100 Euro weniger hat, Fritz dagegen das Wertpapier nicht mehr besitzt, dafür aber um 100 Euro reicher ist. Umständliche Dokumentationen sollen dadurch wegfallen, Gebühren müssten für den Wertpapierkauf nicht mehr bezahlt werden. So weit die Grundtechnik. Die Forschung von Unternehmen und Institutionen dreht sich nun unter anderem darum, welche Geschäfte damit in der Praxis sinnvoll sind, wie sie gestaltet werden müssten und ob das System auch noch bei einer sehr großen Zahl von Teilnehmern und Transaktionen praktikabel ist. kann.

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