Es kam, wie es kommen musste. Gingen am Dienstag nach der Wiederwahl der scheinbaren „Interventionstaube“ Naoto Kann zum Parteivorsitzenden der Demokratischen Partei Japans von einer weiteren Aufwertung der japanischen Währung aus, so nutzte die Zentralbank des Landes den Überraschungseffekt und die sehr stark überkaufte Lage, um gegen die weitere Aufwertung zu intervenieren und Yen zu verkaufen.
Die ersten Transaktionen dieser Art seit sechseinhalb Jahren ließen den Yen gegen den amerikanischen Dollar über Nacht um bis zu drei Prozent auf bis zu 85,47 Yen je Dollar abwerten, nachdem er noch am Dienstag Kurstiefs von bis zu 82,88 Yen markiert hatte.
Yen gibt nach massiven Interventionen deutlich gegen Euro und Dollar nach
Gegen den Euro wertete die japanische Währung um bis zu 3,1 Prozent auf bis zu 111,11 Yen ab, nachdem am Vortag im Kurstief gerade noch 106,77 Yen nötig gewesen waren, um eine Einheit der europäischen Einheitswährung erwerben zu können.
Finanzminister Yoshihiko Noda bestätigte die Interventionen. Sie fänden unlilateral und ohne Unterstützung anderer Zentralbanken statt, aber sie seien im Vorfeld anderen Zentralbanken kommuniziert worden, erklärte er. Nach Angaben aus dem Markt soll die japanische Zentralbank im Auftrage des Finanzministeriums des Landes in den vergangenen Stunden am Devisenmarkt Yen im Gegenwert von etwas zehn Milliarden Dollar verkauft haben. Regierungskreise deuteten so etwas wie einen kritischen Wechselkurs von 82 Yen je Dollar an, den es zu verteidigen gelte.
Verkäufe dieser Art können kurzfristig dazu führen, dass der Yen weiter nachgibt, weil manche Händler wegen der ersten Intervention seit Jahres zum Rückkauf zuvor leer verkaufter Yenpositionen bewegt werden mögen. Tatsächlich ließ sich schon in den vergangenen Wochen der Aufbau von deutlichen spekulativen Yenpositionen an den Terminmärkten beobachten. Das heißt, der Devisenmarkt war sehr einseitig exponiert und entsprechend „reif“ für eine Gegenreaktion.
Manche Strategen zweifeln zwar am Erfolg der Interventionen. Der Yen könne bald wieder unter Aufwertungsdruck geraten, sollten die Erwartungen zunehmen, die amerikanische Zentralbank werde weitere Liquidität in den Markt einführen und sollte die japanische Zentralbank die im Rahmen der Interventionen eingeschleuste Liquidität abschöpfen, denken sie. Ähnlich wie in der Schweiz, könnten Anleger die Yenverkäufe der Bank of Japan als günstige Kaufgelegenheiten nutzen.
Intervention nur bei globaler Koordination glaubwürdig
Auf der anderen Seite sind die „Sterilisierungskosten“ für Japan wegen der im veränderten Zinslandschaft im Vergleich mit den letzten Interventionen vor sechs Jahren deutlich gestiegen und ihre Effektivität hat abgenommen. Die Zentralbank muss große Summen in den Markt bringen, um den Wechselkurs bewegen zu können. Die aktuelle Intervention zählt zu den größten, die jemals stattgefunden haben. Beides zusammen erhöht den Anreiz, die eingeschleuste Liquidität nicht abzuschöpfen, heißt es von Seiten der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Sollten japanische Anleger und Unternehmen gleichzeitig zur Überzeugung gelangen, der Yen habe vorerst sein Hoch gesehen, könnten sie dazu tendieren, das noch vorteilhafte Kursniveau zu noch mehr Investitionen im Ausland als in den vergangenen Monaten zu nutzen. Auf diese Weise würde das Yenangebot zusätzlich erhöht, sollten solche Transaktionen auf ungesicherter Basis stattfinden, erklären ihre Devisenanalysten weiter.
Dazu dürften sie sich aber nur überzeugen lassen, wenn die japanische Zentralbank den Markt wirklich überzeugen kann. Dazu wäre allerdings nach Einschätzung der HSBC-Analysten der Einsatz so großer Summen nötig, dass sie ohne internationale Koordination kaum denkbar wären, um nicht auf großen Widerstand zu stoßen. Schließlich kann nicht jeder gleichzeitig abwerten und schließlich sind Bemühungen, die eigene Währung zu schwächen, nichts anderes als purer Protektionismus. Genau der trug maßgeblich zur Weltwirtschaftskrise des vergangenen Jahrhunderts bei.