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Devisenmarkt Ein Gefecht um den Euro

25.09.2007 ·  Im Euroraum wird es trotz des starken Euros vorerst wohl keine Leitzinssenkung geben. Auch Interventionen scheinen in weiter Ferne. Der Dollar verliert dagegen immer weiter an Wert, nicht zuletzt, weil dies der Regierung entgegen eigener Beteuerungen durchaus gut passt.

Von Claus Tigges
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Den Akteuren auf den Währungsmärkten entgeht nicht das Gefecht, das sich der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) um die angemessene Zinspolitik liefern. Sarkozy fordert mit Blick auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten und auf den starken Euro eine Leitzinssenkung für den Euro-Raum. Dies, so vermutet Sarkozy, werde den Aufwertungsdruck der Gemeinschaftswährung verringern und den heimischen Exporteuren ein wenig Luft im harten internationalen Wettbewerb verschaffen.

Der Präsident der EZB, der Franzose Jean-Claude Trichet, zeigt sich unnachgiebig und verweist darauf, dass für die geldpolitischen Entscheidungen allein der Ausblick für die Preisentwicklung entscheidend sei. Der Wechselkurs des Euro spiele dafür nur insoweit eine Rolle, als sich aus ihm Folgen für die Preisstabilität ergäben. Diese Klarstellung verband Trichet mit dem Hinweis auf die französischen Staatsfinanzen, die wahrlich in keinem guten Zustand seien.

Mit einer Zinssenkung ist nicht zu rechnen

Die Devisenmarktteilnehmer dürfen also sicher sein, dass der starke Euro durchaus auf dem Radarschirm der EZB blinkt, dass aber mit einer Zinssenkung angesichts der jüngsten Kursgewinne nicht zu rechnen ist. Am Dienstag mussten gut 1,41 Dollar für einen Euro bezahlt werden, nur ein Hauch weniger als der Rekordkurs von 1,4130 Dollar. Chris Turner, Währungsstratege der Investmentbank ING, rechnet nun damit, dass sein ursprünglich für das Jahresende prognostiziertes Kursniveau von 1,42 Dollar je Euro viel früher erreicht wird, und hält Kurse von 1,45 Dollar je Euro für möglich.

„Die EZB dürfte aber noch ein ganzes Stück davon entfernt sein, auf dem Markt durch Euro-Verkäufe zu intervenieren“, sagt Turner. Der wichtigste Grund sei, dass die EZB ja auch nach der verschobenen Zinserhöhung von Anfang September die Neigung zu einer restriktiveren Geldpolitik nicht aufgegeben habe. „Interventionen gegen den Euro passen derzeit nicht zum Konzept“, sagt Turner. Zumal die Schwankungsanfälligkeit des Euro-Kurses recht gering und die Aufwertung zum Dollar bisher in geordneten Bahnen verlaufen sei.

„Starker Dollar nicht im Interesse der Regierung“

Carl Weinberg, Chefökonom der unabhängigen Analysegesellschaft High Frequency Economics in New York, hat derweil eine Begründung dafür anzubieten, dass die jüngste Dollar-Schwäche bisher nicht zu Beteuerungen des amerikanischen Finanzministers Henry Paulson geführt hat, dass ein starker Dollar in Amerikas Interesse sei: „weil ein starker Dollar gar nicht im Interesse der Regierung ist“.

Natürlich berge ein schwacher Außenwert die Gefahr einer Inflationsbeschleunigung und könne auch zum Verkauf amerikanischer Wertpapiere durch ausländische Investoren führen. „Aber eine schwache Währung hilft der Handelsbilanz, indem der Import sinkt und der Export steigt. Außerdem wird es für Ausländer auch günstiger, in Amerika zu investieren“, erläutert Weinberg, der ein Ende der Dollar-Talfahrt noch nicht abzusehen vermag.

Nachfrage nach den Rohstoffen aus Kanada

Derweil hat der kanadische Dollar zum ersten Mal seit mehr als drei Jahrzehnten die Parität zum amerikanischen Dollar erreicht, und in den kanadischen Kommentaren dazu ist auch ein wenig Stolz zu spüren. Gleichauf mit der Währung des wirtschaftlich übermächtigen Nachbarn im Süden, das ist schon etwas. Die Stärke des Loonie, so benannt nach einem Vogel auf der Ein-Dollar-Münze, basiert vor allem auf der Stärke der kanadischen Wirtschaft und der großen Nachfrage nach den Rohstoffen des Landes.

60 Prozent hat der Loonie in den vergangenen fünf Jahren an Wert gewonnen, zum Leid so manches kanadischen Exporteurs. Die Verbraucher indes haben von der Stärke ihrer Währung, so scheint es, kaum profitiert. Douglas Porter, Ökonom der Bank von Montreal, hat ausgerechnet, dass kanadische Verbraucher für einen Warenkorb mit vergleichbaren Gütern rund ein Viertel mehr bezahlen müssen als ihre amerikanischen Nachbarn. „Das ist aber auf Dauer nicht tragfähig. Ich rechne damit, dass es in den kommenden Monaten zu einer allmählichen Anpassung kommen wird“, sagt Porter.

Quelle: F.A.Z., 26.09.2007, Nr. 224 / Seite 25
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