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Aktualisiert: 30.05.2017, 18:21 Uhr

Internetwährungen Verrückte Währungswelt

Ein Bitcoin ist mehr wert als eine Unze Gold. Andere Internetwährungen steigen noch stärker. Ihrem Charme erliegen viele.

von
© Reuters Bitcoins, symbolisch als Münzen dargestellt.
 
Im Schatten von #Bitcoin gibt es noch eine ganze Reihe anderer Digitalwährungen
 
Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele hat unlängst vor Bitcoin als „Spekulationsobjekt“ gewarnt

Es erscheint geradezu irrwitzig, was sich in der digitalen Währungswelt seit Wochen tut. Eine Zeitlang schießen die Wechselkurse für Digitalwährungen wie Bitcoin in schier unglaubliche Rekordhöhen. Sie existieren nur als verschlüsselte Zeichenfolge, werden nicht von Zentralbanken, sondern von privaten Internetnutzern geschöpft.

Thomas Klemm Folgen:

Und dann plötzlich verlieren sie mal eben 25 Prozent an Wert wie in den vergangenen beiden Tagen. Angesichts solcher Preisturbulenzen dieser Währungen, die es nur im Internet gibt, staunen selbst Experten. „Bei den sogenannten Kryptowährungen ist es sehr schwer, einen fundamentalen Wert zu definieren. Wie die Preisbildung stattfindet, ist intransparent und nicht vorhersagbar“, sagt Michael Mattern von der Beratungsgesellschaft Capco.

Die enormen Schwankungen scheinen alle Skeptiker zu bestätigen. So hat Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele unlängst vor Bitcoin als „Spekulationsobjekt“ gewarnt. Doch zeigen der florierende Handel vor allem in Asien und das rege Interesse von Investoren in aller Welt, dass sich Digitalwährungen als Zahlungsmittel und Geldanlage zunehmender Beliebtheit erfreuen. Vor allem die mit Abstand bekannteste Digitalwährung Bitcoin ist seit geraumer Zeit in aller Munde.

Deren Preis hat sich in den vergangenen zwölf Monaten vervierfacht und ist allein von Mitte März bis vorigen Donnerstag um 180 Prozent gestiegen. Bitcoin erreichte den Höchststand von 2650 Dollar und war damit mehr wert, als es eine Feinunze Gold jemals war (1909 Dollar). Deshalb ist selbst unter eingefleischten Fans von einer sich abzeichnenden Blase die Rede, ohne dass allerdings eine Alarmstimmung herrscht. „Wir bewegen uns von Blase zu Blase. Aber die Blasen werden ständig kleiner, weil sich die Coins auf mehr Hände verteilen“, sagt Oliver Flaskämper, Betreiber von Deutschlands einziger Bitcoin-Börse.

Im Schatten von Bitcoin

Im Schatten von Bitcoin gibt es noch eine ganze Reihe anderer Digitalwährungen. Sie tragen phantastische Namen wie Aragon oder Augur, Golem oder Gnosis, und auch ihre Wechselkurse sind zuletzt in ungeahnte Höhen geschossen. Warum bloß? „Immer mehr Menschen begreifen, dass in einer digitalen Welt digitale Dinge einen Wert haben“, sagt Flaskämper. Die Plattform „Coinmarketcap“ listet 840 Digitalwährungen auf, die es insgesamt auf eine Marktkapitalisierung von sage und schreibe 64 Milliarden Dollar bringen; Anfang dieses Jahres waren es noch 18 Milliarden Dollar.

© DW, Deutsche Welle Bitcoin, Ethereum und Co.: Was ist eine Kryptowährung?

Knapp die Hälfte des aktuellen Werts entfällt auf Bitcoin (33 Milliarden Dollar), die nächstgrößten Alternativwährungen sind Ethereum (13 Milliarden Dollar) und Ripple XRP (8 Milliarden Dollar). 25 Digitalwährungen, die oft nur Eingeweihte kennen, bringen es auf eine Marktkapitalisierung von jeweils mehr als 100 Millionen Dollar. Von einer „Goldgräberstimmung“ spricht Capco-Experte Mattern: „Jeder, der eine Kryptowährung aufsetzt, erhofft sich davon finanzielle Vorteile.“

Worin sich die meisten Digitalwährungen ähneln, ist die dahinter stehende Technologie, die Blockchain. Ansonsten sind die Unterschiede zwischen den Währungen mitunter beträchtlich. Während Bitcoin infolge der Finanzkrise 2009 von vornherein als alternatives Zahlungsmittel gedacht war, sind die nächstgrößten Währungen Ethereum und Ripple XRP eher Nebenprodukte. Ethereum ist das Zahlungsmittel für die gleichnamige Plattform, die es Firmen ermöglicht, Daten sicher zu speichern und schnell abzurufen sowie im Netz geschlossene Verträge (sogenannte smart contracts) abzuschließen.

Für die jüngste Preisrally gibt es gute Gründe

Dass immer mehr Konzerne wie Merck und JP Morgan auf Ethereum setzen, hat den Kurs der Währung in kürzester Zeit um 70 Prozent steigen lassen. Die Firma Ripple mit der Währung XRP bietet eine Datenbank, über die der gesamte Zahlungsverkehr schneller und billiger gehen soll als bisher. Weil Ripple immer mehr Banken als Kunden gewinnt, steigt auch der Kurs dieser Währung.

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Selbst für die jüngste Preisrally von Bitcoin gibt es gute Gründe. So ist die Digitalwährung seit Anfang April in Japan als offizielles Zahlungsmittel zugelassen. Was zur Folge hat, dass immer mehr Händler Bitcoin akzeptieren und immer mehr Kunden damit bezahlen. Auch Russland, das bisher den Handel mit Digitalwährungen unter Strafe gestellt hat, will einen regulierten Handel künftig ermöglichen.

Ein Rückschlag droht ausgerechnet aus dem Innern der Bitcoin-Gemeinde. Mächtige Firmen wollen die bisher festgelegte Rechenleistung erweitern, damit Überweisungen künftig wieder so schnell vonstatten gehen wie früher, als die Nachfrage noch nicht so groß war. Sollte sich die Bitcoin-Welt entzweien, droht der nächste Kursabsturz. „Wer nicht damit leben kann, dass eine Digitalwährung auch mal über Nacht 30 Prozent nach unten geht, sollte die Finger davon lassen“, sagt Flaskämper. Diese Nacht wird kommen, früher oder später.

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