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Veröffentlicht: 09.12.2016, 09:02 Uhr

Bezahlen mit dem Smartphone Abschied von der digitalen Geldbörse

Die Deutsche Telekom stellt zum Ende des Jahres die Smartphone-Geldbörse My-Wallet ein. Das Bezahlen mit dem Smartphone verbreitet sich langsamer als erwartet.

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© dpa Smartphone mit My-Wallet-App (rechts) neben Empfangsgerät an der Kasse

Die Deutsche Telekom stellt zum Jahresende die Smartphone-Geldbörse My-Wallet ein. Auf der Internetseite des Unternehmens finden die Kunden mittlerweile entschuldigende Worte und den Hinweis, die App könne nur noch bis zum 31. Dezember genutzt werden. Es geht um das Ende eines sehr ambitionierten Vorhabens: Diese digitale Geldbörse war im Jahre 2012 in Berlin als „weiterer Schritt zu einer Welt ohne Bargeld“ angekündigt worden. Die Telekom wollte großen internationalen Konkurrenten wie Google, Apple oder Paypal und auch den Banken selbstbewusst Paroli bieten – beim Aufbau des digitalen Bezahlsystems der Zukunft.

Christian Siedenbiedel Folgen:

„Wir bedauern, unseren Kunden dieses Angebot nach mehr als zwei Jahren nicht mehr machen zu können“, sagte ein Telekom-Sprecher auf Anfrage. Für den Ausstieg gebe es mehrere Gründe: technische, aber auch eine unerwartet geringe Akzeptanz bei den Kunden. Die Entscheidung sei die Konsequenz aus einer gründlichen Analyse des Marktes für Bezahlsysteme in Deutschland. „Technisch hatten wir bewusst auf eine NFC-basierte Sim-Karten-Lösung gesetzt, weil diese unserer Ansicht nach die sicherste Abwicklung der Bezahlvorgänge und am meisten Kundenfreundlichkeit bietet“, argumentiert die Telekom.

Mit der Abkürzung „NFC“ ist „Near Field Communication“ gemeint, eine Technik, die das kontaktlose Bezahlen an der Kasse ermöglicht. Und „Sim-Karten-Lösung“ bedeutet, dass die elektronische Geldbörse unmittelbar die Telefonkarte im Smartphone nutzt, das soll besonders sicher sein. Da aber insbesondere international agierende Unternehmen viel Geld in konkurrierende Modelle investiert hätten, sei es fraglich, ob sich die Sim-basierte Lösung als anbieterübergreifender Standard durchsetzen werde: „Hier haben unsere Zweifel überwogen“, sagte der Telekom-Sprecher.

Insgesamt lägen die Zahlen deutlich hinter den Erwartungen

Auf der anderen Seite habe sich aber auch der Markt insgesamt langsamer entwickelt als erhofft. Das Bezahlen mit dem Smartphone in Deutschland habe sich zumindest bislang nicht so durchgesetzt, wie das Unternehmen ursprünglich erwartet hatte: „Grundsätzlich hängen die Deutschen sehr am Bargeld.“ Auch die Zahlung mit Kreditkarten sei hierzulande ja immer noch viel weniger verbreitet als beispielsweise in den Vereinigten Staaten oder in Skandinavien. Auch internationale Anbieter von mobilen Bezahlsystemen täten sich in Deutschland schwerer als in anderen Ländern.

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Viele Discounter hätten zwar inzwischen Kassen angeschafft, an denen man kontaktlos mit Karte oder Smartphone bezahlen könne, beispielsweise auch Aldi. Dennoch sei die Verbreitung von NFC-fähigen Terminals im Handel immer noch geringer als erhofft, hieß es. Insgesamt lägen die Zahlen deutlich hinter den Erwartungen: „Das mag auch daran liegen, dass die Banken in Deutschland trotz eines gestiegenen Interesses andere Prioritäten haben“, meint die Telekom.

Überraschend kam die Einstellung von My-Wallet nicht, sie zeichnete sich ab, als das Bezahlsystem Clickandbuy, auf das My-Wallet aufbaut, im April eingestellt wurde. „Nachdem wir aufgrund des harten Wettbewerbs unseren Online-Bezahldienst Clickandbuy eingestellt und damit unsere eigene Bezahlkarte vom Markt genommen haben, haben wir nach anderen Partnern aus dem Bankensektor gesucht und auch mit der Targobank gesprochen“, erläutert die Telekom. „Nach einer gründlichen Analyse des Gesamtmarktes haben wir uns aber entschieden, My-Wallet in Deutschland einzustellen.“ Die Zahl der Kunden habe „im niedrigen fünfstelligen Bereich“ und damit hinter allen Erwartungen gelegen: „Aufgrund der verhaltenen Nachfrage sind wir zu dem Schluss gekommen, uns in Deutschland aus dem Segment zu verabschieden.“

Bei Akzeptanz neuer Zahlungstechnologien liegt Deutschland hinten

Hinsichtlich der Akzeptanz neuer Zahlungstechnologien durch die Konsumenten liege Deutschland ohnehin hinter innovationsfreundlichen Regionen wie Großbritannien und Skandinavien, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Das zeige sich nicht nur beim Zahlen mit dem Smartphone – auch bei der herkömmlichen Kartenzahlung. So habe es in Skandinavien zuletzt fünfmal so viele Kartenzahlungstransaktionen pro Kopf gegeben wie in Deutschland. Und in Großbritannien sei die Nutzung neuer kontaktloser Zahlungsmöglichkeiten rapide angestiegen – zwischen März 2014 und März 2016 von monatlich 18 auf 180 Millionen Transaktionen.

Horst Rüter vom Handelsforschungsinstitut EHI in Köln meint dazu, die Systembetreiber hätten auch hierzulande in den vergangenen Jahren zusammen mit dem Einzelhandel viel in kontaktloses und mobiles Bezahlen investiert. Die technischen Voraussetzungen für innovative Formen des Bezahlens seien heute in vielen Unternehmen gegeben. „Leider nimmt der Kunde das Angebot nur sehr zögernd an, auch wenn wir beim kontaktlosen Bezahlen auf noch niedrigem Niveau recht gute Steigerungsraten in den Bezahlvorgängen beobachten können“, sagte Rüter.

Mit der bundesweiten Einführung der „Girocard kontaktlos“ im nächsten Jahr könne das vielleicht anders werden. Dennoch werde alles länger dauern, als es die Investoren ursprünglich eingeschätzt hätten: „Das kann für den einen oder anderen auch schon mal das vorzeitige Aus bedeuten, unter anderem Yapital oder My-Wallet.“ Als vermutlich erfolgreichstes Programm auf diesem Gebiet könne bislang Payback-Pay gesehen werden, auch wegen der Unterstützung durch DM, Real, Kaufhof, Alnatura, Aral und andere: „Payback hat das allerdings auch immer nur als zusätzliches Feature betrachtet – das Bonusprogramm steht eindeutig im Vordergrund.“

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