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Rentenmarkt : Die Renditen für sichere Anleihen sinken wieder

Donald Trump bei der Ankunft in Florida, wo er das Osterwochenende verbringt. Bild: Reuters

Mit der Wahl Donald Trumps verband sich Hoffnung auf höhere Anleiherenditen. Doch der Aufschwung ist vorbei – obgleich die Fed ihren Leitzins erhöht und ihre Bilanz reduzieren will.

          Es ist noch kein halbes Jahr her, da verband sich an den Kapitalmärkten mit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten eine Spekulation auf steigende Anleiherenditen. Genährt wurden diese Aussichten durch die Annahme, Trump werde mit einer expansiven Finanzpolitik – höhere Schulden durch Steuersenkungen und Infrastrukturprogramme – das Wirtschaftswachstum und die Inflation beleben. Prompt stiegen im vergangenen Herbst die amerikanischen Anleiherenditen, und angesichts der dominierenden Rolle der Vereinigten Staaten für die Finanzmärkte stiegen sie auch in anderen Regionen, darunter auch in Deutschland.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Am vergangenen Donnerstagabend lagen die Renditen zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen mit 2,23 Prozent so niedrig wie zuletzt im November 2016. Dem jüngsten Fall unmittelbar vorausgegangen waren Drohgebärden Trumps gegenüber Nordkorea sowie der Abwurf einer gewaltigen Bombe über Afghanistan durch die Amerikaner. Geopolitische Unsicherheit, ein lange Zeit an den Finanzmärkten unterdrücktes Thema, sorgt wie in früheren Zeiten für Nachfrage nach als besonders sicher eingeschätzten Kapitalanlagen. Das sind, neben Gold, auch Anleihen als solide eingeschätzter Staaten. Der jüngste Rückgang der Renditen für Staatsanleihen aus den Vereinigten Staaten, aus Deutschland, Großbritannien und Australien erklärt sich fraglos mit einer solchen Nachfrage nach Sicherheit, die zu höheren Kursen führt.

          Aber der Rückgang der Renditen für langlaufende Anleihen hatte schon in den Wochen zuvor begonnen. Er ist umso bemerkenswerter, als die Fed in diesem Zeitraum deutlich erkennen ließ, dass sie es mit einer allmählichen Straffung der amerikanischen Geldpolitik ernst meint. Mittlerweile hält man an den Märkten im weiteren Jahresverlauf sogar drei statt, wie bisher erwartet, zwei weitere Erhöhungen des kurzfristigen Leitzinses für denkbar. Erstaunlicher noch: Mehrere führende Vertreter der Fed, darunter der Yellen-Vertraute John Williams, haben klar erkennen lassen, dass sie ab dem Jahresende eine Verringerung der Bilanz der Notenbank für notwendig halten. Die Fed stockt ihre Anleihebestände zwar schon lange nicht mehr auf, aber sie ersetzt fällig werdende Anleihen in ihren Beständen durch andere Papiere und ist somit immer noch als Anleihekäufer am Markt.

          Die Renditen fallen

          Sollte die Fed im Zuge einer Reduzierung ihrer Bilanz ihre Käufe reduzieren oder ganz einstellen, zöge sich ein sehr wichtiger Nachfrager aus dem Markt zurück. Normalerweise reagieren Kapitalmärkte schon auf vage Ankündigungen geldpolitischer Änderungen, und daher hätte die Renditen auf die Überlegungen aus der Fed zu einer Bilanzreduzierung eigentlich steigen müssen, selbst wenn sich die Rückführung der Bilanz durch den Abbau der Anleihebestände über mehrere Jahre erstrecken sollte. Tatsächlich sind die Renditen aber gefallen.

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          Vorausgegangen ist an den Märkten eine Art wirtschaftspolitischer Ernüchterung über Trump in Verbindung mit Vermutungen, die Gefahr deutlich steigender Inflationsraten in der Welt sei vermutlich geringer als im Herbst 2016 angenommen. Die wirtschaftspolitische Ernüchterung über Trump hängt stark mit dem Scheitern seiner Gesundheitsreform im amerikanischen Kongress zusammen. Seitdem sind die Teilnehmer an den Kapitalmärkten nicht länger von der Fähigkeit Trumps überzeugt, eine auf kräftigen Steuersenkungen für Unternehmen beruhende Steuerreform in den kommenden Monaten zusammen mit dem Kongress zu vereinbaren.

          Bild: F.A.Z.

          In den vergangenen Wochen haben die Spekulationen auf eine kräftige Beschleunigung der Inflation abgenommen, aber ein Thema ist die Inflation in vielen Analysen geblieben. So liegt die Inflationsrate in Großbritannien mit 2,3 Prozent über dem durchschnittlichen Lohnzuwachs von 2,2 Prozent. Im Mittelpunkt des Interesses stehen aber die Vereinigten Staaten: Bis zu einer vollständigen Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik werde noch eine Dekade vergehen, sagt Robert Michele von JP Morgan Asset Management voraus. Währenddessen wachse die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten mit einer Rate, die über dem langfristigen Trend liege. Michele erwartet für den weiteren Jahresverlauf drei Erhöhungen des kurzfristigen Leitzinses. Für zehnjährige Staatsanleihen sagt er für das Jahresende eine Rendite von 3 bis 3,5 Prozent voraus.

          Die Fachleute von NN Investment Partners sehen die Weltwirtschaft im Wechsel von einem deflationären zu einem inflationären Umfeld. Steigende Unternehmensgewinne sollten für bessere Stimmung in den Unternehmen, steigende Investitionen und diese für eine zunehmende Produktivität sorgen. Eine gute Stimmung in den Unternehmen dürfte auch eine zunehmende Beschäftigung und steigende Konsumausgaben zur Folge haben. Die aktuelle Beobachtung in den Vereinigten Staaten, dass Konjunkturindikatoren besser ausfallen als die tatsächlichen Konjunkturdaten, betrachten sie als vorübergehendes Phänomen.

          Quelle: F.A.Z.

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