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BIZ : Bank der Zentralbanken warnt vor digitalem Geld

Außenansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Bild: Fabian Fiechter

Das sogenannte Kryptogeld ist modern und scheint elegant. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich aber befürchtet Auswirkungen auf die Finanzstabilität, sollten Notenbanken es vorschnell einführen.

          Die Kryptowährung Bitcoin schlägt inzwischen nicht mehr ganz so hohe Wellen wie noch vor wenigen Wochen. Aber mit den digitalen Möglichkeiten zur Schaffung von Vermögenswerten beschäftigen sich nun auch die Notenbanken. So arbeitet die schwedische Zentralbank an einer digitalen Währung namens E-Krone.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ein Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sieht digitales Zentralbankgeld derzeit noch mit hohen Risiken verbunden. Deshalb zeigt sich die in Basel ansässige Bank der Zentralbanken in einem am Montag veröffentlichten Bericht zu digitalem Geld noch vorsichtig.

          Grundsätzliche Vorteile

          Der Vorsitzende des BIZ-Ausschusses für Zahlungs- und Marktinfrastruktur (CPMI), das EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré, hält viel Forschung und Testphasen vor einer Einführung für erforderlich. Er sieht grundsätzlich große Vorteile von digitalem Zentralbankgeld. So könnten Wertpapier- und Devisengeschäfte damit wesentlich effizienter abgewickelt werden.

          Der BIZ-Ausschuss unterscheidet zwischen zwei Formen des digitalen Geldes: Zum einen eine Währung, die nur ausgewählten Kreditinstituten zur Verfügung gestellt wird. Zum anderen eine Geldform, die von jedem verwendet werden kann. Diese allgemein verfügbare Alternative kann nach Ansicht von Cœuré die Art und Weise, wie Zentralbanken Geld bereitstellen, sowie deren Bedeutung für das Finanzsystem grundlegend verändern. Aber das sei noch unbekanntes Terrain mit Risiken, fügte der Franzose hinzu.

          Zinsen fürs Horten sind möglich

          Die stellvertretende Direktorin der Geldpolitischen Behörde von Singapur, Jacqueline Loh, warnte vor den Auswirkungen eines digitalen Geldes auf die Einlagen der Geschäftsbanken, die sich darüber wesentlich finanzierten. Das könne sich auch auf die Finanzstabilität niederschlagen.

          Zwar gebe das digitale Geld den Zentralbanken ein weiteres Instrument in die Hand, um die Leitzinsen auf die Wirtschaft zu übertragen. Doch nach Ansicht von Loh, die den Marktausschuss in dem BIZ-Gremium leitet, ist das auch schon mit dem vorhandenen Werkzeugkasten möglich.

          Dass sich die Reichsbank in Schweden mit digitalem Zentralbankgeld beschäftigt, liegt auch an der dort deutlich rückläufigen Bedeutung von Bargeld. Seit dem Jahr 2008 ist die Nachfrage nach Bargeld in Schweden um 40 Prozent gesunken. Zahlungen mit Karten oder Smartphone haben dagegen deutlich an Gewicht gewonnen.

          In vielen Geschäften wird kein Bargeld mehr angenommen, so dass die Banken die kostspielige Versorgung ihrer Kunden mit Geldautomaten verringern. Das hat wiederum zur Folge, dass der Gebrauch von Bargeld weiter sinkt. Ein weiterer Vorteil gegenüber Bargeld ist die Möglichkeit, digitales Zentralbankgeld zu verzinsen. Das ist in Zeiten negativer Zinsen interessant: Wenn die Ausweichmöglichkeit Bargeld verschlossen wird, sind Negativzinsen auf digitales Geld möglich.

          Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte sich vor einem Monat kritisch zu digitalem Zentralbankgeld geäußert. Als gravierenden Haken sieht er dessen direkte Konkurrenz zu den Bankeinlagen, auf die nun auch der BIZ-Ausschuss verwiesen hat. Vor allem die Vorstellung eines digitalen Bank Runs bereitet Weidmann Sorge. Die Kunden könnten per Mausklick ihre Ersparnisse auf das eigene Konto bei der Zentralbank transferieren und aus dem privaten Finanzsystem fliehen. Die Schwelle, dies zu tun, sei vermutlich wesentlich niedriger, so Weidmann.

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