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Digitales Bezahlen : In Schwellenländern verschwindet Bargeld

Bezahlen ohne Bank: Den Dienstleister M-Pesa nutzen in Kenia Millionen Menschen. Bild: Reuters

Das Bezahlen mit Karten oder mit digitalen Methoden ist auf dem Vormarsch. Banken droht der Zahlungsverkehr verlorenzugehen, wenn sie nicht gegensteuern. In Schwellenländern nimmt die Entwicklung bereits ihren Lauf.

          Das vergangene Jahr stellt für den internationalen Zahlungsverkehr einen Wendepunkt dar. In einer gemeinsamen Studie verweisen Swift, das internationale Zahlungsverkehrssystem der Banken, und die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) auf die Kartenzahlungen, die 2016 mit einem Volumen von gut 23 Billionen Dollar erstmals bedeutender als Bargeld waren. Sie berufen sich dabei auf Statistiken des Analysehauses Euromonitor. Auch im internationalen Zahlungsverkehr führen neue, meistens digitale Technologien zu tiefgreifenden Veränderungen und setzen die Banken unter Druck.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Entwicklung wird vor allem von den Schwellenländern vorangetrieben. Dort wollen die Regierungen den Zahlungsverkehr zunehmend kontrollieren, wie das Beispiel Indien zeigt. Dort wurden die großen Geldscheine aus dem Verkehr gezogen, was zeitweise zu dramatischen Szenen geführt hat. Ein anderes Beispiel ist Äthiopien, wo soziale Leistungen über mobile Zahlungskanäle ausgezahlt werden. In Kenia hat das mobile Zahlungssystem M-Pesa Millionen von Menschen den Zugang zum Finanzsystem ermöglicht.

          Neue Zahlungsdienstleister wie Paypal oder Alipay, eine Einheit des chinesischen Internethändlers Alibaba, gewinnen immer mehr Marktanteile im Zahlungsverkehr. Swift-Statistiken zeigen, dass die wachsende Bedeutung von Online-Marktplätzen wie Amazon, Ebay oder Alibaba auch zu mehr grenzüberschreitenden Transaktionen mit einem Volumen von je bis zu 500 Dollar geführt hat. Wegen der strengeren aufsichtsrechtlichen Vorgaben entstehen den Banken zusätzliche Kosten und damit Wettbewerbsnachteile gegenüber den weniger regulierten Wettbewerbern.

          Der Kampf gegen die Geldwäsche

          Swift, bislang das wichtigste System für grenzüberschreitende Überweisungen von Banken, sowie BCG schätzen das Volumen der Zahlungstransaktionen über die „unregulierten Kanäle“ auf 25 bis 40 Milliarden Dollar. Bis zum Jahr 2022 dürften sie einen Anteil von 10 Prozent an den bargeldlosen Zahlungen erreichen. Deren Zahl haben Cap Gemini und die französische Bank BNP Paribas in einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie auf rund 426 Milliarden Transaktionen beziffert.

          Der Aufwand für Banken wird auch durch die Vorschriften im Kampf gegen die Geldwäsche nach oben getrieben. Nach Angaben von Swift und BCG sind die Gesamtkosten für eine internationale Überweisung von 25 bis 35 Dollar auf 28 bis 40 Dollar gestiegen. Doch die Gebühren, die sie dafür verlangen können, zeigen nach unten. Die Banken stehen im Wettbewerb mit den Unternehmen aus der Finanztechnologie (Fintechs) sowie den großen Internetkonzernen wie Google, Amazon oder Ebay.

          Die internationalen Überweisungen machen zwar nur 5 Prozent aller Überweisungen für Banken aus, stehen aber für 12 Prozent der Erträge in diesem Geschäftsfeld. Sollten die Gebühren für grenzüberschreitende Transaktionen an die für Inlandsüberweisungen angeglichen werden, droht den Banken ein hoher Verlust an Erträgen, wie Swift und BCG warnen.

          Bild: Boston Consulting Group / F.A.Z.-Grafik

          Sie empfehlen den Banken, in neue Technologien und verbesserte Dienstleistungen für die Kunden zu investieren. Diese Weichenstellungen seien für sie kritisch, wenn sie ihre Wettbewerbsposition im Geschäft mit Unternehmenskunden behalten wollten. Swift und die Berater von BCG sehen dabei die großen Wettbewerber im internationalen Zahlungsverkehr, zu denen auch die Deutsche Bank gehört, im Vorteil: Sie dürften ihre Stellung verteidigen, wenn sie der Studie zufolge die neuen Technologien erfolgreich integrieren.

          Kleine Banken müssten aus ihren engen Kundenbeziehungen mehr herausholen und die weniger bedeutenden Kunden den größeren Wettbewerbern überlassen. Am problematischsten sehen Swift und BCG die mittelgroßen Institute. Je automatisierter und regulierter das Bankgeschäft wird, desto nachteiliger wirkten sich das teure Filialnetz und die geringen Größeneffekte aus.

          Quelle: F.A.Z.

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