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Kommt die E-Krone? : Schweden erfindet das Geld neu

Ein schwedischer 100-Taler-Schein aus dem Jahr 1666 Bild: Kungliga Myntkabinettet

Die Schwedische Notenbank ist die älteste der Welt. Einst hat sie das Papiergeld erfunden. Jetzt ist sie die erste Zentralbank, die eine eigene Digitalwährung einführen will.

          Neulich bekamen alle 4,8 Millionen schwedischen Haushalte Post von ihrer Regierung. Genauer gesagt, von der Behörde für Zivilschutz. Landesweit ließ sie eine zehnseitige Broschüre mit dem bedrohlichen Titel „Wenn die Krise oder der Krieg kommt“ verteilen. Das hatte es zuletzt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gegeben, entsprechend besorgt oder zumindest überrascht haben viele Schweden in den vergangenen Wochen in dem kleinen Heftchen geblättert. Hier soll es nun aber nicht um die weltpolitischen Hintergründe gehen, die zur Neuauflage der Broschüre geführt haben. Sondern um die Checkliste, die darin ganz hinten abgedruckt ist: Alles, was man für den Notfall braucht. Kartoffeln und Nüsse, Konservendosen mit Lachsbällchen und Makrelen, Wasserkanister und Wolldecken, Benzin und Medikamente. Und Bargeld.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der letzte Punkt ist in Schweden besonders bedeutsam. Denn in ihrem Alltag haben sich die meisten Schweden von Münzen und Banknoten schon verabschiedet. Das Königreich im Norden ist in diesem Punkt der Vorreiter einer internationalen Entwicklung. Nur noch jeder vierte Schwede nimmt Umfragen zufolge wenigstens einmal in der Woche Bargeld zur Hand. 85 Prozent aller Transaktionen werden online, mit Kreditkarten oder einer Bezahl-App abgewickelt. Sogar die Kirche nimmt die Kollekte in Schweden vielerorts bargeldlos entgegen. Häufig kann man schon gar nicht mehr anders bezahlen. Sogar simple Bäckereien haben Schilder mit der Aufschrift „Bargeldloses Geschäft“ im Schaufenster stehen. Bis zum Jahr 2025, so lauten die schnittigsten Prognosen, könnten die Schweden zu einer komplett bargeldlosen Gesellschaft geworden sein.

          Das kommt, verglichen mit den deutschen Gepflogenheiten, ungeheuer fortschrittlich daher. Ein Problem ist der Trend aber nicht nur für die Zivilschützer, die sich um die Stabilität des Zahlungssystems sorgen, falls einmal die Stromversorgung ausfällt, Server außer Betrieb gesetzt oder Internetverbindungen getrennt werden. Ein Problem ist die Abkehr der Schweden vom Bargeld auch für die Reichsbank, die Notenbank des Landes – und zwar nicht bloß für den Krisenfall, sondern im friedlichen Alltag.

          Die E-Krone ist in Planung

          Es geht der Bank dabei um Grundlegendes, nämlich den Unterschied zwischen Zentralbankgeld, also den von einer Notenbank ausgegebenen Scheinen und Münzen, und dem sogenannten Giralgeld, das die Geschäftsbanken etwa zur Kreditvergabe schöpfen dürfen, solange sie eine Mindestreserve bei ihrer Zentralbank hinterlegen. Der bargeldlose Zahlungsverkehr funktioniert bisher ausschließlich mit solchem Giralgeld. Aber es ist gut möglich, dass die schwedische Reichsbank daran bald etwas ändert: Sie arbeitet derzeit an einer E-Krone, einer eigenen elektronischen Währung. Das könnte dazu führen, dass demnächst jeder schwedische Bürger ein Konto bei der Zentralbank hat und für bargeldlose Geschäfte nicht mehr auf die Dienste der Geschäftsbanken angewiesen ist. Eine Art Bitcoin also, aber mit dem Segen der Zentralbank. So etwas gibt es bisher nirgendwo auf der Welt.

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