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Zinsphantasie Starke Währungen in Australien und Neuseeland

15.10.2009 ·  Der australische Dollar wertet wegen der von der Notenbank geschürten Zinserhöhungserwartungen stark auf und zieht den Neuseeland-Dollar mit. Dabei sind die Exporte Neuseelands wegen der starken Währung förmlich eingebrochen.

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Die Währungen Australiens und Neuseelands verzeichnen schon seit Monaten massive Kursgewinne. Der australische Dollar wertete gegen das amerikanische Pendant seit Anfang März um knapp 46 Prozent auf auf zuletzt 92 amerikanische Cents je Aussie-Dollar. Die Währung Neuseelands konnte sogar um mehr als 50 Prozent aufwerten auf zuletzt 74,60 amerikanische Cents je Kiwi-Dollar.

Selbst gegen den an sich schon starken Euro erholen sich die beiden Währungen von den massiven Rückschlägen, die sie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres im Rahmen der Kreditkrise und der allgemeinen Dollarknappheit hatten hinnehmen müssen.

Die Währungen sind wieder auf „Vorkrisenniveau“

Inzwischen haben sie wieder das Niveau erreicht, auf dem sie vor der Krise gehandelt worden waren. Nach der Krise ist also vor der Krise - als ob nie etwas gewesen wäre.

Die Kurstrends zeigen gegen den amerikanischen nicht nur weiterhin nach oben, sondern gerade in den vergangenen Tagen hat der Auftrieb der australischen Währung förmlich an Dynamik gewonnen. Ein Grund dafür war die erste Leitzinserhöhung innerhalb der G20-Staaten um 0,25 Prozent- oder um 25 Basispunkte auf zuletzt 3,25 Prozent. Sie stand zudem in Verbindung mit Aussagen der Zentralbank, die weitere Zinserhöhung andeuteten.

Solche Erwartungen wurden inzwischen vom australischen Zentralbankgouverneur Glenn Stevens förmlich geschürt. Am Donnerstag erklärte er, die Notenbank könne mit Zinserhöhungen nicht zögern, nachdem nun immer mehr absehbar sei, dass die Wirtschaftskrise habe abgewendet werden können. Die Erfahrung spreche gegen eine asymmetrische Geldpolitik, die sich durch rasche, massive Zinssenkungen in Krisenzeiten und durch ängstliche Zinserhöhungen nach Überwindung der Krise auszeichne, erklärte er.

Tatsächlich sei das Zinsniveau zu tief für eine Wirtschaftsentwicklung, wie sie nun zu beobachten sei. Australiens Wirtschaft wächst aufgrund der starken Nachfrage nach seinen Produkten aus dem asiatischen Ausland wieder, der Arbeitsmarkt des Landes zeigte sich in jüngster Zeit überraschend robust, während sich der National Australia Bank Business Indicators Confidence auf ebenso erstaunlich hohem Niveau befindet wie die Inflationserwartungen.

Solche Äußerungen führen dazu, dass die Zinserwartungen zunehmen. Längst rechnet der Markt mit weiteren Zinserhöhungen im November und im Dezember und mit einer allmählichen Annäherung des Zinses an ein neutrales Niveau zwischen 5,5 und sechs Prozent. Daraus lässt sich die Euphorie am Währungsmarkt ableiten, die sich in Kursprognosen wie jener der St. George Bank zeigt, die davon ausgeht, der australische Dollar werde im zweiten Quartal des kommenden Jahres mit dem amerikanischen Pendant kursmäßig gleichziehen.

Angesichts des stabilen Trends, des allgemeinen Optimismus, des hohen Risikoappetits der internationalen Anleger und der rücksichtslosen Neigung, Zinserwartungen an den Märkten auszuspielen, sind solche Kurse wohl nicht ausgeschlossen. Die Absicht Stevens' jedenfalls ist klar: Wertet die Währung Australiens auf, so werden die Exporte des Landes im Ausland teuerer und weniger wettbewerbsfähig, die Nachfrage geht dann unter normalen Umständen zurück - und das dämpft die wirtschaftliche Entwicklung. Das heißt, die australische Zentralbank erhöht nicht nur die Zinsen, sondern sie interveniert praktisch auch verbal.

Neuseelands Wirtschaft ist empfindlich für eine starke Währung

Am Donnerstag legt die Währung Neuseelands noch stärker zu als jene Australiens. Der Kiwi-Dollar gewinnt gegen den amerikanischen Dollar knapp 1,2 Prozent und gegen den Euro ein Prozent. Das ist vergleichsweise erstaunlich, denn die Struktur und die Entwicklung der Wirtschaft Neuseelands ist weniger robust als jene in Australien. Denn das vergleichsweise kleine Land ist stärker auf das Geschäft mit so genannte Soft-Commodities angewiesen, da es kaum Bodenschätze hat. In diesem Bereich jedoch ist weder die Nachfrage noch die Preisentwicklung so beeindruckend, wie nach Energie und Rohstoffen.

Aus diesem Grund kann und wird die Wirtschaft Neuseelands sensibler auf eine starke Währung reagieren, als die Australiens. Tatsächlich sind die Exporte des Landes nach Angaben von Statistics New Zealand von vier Milliarden Dollar im März auf gerade noch 2,7 Milliarden Dollar im August zurückgegangen. Die Ausfuhr von Milchpulver, Butter und Käse, die normalerweise für rund ein Fünftel der Exporte stehen, gingen alleine im August um 25 Prozent zurück. Dabei mögen sowohl Mengen-, als auch Preiseffekte eine Rolle gespielt haben, befindet sich dieser Bereich doch beinahe weltweit in einer deflationären Phase.

Solche Fakten führen zur Frage, wie lange der Neuseeland- und der Australdollar gemeinsam aufwerten können, bevor aufgrund der empfindlicheren Wirtschaftsstruktur Neuseelands Wetten auf die Divergenz der Währungen einsetzen werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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