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Wohin nur mit dem Gold? Lagerraum für Edelmetalle in Asien wird knapp

 ·  Die Anleger wollen ihr Gold vor dem Zugriff westlicher Regierungen schützen. Aber auch die Nachfrage nach Gold und Silber in Asien wächst. China ist mittlerweile größter Goldproduzent der Welt.

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© REUTERS Vergrößern Wohin nur mit all dem Gold? Dieser Juwelier in Hongkong plaziert es einfach in seiner Auslage

Die Stadt ist einer der Lieblingsspielplätze für Superreiche, aber Silberbarren gab es bislang in Singapur nicht zu kaufen. Erst musste der Deutsche Gregor Gregersen kommen. Er erkannte die Marktlücke und gründete in der Tropenstadt sein Unternehmen Silver Bullion. Das bietet nun Kauf und Verwahrung von Silber im stark regulierten Stadtstaat an. Nicht nur Asiaten, sondern auch Europäer und Amerikaner kaufen - zumal Gregersen damit wirbt, dass das in Singapur verwahrte Silber vor den Zugriffen der westlichen Regierungen geschützt sei, sollten sie in der Krise auf die Idee verfallen, es einzuziehen. „Alles, was wir hier machen, machen wir mit einem Blick auf Amerika und eine mögliche Verstaatlichung von Edelmetallbarren“, sagt er.

Gregersen befindet sich in bester Gesellschaft. Seit jeher lieben die Asiaten Gold und Silber. Meist nutzten sie es in Schmuckform. In Indien geht die Liebe soweit, dass sich jüngst ein Mann ein Hemd aus Goldfäden hatte weben lassen. Seit der Wohlstand in Asien steigt und die Wirtschaftskrise im Westen kein Ende findet, betrachten aber auch mehr und mehr Anleger aus den Industrieländern Asiens entwickelte Metropolen als sicheren Hafen für ihre Barren.

Ausgebuchte Goldlagerstätten

Nun wird der Stauraum in den Safes knapp. Allein Brink’s hat seine Lagerkapazitäten in Singapur innerhalb eines Jahres auf nun 200 Quadratmeter verdreifacht. Zusätzlich bauen die Amerikaner nun ein Hochsicherheits-Lagerhaus in der chinesischen Finanzmetropole Schanghai. Konkurrent Malca-Amit besitzt große Safes in Singapur und Hongkong und will noch in diesem Quartal einen Tresor in Schanghai eröffnen. In Singapur hat Malca-Amit eine Schatzkammer mit 600 Tonnen Gold, sucht aber neue Räume, weil die Nachfrage steigt. Das Volumen entspricht einem Wert von fast 60 Milliarden Dollar. In Hongkong besitzt das Unternehmen schon Edelmetalllagerräume für 1000 Tonnen Gold - sie sollen praktisch ausgebucht sein.

Am bekanntesten ist der Singapore Freeport, ein riesige Schatztruhe aus Beton, direkt am Flughafen Changi. Dort können Superreiche ihren Besitz - neben Edelmetallen und Diamanten auch etwa Bilder oder Wein - lagern und auch zollfrei wieder ausführen. Eröffnet 2010 verdoppeln die Manager von Euroasia Investments die Lagerfläche ihres Singapore Freeports gerade auf 50000 Quadratmeter. Bis Jahresende wollen sie auch einen Großsafe in Peking eröffnen.

Zwar besitzt Malca-Amit schon lange Tresore in New York und Zürich. Doch würden mehr und mehr Asiaten aber auch Menschen aus dem Westen ihre Edelmetallbestände nach Asien verlegen wollen, weil sie dort vor Zugriffen von Regierungen aus Europa und Amerika sicherer erscheinen. Das Signal zur Umschichtung in den Osten gibt unter anderem Rohstoff-Papst Marc Faber: „Die Menschen machen einen Fehler, wenn sie all ihre Anlagen in einem Land halten. Die Mehrheit meines Goldes liegt noch in der Schweiz, aber ich schichte schon Gold nach Asien um“, sagt der Verfasser des „Gloom, Boom & Doom Report“.

Nachfrage in Asien steigt

Die Nachfrage nach Kapazitäten wächst getrieben von der Verlagerung, aber auch durch das Interesse der Asiaten am Besitz von Edelmetallen. Allein Chinas Goldnachfrage lag im dritten Quartal des vergangenen Jahres 47 Prozent über dem Vorjahreswert. Immer mehr der Nachfrage wird im eigenen Lande gedeckt. Im vergangenen Jahr schürften die Chinesen mit 403 Tonnen Gold mehr denn je und blieben an der Spitze der Produzentenländer. Im Jahresvergleich legte die Produktion um 12 Prozent zu. Seit 2003 hat sich der Goldausstoß Chinas verdreifacht, 2007 überholten die Chinesen Südafrika als größter Goldproduzent. Die Anbieter von Großsafes reiben sich die Hände: Bis 2015 wollen die Chinesen eine Jahresproduktion von 450 Tonnen Gold erreichen, der heimische Konsum soll dann auf 1000 Tonnen gestiegen sein. Dies wäre ein deutlicher Sprung, denn im gesamten vergangenen Jahr dürfte er bei etwa 650 Tonnen gelegen haben. Indien, bislang der größte Goldverbraucher der Erde, hat gerade seine Steuern auf den Goldkauf erhöht - denn der wächst so stark, dass er die Handelsbilanz von Asiens drittgrößter Volkswirtschaft belastet. Die Nachfrage der Inder aber haben die höheren Steuern kaum gebremst. Angeblich soll das Land, in dem 650 Millionen Menschen als arm gelten, mit geschätzten 11000 Tonnen Gold so viel besitzen, wie Amerika und Deutschland zusammen.

Aber nicht nur die Sicherheitsfirmen leben in Asien gut. Auch die kleineren Betreiber von Goldminen etwa in Australien oder Afrika schielen auf kaufkräftige Chinesen. Die Reihe der Interessenten wächst im Wochenrhythmus: Zijin Mining hat schon Norton Gold Fields gekauft. Der Vorsitzende von Zijin kündigte an, innerhalb von fünf Jahren 5 Milliarden Dollar in Übernahmen von Goldschürfern stecken zu wollen. Die China National Gold Group will Lagerstätten in Afrika kaufen. Und Shandong Zhaojin soll in Australien über goldene Zukäufe verhandeln.

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