Es ist eine innige Beziehung, gewachsen über viele Jahre. Sie beginnt normalerweise mit einem großen roten Sparschwein aus Plastik, geht dann weiter mit dem ersten Sparbuch sowie dem ersten Girokonto - und hält oft ein Leben lang. Die Deutschen mögen ihren Job wechseln, umziehen oder sich gar scheiden lassen - eines behalten sie trotzdem bei: Ihr Konto bei der Sparkasse. 50 Millionen Bundesbürger haben es.
Während viele Großbanken durch Fehlspekulationen von sich reden machen, gefallen sich die Sparkassen in ihrer Sonderrolle: Bei den Diskussionen um eine europäische Bankenaufsicht fordern sie eine Spezialbehandlung. Man gehört schließlich zu den Guten in diesen Krisenzeiten, von Brüssel aus regulieren lassen will man sich da nicht. In der Bevölkerung findet das Rückhalt: Mehr als die Hälfte der Befragten gab in einer Forsa-Umfrage an, den Sparkassen sehr zu vertrauen. Banken im Allgemeinen landeten mit rund 20 Prozent Zutrauen weit abgeschlagen dahinter.
Schlechte Angebote
Doch es ist Zeit, untreu zu werden. Denn der alte Werbeslogan „Wenn’s ums Geld geht, Sparkasse“ stimmt schon längst nicht mehr. Dies zeigt ein nüchterner Blick auf die Zahlen, die wohl so ziemlich jedem Bankkunden wichtig sein dürften: die Konditionen für Tagesgeld zum Beispiel. Oder die Zinsen, die beim Überziehen des eigenen Kontos anfallen.
Zwar gibt es keine einheitlichen Sätze, jedes der insgesamt 423 Sparkassen-Institute in Deutschland kann das Niveau selbst festlegen. Eine Auswertung der FMH-Finanzberatung für die größten deutschen Sparkassen macht aber deutlich: Ihre Angebote sind bestenfalls durchschnittlich, oftmals sogar klar schlechter. Wenn’s ums Geld geht, mögen die Sparkassen darum für viele Kunden eine naheliegende Lösung sein. Aber mit Sicherheit nicht die beste. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, die Dachorganisation der Institute, gibt offen zu: „Wir wollen und wir können nicht die günstigsten Anbieter sein. Aber wir haben das Ziel, unseren Kunden attraktive und faire Konditionen zu bieten.“
Attraktiv jedoch lassen sich die Tagesgeld-Offerten nun wirklich nicht nennen, die viele große Sparkassen ihren Kunden machen. Im Durchschnitt kommen die FMH-Experten bei einer Stichprobe von 22 untersuchten Kassen auf einen Zinssatz von gerade einmal 0,56 Prozent. Negativ fällt vor allem die Sparkasse Leipzig auf, sie zahlt nur mickrige 0,2 Prozent fürs Tagesgeld. Zwar können Sparer auch mit der Konkurrenz nicht reich werden. Aber im Mittel bieten deutsche Banken nach FMH-Angaben wenigstens rund 1,3 Prozent, bei den besten Anbietern lassen sich bis zu 2,5 Prozent herausholen.
Sind die Zinsen für Tagesgeld denkbar niedrig, sind sie dafür bei einer anderen Bankdienstleistung umso höher - beim Dispokredit. Der fällt immer dann an, wenn Bankkunden ihr Konto überziehen. Von jenen fairen Konditionen, von denen ihr Verband schwärmt, sind viele Sparkassen weit entfernt. Stattdessen wird es für ihre Kunden oft richtig teuer.
Optimierungsbedarf
Beispiel Kreissparkasse Köln, gemessen an der Bilanzsumme immerhin die drittgrößte Sparkasse Deutschlands: Der Überziehungszins liegt bei stolzen 13,03 Prozent. Im Schnitt verlangen die untersuchten Kassen zwar nicht ganz so viel, kommen aber dennoch auf stattliche 12,3 Prozent. Dass es auch deutlich günstiger geht, macht die Skatbank aus Altenburg vor: Dort zahlen Kunden mit 5,25 Prozent sieben Prozentpunkte weniger, wenn sie ihr Konto überziehen. Angesichts solch gewaltiger Unterschiede räumt der Sparkassenverband ein: Es bestehe Optimierungsbedarf. Den gibt es ebenfalls auf einem anderen Feld: Anders als die Konkurrenz haben sich viele Sparkassen immer noch nicht dazu durchgerungen, die Kontoführungsgebühren abzuschaffen. Auch das ist kein Ruhmesblatt.
Gebühren, niedrige Tagesgeld-Zinsen, hohe Dispokredite - damit könnte so mancher Kunde wohl leben. Lässt er sich allerdings in seiner Sparkasse auch noch in Fragen der Geldanlage beraten, steht er vor einem neuen Problem. Die deutschen Sparkassen verkaufen ihren Kunden vor allem Fonds des Anbieters Deka, und zwar aus einem einfachen Grund: Die Deka ist die hauseigene Fondsgesellschaft des Sparkassenverbundes. Eines ist die Deka aber derzeit gerade nicht - ein hervorragendes Anlagehaus. Auch dort regiert eher das Mittelmaß. In Zahlen ausgedrückt: Mit Blick auf die vergangenen drei Jahre kamen gerade einmal sechs Prozent der untersuchten Deka-Fonds bei den Experten des Analysehauses Morningstar auf eine sehr gute Bewertung. Eine schlechte bis durchschnittliche Note erhielten dagegen mehr als zwei Drittel der Fonds. „Besonders im Bereich der Aktienfonds hat die Deka mit Schwierigkeiten zu kämpfen“, sagt Morningstar-Analyst Simon Nöth.
Dank der großen Verkaufsunterstützung durch die Sparkassen wirken sich solche Schwächen aber weniger aus als gedacht. Zwar zogen die Kunden im ersten Halbjahr 2012 netto 3,2 Milliarden Euro aus den Fonds ab. Trotzdem ist die Deka mit einem verwalteten Vermögen von 150 Milliarden Euro weiter Deutschlands drittgrößte Fondsgesellschaft. Finanziert wird diese Stärke hauptsächlich durch die Sparkassen-Kunden.
Warum aber bleiben so viele Deutsche ihrer Sparkasse dann überhaupt treu? Zunächst einmal aus einem ganz banalen Grund: Kontowechsel sind mit Papierkram verbunden - viele Kunden scheuen den Aufwand. Außerdem mögen sie die starke Präsenz ihrer Kassen vor Ort, das dichte Filialnetz und den besonderen Schutz der Einlagen, den die Sparkassen bieten: Die Institute stehen in einem Haftungsverbund füreinander ein. Auch das, was die Verhaltensökonomen Status-Quo-Bias nennen, spielt eine Rolle: Bei so fundamentalen Dingen wie dem eigenen Geld scheuen Menschen Experimente. Lieber bleiben sie bei Bewährtem, ein Wechsel des Bankhauses fällt ihnen darum schwer.
Wie sehr sich der aber für den eigenen Geldbeutel lohnen kann, zeigt eine einfache Rechnung: Wer 10.000 Euro aufs Tagesgeld-Konto einzahlt, bekommt den Unterschied zwischen den mauen Sparkassen-Zinsen und den Top-Anbietern deutlich zu spüren. Die Differenz kann mehr als 200 Euro im Jahr ausmachen.
Hier muss ich mal die Sparkasse in Schutz nehmen!
Manfred Lurz (manfred.lurz)
- 04.09.2012, 19:56 Uhr
Ein Fels in der Brandung ...titelt zwar in der Regel ein Versicherungskonzern...
Axel Fachtan (ein_Liberaler_2)
- 04.09.2012, 03:42 Uhr
Preiswerte Polemik
Wilhelm Rueb (willirueb)
- 04.09.2012, 03:13 Uhr
Statement einer Sparkassen-Kundin
Birgit Hoymann (Fairkaufstrainer)
- 03.09.2012, 21:52 Uhr
Nicht zu gauben!
Nina Wunderlich (nihao75)
- 03.09.2012, 21:22 Uhr
