08.03.2010 · Das Interesse der Anleger an der Geldanlage in Rohstoffen ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. Die Zahl der Fonds, Zertifikate und ETCs auf diese Anlageklasse nimmt zu
Das Interesse der Anleger an der Geldanlage in Rohstoffen ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. In Rohstofffonds, börsengehandelten Rohstoffprodukten (Exchange Traded Commodities, ETCs) und Rohstoffzertifikaten waren Ende Januar nach aggregierten Daten von Fonds- und Zertifikateverbänden in Europa gut 25 Milliarden Euro investiert gegenüber rund 9 Milliarden Euro Ende 2007 und etwa 12 Milliarden Euro Ende 2008.
Allein in Deutschland flossen den in Rohstoffe investierenden Fonds nach Angaben des Fondsbranchenverbandes BVI im Jahr 2009 gut 2,2 Milliarden Euro mehr zu als aus den Produkten abgezogen wurden, im Januar waren es nochmals gut 300 Millionen Euro. In reinen Rohstofffonds waren Ende Januar knapp 6 Milliarden Euro angelegt. Angesichts von 650 Milliarden Euro, die insgesamt in Publikumsfonds investiert waren, sind Rohstoffanlagen damit immer noch ein kleiner Bereich, unter den Mittelzuflüssen des vergangenen Jahres nimmt die Produktklasse aber bereits eine Spitzenstellung ein.
Fonds, Zertifikate und ETCs - das ist die Frage
Dem Anleger, der bei der Geldanlage in Rohstoffen allein auf Preissteigerungen setzt, weil er hier weder Zinszahlungen noch Dividenden erhält, hat drei unterschiedliche Produktklassen, über die er in Rohstoffe investieren kann: Fonds, Zertifikate und ETCs. Bei Rohstofffonds muss der Anleger sich um die Bonität der Fondsgesellschaft keine Gedanken machen. Die Fonds sind als Sondervermögen im Insolvenzfall geschützt, der Anleger erleidet in seiner Rohstoffanlage dadurch keine Verluste. Ein Fonds muss jedoch das Anlagevermögen zwingend diversifizieren, kann sich also nicht nur auf einen oder wenige Rohstoffe fokussieren.
Der größte Rohstofffonds in Deutschland ist mit einer Anlagesumme von gut einer Milliarde Euro der DB Platinum Commodity Euro (WKN A0D97Z) der Deutschen Bank. Er bildet einen Korb aus 12 Rohstoffen ab. Die Gewichtung wird monatlich angepasst. Rohstoffe, die unterhalb ihres Durchschnittspreises der vergangenen fünf Jahre notieren, werden tendenziell höher gewichtet, als Rohstoffe, die über ihrem Durchschnittspreis liegen. Leichtes Rohöl, Erdgas und Nickel sind derzeit am höchsten gewichtet, Gold, Silber und Blei am niedrigsten. Für den Anleger wird eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1,2 Prozent fällig. Seit seiner Auflage im Mai 2005 hat sich der Fondspreis bis zum Sommer 2008 fast verdreifacht und anschließend bis zum Tief im Frühjahr 2009 halbiert und ist seither wieder um gut 40 Prozent gestiegen.
Deutlich günstiger sind Fonds auf Rohstoffindizes. 15 solcher Exchange Traded Fonds (ETFs) sind an der Deutschen Börse notiert. Ein typisches Produkt ist eines von Lyxor auf einen der ältesten Rohstoffindizes überhaupt, den 1957 entwickelten Reuters Jefferies CRB-Index (WKN A0JC8F). Der Index bildet die Preise von 19 Rohstoffen ab. Für den Fonds wird eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,35 Prozent erhoben. Auch hier hat sich der Fondspreis von seinem Hoch im Sommer 2008 bis zum Frühjahr 2009 halbiert und seither wieder 30 Prozent zugelegt.
Eine sehr viel größere Auswahl an Rohstoffprodukten gibt es im Bereich der Zertifikate. Allein die Société Générale gibt an, mehr als 6000 Rohstoffzertifikate am Markt zu haben. Der Anleger kann hierbei mit verschiedenen Laufzeiten und Hebeln auf die Preisänderungen zahlreicher Einzelrohstoffe spekulieren. Zudem bieten sich auch verschiedene Strukturen an, die das Risiko der Geldanlage reduzieren. So hat Goldman Sachs eine Rohstoffanleihe bis Ende nächster Woche in der Zeichnung (WKN GS2LEX). Sie basiert auf einem Korb aus acht Rohstoffen. Am Ende der Laufzeit von fünf Jahren wird dem Anleger zumindest die Rückzahlung seines angelegten Kapitals garantiert. Zwischenzeitlich kann der Anleger das Zertifikat handeln, der Kurs kann jedoch unter dem Einstandspreis notieren. Die Gewinne sind je Rohstoff auf 75 Prozent begrenzt. Eine Rückzahlung von 175 Euro je Zertifikat, das inklusive Ausgabeaufschlag zu Beginn 101,50 Euro kosten wird, ist also nur möglich, wenn alle acht Rohstoffe bis zum Ende der Laufzeit mindestens um 75 Prozent gestiegen sind. Wie bei allen Rohstoffzertifikaten ist im Unterschied zu Rohstofffonds das Kapital des Anlegers im Fall der Insolvenz des Zertifikateemittenten nicht geschützt. Wird der Emittent zahlungsunfähig, so drohen dem Anleger unabhängig von der vorherigen Preisentwicklung seines Zertifikats Verluste.
Bei Rohstoffanlagen sind Währungs- und Rolleffekte zu beachten
Börsengehandelte Rohstoffprodukte (Exchange Traded Commodities, ETCs) versuchen sich als Mischform aus Fonds und Zertifikaten zu positionieren. 150 ETCs sind an der Deutschen Börse notiert. Wie Zertifikate können sie im Gegensatz zu Fonds in Einzelrohstoffe investieren. Ebenso unterliegen ETCs einem Emittentenrisiko, das durch eine vollständige Besicherung des Zertifikats ausgeschaltet werden soll. Der mit Abstand größte Anbieter von ETCs, ETF Securities, hinterlegt liquide Wertpapiere, auf die der Anleger im Insolvenzfalle der Gesellschaft Zugriff erhält. Seit Montag bietet auch die Deutsche Bank zunächst vier ETCs auf Öl, Gold und Industriemetalle an, bis zum Jahresende sollen es mehr als 50 werden. Sie hinterlegt alle Produkte mit Gold, dessen Gegenwert dem Anleger im Falle der Zahlungsunfähigkeit der Deutschen Bank zur Verfügung steht.
Grundsätzlich müssen Anleger bei der Geldanlage in Rohstoffen beachten, dass die meisten Rohstoffe in Dollar notieren, also ein Währungsrisiko besteht. Zahlreiche Produkte sind allerdings währungsgesichert. Zudem gibt es bei allen Rohstoffprodukten einen Rolleffekt. Banken haben verschiedenste Mechanismen getestet, um diesen Effekt zu minimieren, ganz ausschalten lässt er sich jedoch nicht. Er entsteht dadurch, dass die Geldanlage in Rohstoffen meist in Terminkontrakten erfolgt. Die sichern eine Lieferung des Rohstoffs in einer bestimmten Menge zu einem bestimmten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu. Da der Anleger diese Lieferung an Mais, Sojabohnen oder Schweinehälften aber in der Regel nicht tatsächlich erhalten möchte, muss der Emittent des entsprechenden Finanzprodukts den Terminkontrakt rechtzeitig vorher verkaufen und dafür einen mit einem ferner in der Zukunft liegenden Liefertermin erwerben, ein Vorgang der als "Rollen" bezeichnet wird. Häufig muss für den neuen Kontrakt mehr gezahlt werden als man für den alten erhält. Der Anleger erleidet also Rollverluste.
Andere Rohstoffe wie Gold können einigermaßen problemlos physisch gelagert werden. Die Deutsche Börse hat für ihr Produkt Xetra-Gold (WKN A0S9GB) 38,5 Tonnen Gold als Sicherheit in einem Tresor in Frankfurt gelagert. Die Anleger partizipieren mit Xetra-Gold an der Entwicklung des Goldpreises in Euro, der auf einem Rekordniveau notiert. Am Montag waren in Xetra-Gold erstmals mehr als eine Milliarde Euro angelegt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |