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Die Vermögensfrage Risikovorsorge und Sparverträge sind für junge Familien wichtig

14.10.2011 ·  Die Auswahl der passenden Verträge hängt von den Zielen der Anleger ab. Vorsicht gilt bei teuren Versicherungen.

Von Volker Looman, Reutlingen
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Die private Finanzplanung junger Leute lässt in der Regel viele Wünsche offen. Das beginnt bei den Einnahmen, sprich Ausbildung und Beruf, und endet bei den Ausgaben, vulgo Konsum und Vermögensaufbau. Hier entscheiden zum Teil kleine Unterschiede über Erfolg und Misserfolg, so dass der Glaube an Chancengleichheit mit gewisser Vorsicht zu genießen ist. In der Theorie mögen die Aussichten gleich sein, doch im Leben sind die Unterschiede riesig, weil die Menschen allen Unkenrufen zum Trotz doch nicht gleich sind. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

Ein junger Mann ist 35 Jahre alt. Er hat Abitur gemacht. Danach hat er zwei Jahre als Sanitäter gearbeitet. Anschließend hat er fünf Jahre lang Maschinenbau studiert. Die Ausbildung wurde vor sechs Jahren mit der Promotion abgeschlossen. Der Lohn ist ein gutbezahlter Arbeitsplatz bei einem Autobauer. Auch im Privatleben lief es nicht ganz schlecht, wie der Schwabe sagt. Der Mann hat mit 33 Jahren geheiratet, und seit einem Jahr ist er stolzer Vater. Nun wünscht sich das Ehepaar weitere Kinder.

Die beste Vorsorge gegen Schulden

Dem Burschen ist bewusst, dass er trotz aller Tüchtigkeit auch Glück gehabt hat. Vor diesem Hintergrund betrachtet er auch das heutige Bruttogehalt von 7000 Euro. Davon bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern rund 4600 Euro übrig. Die Verwendung dieses Betrag führt ohne Umwege zum Girokonto. Immer wieder stehen Banken am Pranger, weil sie jährliche Sollzinsen von 14 oder 15 Prozent abrechnen.Warum muss ein Girokonto aber überzogen werden?

Wer monatlich einen bestimmten Betrag einnimmt, kann nach allgemeiner Auffassung eben nur diesen Betrag ausgeben. Sonst wird es eben eng, und was nicht geht, kann auch nicht passend gemacht werden. Wenn die Ausgaben höher als Einnahmen sind, droht die Talfahrt in die roten Zahlen, und Zinseszinsen können im Laufe der Zeit verheerende Schäden anrichten. Daher sind und bleiben der Verzicht auf Kreditlinien und Plastikkarten die beste Vorsorge gegen Schulden.

Neben der Einrichtung des richtigen Girokontos ist weitere Vorsorge notwendig, um im Notfall nicht auf der Straße zu stehen. Bei hohen Haftpflichtschäden, bei langer Krankheit und bei dauerhafter Berufsunfähigkeit ist auch ein Jahresgehalt von 84000 Euro nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Hier geht es schnell um hohe Beträge, die nur mit Hilfe geeigneter Versicherungen bezahlbar sind. Nötig sind in jungen Jahren freilich nur drei eigenständige Verträge.

Heikle Auswahl bei Krankenversicherungen

Die Prämie für eine Privat-Haftpflicht-Versicherung ist kaum der Rede wert. Für eine Deckungssumme von 50 Millionen Euro müssen zum Beispiel bei der Haftpflichtkasse in Darmstadt jährlich nur 77 Euro bezahlt werden, und bei der HUK in Coburg sind es 64 Euro pro Jahr. Damit sind junge Familien im Schadenfall auf der sicheren Seite und müssen keinen finanziellen Ruin befürchten. Deckungssummen von fünf oder zehn Millionen Euro bringen Vorteile von einigen Cents, doch die Einsparungen sind im Vergleich zu den Vorteilen lächerlich.

Viel heikler ist die Auswahl der richtigen Krankenversicherung. Angestellte mit Jahresgehältern von mehr als 49500 Euro müssen zurzeit ein Jahr in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sein, bevor sie in die privaten Kassen wechseln dürfen. Die gesetzliche Krankenversicherung kostet bei einem Bruttogehalt von 7000 Euro rund 304 Euro, wenn auf Selbstbehalte verzichtet wird. Durch den Einbau jährlicher Selbstbehalte von 1000 Euro lassen sich die Prämien auf ungefähr 250 Euro pro Monat senken.

Bei diesen Rabatten ist der Wechsel in die private Krankenkasse für junge Familien nicht interessant. In der privaten Krankenversicherung müssen die Mitglieder einer Familie einzeln versichert werden. Folglich schießen für jeden Mann mit Frau und Kindern die Prämien ins Kraut. Schon für ein Ehepaar und ein Kind liegen die monatlichen Prämien zwischen 250 und 300 Euro, so dass sich der Wechsel nur in Ausnahmefällen lohnt. Genauso besteht das Risiko, dass die Prämien im Alter erheblich steigen.

Große Verlockung

Heikel ist die richtige Absicherung gegen Berufsunfähigkeit. Die Rundumversorgung ist mit finanziellem Aufwand verbunden, weil zwei Policen nötig sind. Erstens ist eine Berufsunfähigkeitsrente erforderlich, die bei Bedarf sofort zahlt, und zweitens ist eine Altersrente nötig, weil die Invalidenrente höchstens bis zum 67. Lebensjahr überwiesen wird. Wird die zweite Police also übersehen oder verdrängt, droht im Alter finanzielle Armut, weil kein Geld mehr bezahlt wird. Dafür sind Aufwendungen notwendig, die schnell in die Hunderte gehen.

Wer bereit ist, die Beträge auf den Tisch zu legen, kann in der Regel drei Wege einschlagen: Er kann eine klassische Rentenversicherung mit Beitragsbefreiung und Rente bei Berufsunfähigkeit abschließen. Alternativ ist die Vereinbarung einer Basisrente mit denselben Zusätzen denkbar. Genauso kommt aber auch die Mischung selbständiger Policen und Sparverträge in Betracht.

Besonders groß ist die Verlockung, das zweite Paket zu wählen, weil die Prämien als Sonderausgaben absetzbar sind und die Steuerbelastung senken, doch das Modell ist mit erheblichen Nachteilen verbunden, sofern die Berufsunfähigkeit tatsächlich eines Tages eintritt. Hier gilt die Regel: Je früher der Anleger berufsunfähig wird, desto nachteiliger ist die steuerbegünstigte Invalidenrente, weil die Rente in voller Höhe der Einkommensteuer unterliegt.

Lebenslange Absicherung als Pokerspiel

Damit wird die lebenslange Absicherung zu einem wahren Pokerspiel. Im vorliegenden Fall würde die lebenslange Zahlung einer Monatsrente von 4000 Euro monatlich zwischen 1000 und 1200 Euro kosten. Das ist selbst für junge Spitzenverdiener so viel Geld, dass für weitere Vorhaben, zum Beispiel das Eigenheim, kein Geld mehr zur Verfügung steht. Viele junge Familien wollen aber ihr eigenes Dach über dem Kopf.

Sollen diese Ziele in naher Zukunft realisiert werden, ist in vier oder fünf Jahren auch Geld notwendig. Da passen die langfristigen Verträge überhaupt nicht ins Konzept, und das Problem ist, um es in aller Deutlichkeit zu sagen, auch nicht lösbar. Der junge Mann muss sich zwischen befristeter Versorgung mit Aussicht auf das Eigenheim und der lebenslangen Absicherung ohne Aussicht auf das Eigenheim entscheiden.

In der Regel wählen Familien die erste Variante. Sie schließen eine Risikopolice gegen Berufsunfähigkeit ab und stecken ihre Rücklagen in mittelfristige Sparverträge. Die Absicherung einer monatlichen Invaliditätsrente bis zum 67. Lebensjahr kostet einen 35 Jahre alten Mann je nach Versicherer zwischen 200 und 300 Euro. Das ist ohne Zweifel viel Geld. Trotzdem gibt es zu dieser Lösung keine Alternative. Die privaten Unfallversicherungen bezahlen ihre Renten nur nach Unfällen, und wer einen Blick in die Statistiken wirft, wird schnell erkennen, dass Berufsunfähigkeit in 70 bis 80 Prozent aller Fälle durch Krankheiten verursacht werden. Folglich sind Unfallpolicen fragwürdige Scheinversicherungen, die in vielen Fällen ihr Geld nicht wert sind.

Versorgung der Hinterbliebenen

Die vierte Grundabsicherung ist die Versorgung der Hinterbliebenen. Die beste Absicherung potentieller Witwen und Witwer sind gute Berufsausbildung und kurze Babypausen. Daher ist es kein Wunder, dass junge Frauen heute in aller Regel nicht mehr bereit sind, nach der Geburt ihrer Kinder zu Hause zu bleiben. Ihnen ist bewusst, dass Auszeiten von fünf oder zehn Jahren in der heutigen Arbeitswelt mit dem hohen Risiko verbunden sind, aus dem Berufsleben verdrängt zu werden. Folglich stellt sich die Frage, wie sinnvoll die Absicherung der Hinterbliebenen ist.

Die Antwort hängt von der persönlichen Einstellung und Lebensplanung ab. Es geht um fünf Fragen: Wie viel Geld benötigen die Hinterbliebenen? Wie hoch ist das Einkommen des Überlebenden? Wie lange soll die mögliche Lücke geschlossen werden? Soll die Rente dynamisiert werden? Mit welchem Anlagezins nach Steuern wird gerechnet?

Im vorliegenden Fall möchte das Ehepaar noch ein Kind, und die monatliche Rente soll 3000 Euro betragen. Die Frau ist zurzeit nicht berufstätig, so dass keine Einkünfte vorliegen. Die Unterstützung der gesetzlichen Rentenversicherung ist gering, weil die kleine Witwenrente nicht lange bezahlt wird. Folglich werden 3000 Euro benötigt, und der Betrag soll zehn Jahre lang bezahlt werden. Die Dynamik soll 2 Prozent pro Jahr betragen, und es wird mit einem Anlagezins von 3 Prozent nach Steuern gerechnet.

Eigenkapital notwendig

Die Wünsche führen zu einem Barwert von 340000 Euro, und die richtige Absicherung wird eine nackte Risikoversicherung ohne Firlefanz sein. Der Vertrag läuft zehn Jahre, die Versicherungssumme fällt jedes Jahr um ein Zehntel, und die Prämien werden jährlich bezahlt. Das führt zu Aufwendungen von etwa 200 Euro pro Jahr, die kaum der Rede wert sind. Entscheidend ist nur die Bereitschaft, den Vertrag unter Dach und Fach zu bringen. Der Hinweise mag sich merkwürdig anhören, doch wer die Realität kennt, kennt auch die geringe Wertschätzung der Policen. Vertreter lieben die Verträge nicht, weil die Provisionen niedrig sind, und Privatleute machen um Risikolebensversicherungen einen Bogen, weil die Ausgaben in der Regel verlorene Aufwendungen sind.

Wenn die Versicherungen in trockenen Tüchern sind, stehen für das Ehepaar in finanzieller Hinsicht nur noch zwei Dinge auf dem Programm: Arbeiten und Sparen. Das hört sich nicht gerade verlockend an, doch wenn in vier oder fünf Jahren ein Eigenheim gekauft oder gebaut werden soll, ist viel Eigenkapital notwendig. Das Ehepaar hat in den letzten Jahren neben einer Reserve von 20000 Euro ungefähr 50000 Euro. Das ist eine ordentliche Grundlage. Sie wird aber für ein Haus, das schätzungsweise 300000 bis 350000 Euro kosten wird, nicht ausreichend sein. Eigenkapital in Höhe von 25 bis 30 Prozent sind schon notwendig, um den Kredit innerhalb von zehn bis 15 Jahren tilgen zu können. Folglich sollten in den nächsten Jahren weitere 50000 Euro angespart werden.

Lausige Verzinsung

Das sollte bei einem monatlichen Nettoeinkommen von 4600 Euro kein Problem sein. Schwieriger ist die Wahl des richtigen Sparvertrags, doch bei nüchterner Betrachtung der Dinge löst sich dieses Problem in Luft auf. Es kommen nur kurzfristige und sichere Sparverträge in Frage. Das heißt: Keine Investmentfonds, null Kapitalversicherungen, nur Sparpläne von Banken oder Bausparkassen. Die Verzinsung dieser Verträge ist zurzeit lausig, doch die Höhe der Zinsen spielt bei einer Laufzeit von vier oder fünf Jahren eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist die Tatsache, dass im vorliegenden Fall jeden Monat mindestens 1000 Euro gespart auf die Seite gelegt werden.

Dann können in fünf Jahren bis zu 250000 Euro aufgenommen werden. Die Verschuldung ist allerdings an drei Bedingungen geknüpft. Der Ingenieur macht Karriere, oder die Frau sorgt in sechs Jahren für ein zweites Einkommen. Das Ehepaar wird nicht arbeitslos und lässt sich auch nicht scheiden. Die Familie konzentriert sich zehn Jahre auf die Rückzahlung des Kredites, weil die Aufwendungen für Zins und Tilgung monatlich 2500 Euro verschlingen. Wenn diese Bedingungen erfüllt werden, steht dem Wohlstand nicht mehr viel im Weg. Die Risiken sind abgedeckt, in der Kasse liegt ein Notgroschen, es besteht Anspruch auf staatliche Rente, im Alter von 50 Jahren winkt ein schuldenfreies Eigenheim, und in den folgenden Jahren kann mit den Raten für das Eigenheim weiteres Vermögen aufgebaut werden.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

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