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Bitcoin-Szene : Internet-Alchemie

Alles nur fauler Zauber? Der Trend um die Kryptowährung Bitcoin lässt nicht nach. Bild: AFP

Ist Bitcoin das Versprechen auf eine Zukunft ohne mächtige Banken und gängelnde Staaten – oder das jüngste Spekulationsobjekt der Finanzmärkte? Einblicke in eine unbekannte Szene.

          Der Weg in das neue Währungssystem führt unter einem Torbogen in der Offenbacher Innenstadt hindurch über einen düsteren Innenhof zu einem Gebäude, in dem früher eine Druckerei betrieben wurde. Jetzt steht hier ein improvisiertes Vereinsheim: Der Coinfriends e. V. im Rhein-Main-Gebiet, einer der ersten deutschen Vereine zu den Themen Blockchain und Kryptowährung, will aufklären, vernetzen und – Geld verdienen. Mit Bitcoin, den größten Hype, den die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren gesehen haben. Warum auch nicht?

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Andi Redling und Robert Roppenecker stehen am Eingang und schauen nervös auf die Anmeldeliste. Es ist kurz vor sieben, zum ersten Mal erwarten sie nicht nur „Family & Friends“ zu einem Infoabend, sondern auch Nichteingeweihte. Sie haben Pizzahäppchen und Käsespieße vorbereitet, Bier und Softdrinks kaltgestellt. „Wir wollen Leuten helfen“, sagt Robert. „Von der Zeit, die wir in den Verein stecken, ist es definitiv ein Start-up“, sagt Andi.

          Bitcoin knackt die Marke von 10.000 Dollar

          Dann kommen die Gäste. Umarmungen hier, Handschlag da. Rund 40 werden es am Ende sein, fast alles Männer. Zweimal die Woche will der Verein von jetzt an solche Veranstaltungen anbieten. Denn der Informationsbedarf ist groß. Das Wort „Goldgräberstimmung“ fällt. Ist all das Ausdruck einer Hoffnung auf die sorgenfreie Geldanlage? Oder geht es um noch mehr – um ein Bezahlsystem ohne Bank und eine Demokratie ohne Staat?

          Das weiß hier noch niemand so genau. Sicher aber ist: Diese Woche war für Digitalwährungen und besonders Bitcoin außergewöhnlich. Es gibt ihn zwar seit rund neun Jahren, aber erstmals hat er die Marke von 10.000 Dollar übersprungen. Selbst in den Tagesthemen wurde darüber berichtet. Und tatsächlich, für den Preissprung des Jahres fehlen die Superlative. Eine Verzehnfachung des Preises seit Jahresanfang steht zu Buche. In den vergangenen zwei Wochen ging es um 50 Prozent nach oben. Mit herkömmlichen Bewertungen kommt man hier nicht mehr weiter.

          Keine Banken, keine Inflation, Anonymität

          In Offenbach setzt ein Mann, der sich als Basti vorstellt, zum ersten Vortrag an. Er bezeichnet sich als Trader und arbeitet als Kommunikationstrainer. Vor etwas mehr als einem Jahr hat er erstmals in Bitcoin investiert. Er listet die Vorteile der Kryptowährung auf: keine Banken, keine Inflation, weil die Menge begrenzt sei, Anonymität, gehört niemandem – so sieht er das. Er habe das vielen IT-Spezialisten gezeigt, sie alle hätten in die digitale Währung investiert. Viele etablierte Institutionen seien eingestiegen. „Blockchain hat also eine Zukunft“, sagt Basti. Es gebe 20 Millionen Bitcoin-Nutzer, aber 3,4 Milliarden Menschen mit Internetzugang. Heute liege der Marktanteil bei 0,27 Prozent, was wenn er einmal auf 50 Prozent steige?

          An Mahnern mangelt es dabei nicht: Die Liste reicht von Finanzaufsichten über Zentralbanken zu Bankern und Wirtschaftsnobelpreisträgern. Der bekannteste Kritiker ist wohl Jamie Dimon: Mit der Digitalwährung „wird es nicht gut ausgehen“, sagte der JP Morgan-Chef auf einer Konferenz im September. „Bitcoin ist ein einziger Betrug“, und es sei „schlimmer als die Tulpenblase“. Damit spielte er auf den Tulpenfieberwahn im 17. Jahrhundert in Holland an. Damals stiegen die Preise für die Knollen in astronomische Höhen, bevor die Blase platzte. Sollte ein JP Morgan-Händler mit Bitcoin handeln, würde er ihn „in einer Sekunde feuern“. Dafür nennt er zwei Gründe: „Zum einen ist es gegen unsere Regeln – und es ist dumm.“

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