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Veröffentlicht: 14.08.2016, 15:56 Uhr

Bezahlsysteme Der Fluch des Bargeldes

Von links bis rechts kämpfen jetzt alle in Deutschland fürs Bargeld. Starökonom Kenneth Rogoff hält scharf dagegen. So hätten einige Krisen verhindert werden können, hätte es das Bargeld nicht gegeben.

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© Masterfile Aus dem Film und Fernsehen weiß man es längst: Bargeld hat auch eine „dunkle Seite“. Szene aus „The Super SNooper“, einem Streifen aus den dreißiger Jahren.

Der „War on Cash“, der Kampf ums Bargeld, geht in die zweite Runde. Nicht viele Themen hatten die Deutschen zuletzt so aufgeregt wie die Sorge, das Bargeld könnte ihnen genommen werden. Anlass gab es genug. Hatte nicht Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, im Mai das Ende des 500-Euro-Scheins angekündigt? Dazu passte der Plan von Finanzminister Wolfgang Schäuble, Bargeldzahlungen ab 5000 Euro gleich ganz zu verbieten.

Christian Siedenbiedel Folgen:

Welch Aufschrei ging daraufhin durch Deutschland! Der Protest reichte von rechts bis links. Gerade hat noch der Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung ein eindringliches Bekenntnis zum Bargeld nachgereicht. Wer es wagte, für die Abschaffung einzutreten, wie der Würzburger Ökonom Peter Bofinger, der musste sich auf einen Shitstorm und wüste Drohungen gefasst machen.

Jetzt legt der Mann nach, der zu jenen Vordenkern gehörte, die die ganze Diskussion ausgelöst haben: Kenneth Rogoff, Ökonom an Amerikas Eliteuniversität Havard. Bekannt geworden als Chefökonom des Internationalen Währungsfonds und als Finanzkrisen-Deuter, hatte Rogoff 2014 mit einer ökonomisch begründeten Forderung, das Bargeld abzuschaffen, weltweit für Furore gesorgt – ähnlich wie sein Kollege Larry Summers, ehemals Finanzminister und Berater Barack Obamas.

„Schafft es endlich ab, das Bargeld!“

Ein früheres akademisches Arbeitspapier hat Rogoff jetzt unter dem Titel „Curse of Cash“ (Der Fluch des Bargeldes) zu einem 254-seitigen Buch bei Princeton University Press ausgebaut, das im Herbst erscheinen wird: Es handelt sich um nichts Geringeres als um die Antwort an Deutschland in der Bargelddebatte. Die Forderung des neuen Werks ist die alte, sie ist ebenso einfach wie aufrührerisch: Schafft es endlich ab, das Bargeld!

Nach einer nüchternen Abwägung der Vorteile und Nachteile könne es auf die Frage, ob man dem Papiergeld ein Ende bereiten solle, nur eine Antwort geben, meint Rogoff: yes. Den zu erwartenden weltweiten Rückgang des Barzahlungsverkehrs durch Kreditkarten und Smartphone-Apps will der Ökonom gar nicht erst abwarten.

Trotz dieser ganzen Technik sei das Bargeld auf der Welt bislang schließlich nicht weniger geworden, sondern sogar mehr. Nein, man solle das Bargeld aktiv auslaufen lassen, meint der Ökonom, und nicht auf sein allmähliches Verschwinden warten.

Das Bedürfnis Freiheit und Anonymität

Als einziges Zugeständnis an alle Bargeld-Fans hat er in sein Buch aufgenommen, dass man kleine Scheinchen (oder besser noch: Münzen) für unbedeutende Alltagsgeschäfte in Umlauf lassen könnte – um den Bedürfnissen der Menschen nach Freiheit und Anonymität entgegenzukommen.

Seine radikale Forderung begründet Rogoff vor allem mit zwei Argumenten – die man nicht teilen muss, aber durchaus erst einmal nachvollziehen kann.

Erstes Argument: Bargeld hat zumindest auch eine „dunkle Seite“. Das wisse jeder, der einmal einen Gangsterfilm im Kino gesehen habe. Kriminalität, Steuerhinterziehung und Bestechung laufen oft über Bargeld. Wenn jemand Lösegeld fordert, will er Bargeld haben.

Wenn jemand einen Beamten schmiert, macht er das selten mit einer Überweisung. Und auch Drogen auf der Straße werden in den allerseltensten Fällen gegen eine Kreditkarten-Zahlung an den Mann gebracht. Rogoff gibt sich nicht der Illusion hin, dass man mit einem Verbot des Bargelds das Verbrechen abschaffen könnte.

Bargeld ist bei Niedrigzinsphase im Weg

Schließlich gibt es „Substitute“, Ersatz für Bargeld, wie Diamanten, Gold oder auch die Digitalwährung Bitcoin. Sie sind aber für die Verbrecher immer ein klein bisschen umständlicher als die großen Scheine der eigenen Währung. Rogoff meint, wenn man auch nur ein bisschen was von der weltweiten Kriminalität loswürde, müsste einem das doch diese kleine Umstellung der alltäglichen Zahlungsgewohnheiten wert sein.

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