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Die Schülerhausse In Schanghai versucht jeder sein Glück

18.11.2007 ·  Feng Xian hat eine gute Stelle. Seit gut drei Jahren ist sie Kindermädchen bei einem deutschen Bankier in Schanghai. Die junge Frau ist verlässlich und hat sich in den Jahren das Vertrauen ihrer Familie erarbeitet.

Von Christoph Hein, Singapur
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Feng Xian hat eine gute Stelle. Seit gut drei Jahren ist sie Kindermädchen bei einem deutschen Bankier in der chinesischen Wirtschaftsmetropole Schanghai. Die junge Frau ist verlässlich und hat sich in den Jahren das Vertrauen ihrer Familie erarbeitet. Die Warnungen ihres Dienstherrn aber schlägt sie in den Wind: Feng Xian gehört zu den Chinesen, die das bisschen Geld, das sie haben, an die Börse tragen.

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis, eine Branchenanalyse, eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung sind böhmische Dörfer für sie. Und doch hat Feng Xian vor zwei Jahren ein Konto eröffnet, um ihr Salär aufzubessern. Umgerechnet knapp 15 Euro zweigt sie von den Kosten für die Ausbildung der Kinder im Monat ab, um sie in das größte Wettbüro der Welt zu tragen.

Schüler, Studenten, Rentner und Hausfrauen zocken an Chinas Aktienmärkten

Dort trifft sie Tausende Gleichgesinnte: Schüler und Studenten bringen ihr Ausbildungsgeld an die Börse, Rentner ihre schmalen Pensionen, Hausfrauen ihr Wirtschaftsgeld oder einen Kredit. "Sparen können wir das Geld nicht, damit verlieren wir nur", sagt Feng Xian. "Aber Chinas Wirtschaft wächst, und deshalb steigen auch die Aktienkurse immer weiter."

Zumindest die erste Behauptung stimmt: Trotz inzwischen sechs Zinserhöhungen bleibt der Sparzins hinter der Inflationsrate von 6,5 Prozent im Oktober zurück - das Geld schwindet auf dem Sparbuch. Feng Xian argumentiert: "Gerade da Schweinefleisch so teuer geworden ist, ist es wichtig, dass ich an der Börse mehr Geld verdiene." Bislang hat sich ihr kleines Vermögen wie von Geisterhand vermehrt: Rund 300 Prozent gewann der Index im vergangenen Jahr, weitere 140 in diesem.

Kleinanleger stehen für rund 60 Prozent des Handelsvolumens

Kein Wunder, dass in China bis in den Herbst hinein 300.000 Aktienportfolios eröffnet wurden - Tag für Tag. Die Kleinanleger stehen für rund 60 Prozent des Handelsvolumens an Chinas größter Börse. Zum Vergleich: In Amerika machen sie gerade einmal 5 Prozent aus, der Rest sind institutionelle Anleger. Und der Bärenmarkt, der sich über vier Jahre bis in den Herbst 2005 zog? "Das ist lange her. Damals herrschten andere Bedingungen", sagt Feng Xian. "Die Politiker werden dafür sorgen, dass wir kein Geld verlieren."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.11.2007, Nr. 46 / Seite 56
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