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Bezahlen mit Potential : Die schöne Welt des digitalen Banking

70 Prozent der deutschen Internet-Nutzer erledigen ihre Bankgeschäfte online. Bild: plainpicture/PhotoAlto/Odilon Di

Kredit aufnehmen, Geld überweisen, Kapital anlegen: Das alles geht heute ohne Bank. Dabei ist das Potential des Onlinebanking noch lange nicht ausgereizt.

          Wie in jedem der zurückliegenden Jahre, so wird auch 2017 kaum eine Woche vergehen, in der nicht irgendwo auf der Welt von irgendeinem Finanzexperten ein alter Spruch von Microsoft-Gründer Bill Gates zum Besten gegeben wird: „Banking is necessary, banks are not.“ Dass es keine Banken braucht, um Bankgeschäfte zu erledigen, war anno 1994 eine ebenso kühne wie provokative Aussage. Im Laufe der Jahre hat sich Gates’ Behauptung aber immer mehr zu einem realistisch erscheinenden Szenario entwickelt. Fast alles, was Banken leisten, macht heutzutage auch eine Vielzahl anderer Anbieter möglich.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zum Beispiel Paypal, das sich im Online-Handel zum großen Spieler entwickelt hat. Längst haben sich Kunden daran gewöhnt, die Rechnung für ihre im Internet erstandene Ware nicht mehr mit einer Überweisung zu begleichen, sondern über diesen Bezahldienst aus Amerika. Die deutschen Banken und Sparkassen sind mit einem ähnlichen Angebot namens Paydirekt nachgezogen, doch sie tun sich schwer, Händler und Kunden davon zu überzeugen. Zu Bezahldiensten wie Paypal und anderen kommen viele weitere kleine Firmen aus der sogenannten Finanztechnologie, sogenannte Fintechs. Sie erleichtern dem Verbraucher das Banking und machen damit den Banken das Geschäft streitig. Der Verbraucher hat also die freie Wahl, ob er für Geldgeschäfte weiterhin seine Hausbank in Anspruch nimmt oder ob er auf die oft attraktiver anmutenden Alternativangebote eingeht. Egal, wie er sich entscheidet: Am digitalen Banking führt in Zukunft kein Weg vorbei.

          Die herkömmlichen Banken und Sparkassen bekommen den Trend seit Jahren zu spüren. Ihre Kunden sind immer weniger bereit, für Bankdienstleistungen zu bezahlen, sie kommen immer seltener in die Filialen, und wenn, dann oft nur, um sich bei größeren Finanzierungen wie einem Immobilienkauf beraten zu lassen. Einfache Bankgeschäfte werden dagegen daheim über den Computer erledigt. 70 Prozent aller Deutschen nutzen laut einer Studie des Verbandes Bitkom das Onlinebanking, 30 Prozent sogar ausschließlich. Mit dem Smartphone, das übernächste Woche zehn Jahre alt wird und zu unserem ständigen Begleiter geworden ist, wird das Banking weiter revolutioniert.

          Zwar werden auch die Angebote der herkömmlichen Kreditinstitute immer vielfältiger und digitaler: Entweder bringen sie eigene Angebote auf den Markt, um auch eine jüngere Kundengeneration künftig an sich zu binden, oder sie kooperieren mit findigen Fintechs und integrieren deren Anwendungen in ihr Geschäftsmodell. Doch obwohl die Banken, deren IT häufig veraltet ist, langsam den Anschluss an die neuen Möglichkeiten finden, bleiben ihnen die jungen Internetanbieter bis auf weiteres voraus. Deren digitale Angebote sind vollends auf den Kunden ausgerichtet, auf einfache Bedienbarkeit, auf Effizienz und Automatisierung. „Diese Potentiale werden von klassischen Banken bislang oft nicht ausgeschöpft“, heißt es in einer unlängst erschienenen Studie des Bundesfinanzministeriums, in dem der Markt der digitalen Herausforderer analysiert wird.

          Kredite to go

          Wie viele junge Firmen es in Deutschland gibt, die sich dem digitalen Banking verschrieben haben und um Kunden konkurrieren, ist schwer einzuschätzen. Die Zahlen schwanken zwischen 250 und 430, die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Wie viele es auch immer sind, sie greifen alle klassischen Bereiche der Wertschöpfung einer Universalbank an: Finanzierung, Vermögensverwaltung und Zahlungsverkehr.

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