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Berliner Fintech : Zum Geldabheben erst mal zu Penny

Geldautomat? Nicht nötig! Die Supermarktkasse tut’s auch. Bild: Stefan Kny

Über Gebühren fürs Geldabheben ärgern sich viele Bankkunden. Eine kostenlose Alternative bietet ein Berliner Fintech: Abheben im Supermarkt – auch ohne Mindesteinkaufswert. Wie funktioniert das?

          An vielen Ladenkassen gehört die Frage schon zum Standard-Repertoire der Kassierer: „Möchten Sie noch Bargeld abheben?“ In den Supermärkten der Rewe-Gruppe können die Kunden schon seit einigen Jahren gratis Bargeld von ihrem Girokonto erhalten, wenn sie für mindestens 20 Euro mit der Giro-Karte einkaufen. Aldi Süd hat im Dezember nachgezogen, und bietet seinen Kunden nun ebenfalls diesen gern genommenen Service. Bald könnte das Geldabheben an der Supermarktkasse noch viel geläufiger werden. Denn immer mehr Deutsche können den Dienst inzwischen auch nutzen, ohne dafür für 20 Euro einkaufen zu müssen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Berliner Fintech Barzahlen.de macht das möglich. Bislang haben vor allem reine Internetbanken wie die DKB Deutsche Kreditbank und die reine Smartphone-Bank N26 mit dem jungen Unternehmen kooperiert, um ihren Kunden auf diese Weise einen unkomplizierten Zugang zu Bargeld zu verschaffen. Mit den Sparda-Banken führen den Dienst nun erstmals auch Kreditinstitute ein, die ihren Kunden selbst Filialen und Geldautomaten anbieten. Den Anfang machen die Sparda-Banken in Nürnberg und Augsburg, die übrigen regionalen Institute sollen nach und nach den Dienst übernehmen.

          „Für Bankkunden ist die kostenlose Bargeldversorgung heutzutage ein elementares Thema“, sagt Stefan Schindler, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Nürnberg. „Daher freuen wir uns, unseren Mitgliedern mit dem neuen Service ,Sparda-Bargeld‘ eine einfache und flexible Lösung in ihrem direkten Umfeld bieten zu können.“

          Eine App genügt

          Die Technik ist einfach. Der Kunde muss nur die App der Sparda-Banken auf seinem Smartphone installiert haben und dort den Bargeld-Service freischalten. Wenn er Geld abheben will, klickt er auf „Auszahlung“ und gibt die gewünschte Summe dort ein. Das Programm generiert dann einen Strichcode, der auf dem Bildschirm angezeigt wird. Der Kassierer im Laden scannt ihn wie die Codes auf den Produkten ein und zahlt dem Nutzer dann die entsprechende Summe aus.

          In rund 10.000 Geschäften in Deutschland können die Kunden nach Angaben von Barzahlen.de auf diese Weise kostenlos an Geld kommen, neben den Supermärkten von Rewe, Real und Penny sind dem Netzwerk auch die Drogeriekette dm sowie die Handyshops von Mobilcom Debitel angeschlossen.

          Auch Einzahlungen auf das Girokonto sind über die Funktion möglich. Der Prozess funktioniert analog zum Abheben: Der Kunde wählt in der App den einzuzahlenden Betrag aus, erhält einen Strichcode und zahlt den Betrag an der Supermarktkasse auf sein Konto ein. Die Buchung erfolgt nach Angaben von Barzahlen in Echtzeit. Der Service kostet allerdings 1,5 Prozent des Einzahlbetrages. Mindestens müssen 50 Euro eingezahlt werden. Die Kontodaten der Nutzer verbleiben laut Barzahlen-Geschäftsführer Sebastian Seifert bei ihrer Bank.

          Service war ursprünglich für Internetkunden gedacht

          Die Sparda-Banken bieten ihren Kunden bislang ein vergleichsweise kleines Netz von 3000 kostenlosen Geldautomaten. Über den Zusammenschluss Cashpool können diese nicht nur die Sparda-Automaten, sondern auch die der Targobank, von Santander und von mehreren kleinen Privatbanken gratis nutzen. Zum Vergleich: Die Cash Group, zu der unter anderen die Deutsche Bank, Commerzbank und Postbank zählen, bietet 9000 Geldautomaten. Die Sparkassen und Volksbanken kommen in ihren Verbünden jeweils auf fünfstellige Zahlen von Auszahlautomaten, von denen allerdings wie berichtet längst nicht mehr alle kostenfrei sind.

          Ursprünglich hatten die Macher von Barzahlen.de eine andere Zielgruppe im Sinn, als sie ihren Dienst im Jahr 2013 auf den Markt brachten: Eigentlich war er für Kunden gedacht, die zwar im Internet einkaufen, dort aber nicht ihre Bankdaten zum Bezahlen eingeben wollen. Mehrere Online-Händler boten die Bezahlmethode Barzahlen als Alternative an, über die Kunden ihre Einkäufe im Netz bestellen und dann bar in verschiedenen Geschäften begleichen konnten. Bald fanden auch Anbieter von Online-Spielen Gefallen daran.

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          Schon im selben Jahr boten auch die Stadtwerke Düsseldorf ihren Kunden die Möglichkeit, ihre Stromrechnungen über Barzahlen zu begleichen. Denn noch immer zahlen erstaunlich viele Stromkunden ihre Rechnung in bar; zum Monatsanfang bildeten sich stets lange Schlangen im Servicecenter der Stadtwerke. Mit den Strichcodes, die sie über Barzahlen erhalten, können sie ihre Rechnung nun nach Angaben des Fintechs in 80 verschiedenen Geschäften in Düsseldorf begleichen. Inzwischen bieten demnach insgesamt 30 Stadtwerke sowie der Stromkonzern Eon die Bezahlmethode an.

          Als Alternative zum Geldautomaten hat erstmals N26 Barzahlen im Jahr 2015 eingeführt. Der Werdegang der Berliner ist damit durchaus exemplarisch: Erst nutzte ein anderes Fintech den Dienst, dann nahm eine Direktbank ihn auf, und nun trauen sich die ersten Filialbanken, die vermeintliche Konkurrenz ihren Kunden anzubieten.

          Quelle: F.A.Z.

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