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Wenig Potential für Anleger Staaten füllen ihre Lager mit günstiger Baumwolle

 ·  Baumwolle ist so günstig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Viele Länder erhöhen nun ihre Lagerbestände. Rohstoffanalysten sehen den Baumwollpreis weiter auf niedrigem Niveau.

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© REUTERS Vergrößern Ab in den Sack: Chinesiche Arbeiter verpacken den Rohstoff

China hat die Gunst der Stunde genutzt: Weil sich die Preise für Baumwolle auf einem sehr niedrigen Niveau befinden – aktuell kostet ein Pfund (454 Gramm) etwa 0,72 Dollar – hat sich der asiatische Riese mit reichlich Ballen eingedeckt. Es befinden sich rund 9 Millionen Tonnen in den Lagern Chinas. Das würde ausreichen, um das Angebotsdefizit sechs Jahre lang auszugleichen. Damit ist und bleibt China der größte Baumwollimporteur der Welt und größter Produzent der Naturfaser.

Der Preis für Baumwolle sinkt schon seit Jahren. Grund ist ein großes Überangebot: Allein im vergangenen Anbaujahr wurden 3,5 Millionen Tonnen mehr produziert als nachgefragt. Für dieses Jahr wird immerhin noch mit einem Überschuss von 2 Millionen Tonnen gerechnet. Das wäre schon das dritte Mal in Folge, dass das Angebot die Nachfrage übersteigt. Dazu kommt, dass die Lager überall auf der Welt voll sind. Das International Cotton Advisory Committee schätzt, dass die globalen Baumwollbestände um 17 Prozent auf ein Rekordniveau von 16,4 Millionen Tonnen steigen werden. „Das Potential für steigende Preise bei Baumwolle könnte in der angelaufenen Saison 2012/13 deshalb begrenzt sein“, schreiben die Analysten der Bank Vontobel in einem Rohstoffbericht. Die Commerzbank rechnet für 2013 mit einem Preis von etwa 85 Cent.

Anleger verzockten sich mit Baumwolle

Die erheblichen Überschüsse erklären sich aus einer Preisspitze im Jahr 2011. Damals kostete ein Pfund in der Spitze mehr als 2,20 Dollar und veranlasste viele Produzenten, auf Baumwolle umzusteigen. Deswegen ist der Preis nun auf das Niveau von etwa 70 Cent je Pfund gefallen. Die gute Nachricht ist aber: Viel tiefer können die Preise eigentlich nicht mehr fallen. Die Produktion eines Pfundes Baumwolle kostet durchschnittlich 55 Cent. Der niedrige Preis ist jetzt schon für einige Landwirte in den Vereinigten Staaten problematisch: Sie brauchen einen Preis von mindestens 80 Cent, um überhaupt wirtschaftlich arbeiten zu können.

© F.A.Z. Vergrößern

Zuletzt verzockten sich Anleger kräftig mit Baumwolle, als sie stark auf steigende Preise setzen und 17.000 Positionen am Terminmarkt darin aufbauten. In Analysen zur Baumwollernte in den Vereinigten Staaten war zuvor von einer schlechten Qualität der Faser und damit einhergehend Verarbeitungsproblemen die Rede. Der heiße Sommer hätte neben Weizen, Mais und Soja auch die Baumwolle beschädigt. Mitte Oktober entsprachen nur 46 Prozent der bis dato eingeholten Ernte dem vom Markt verlangten Qualitätsstandard. Zusätzlich waren die Baumwolllager in den Vereinigten Staaten so leer wie seit zehn Jahren nicht mehr – eben weil sich Länder wie China mit Baumwolle eindeckten. Daraufhin setzten viele Anleger auf steigende Preise – und wurden bitter enttäuscht. Die Preise sanken weiter auf das jetzige Niveau. Nun halten sich die Short- und Long-Positionen, also die Wetten auf fallende oder steigende Preise am Terminmarkt, ungefähr die Waage. Das heißt: Die Anleger wissen momentan nicht so genau, wohin der Preis gehen könnte, sie rechnen also mit einer Stagnation.

Viele Produkte sind nicht währungsgesichert

Das niedrige Preisniveau bietet allerdings auch Chancen. So sagt Karsten Fröse, Baumwollexperte an der Baumwollbörse Bremen: „Der Preis ist so attraktiv, dass manche Spinnereien vielleicht von Polyester weggehen und wieder auf Baumwolle setzen“, erklärt der Fachmann. Kurzfristig werde es jedenfalls keine niedrigeren Textilpreise geben: Zwar sprach Karl-Johann Persson, Vorstandschef des Textileinzelhandelsunternehmens H&M im Zuge der steigenden Baumwollpreise davon, dass auch die Textilpreise steigen werden. Das Unternehmen wollte sich zuletzt aber gegenüber dieser Zeitung nicht dazu äußern, ob die niedrigen Baumwollpreise zu günstigeren Textilien führen.

Derweil könnte sich für Anleger ein Blick auf börsennotierte Textilproduzenten und -verkäufer lohnen. Diese können sich bei gleichbleibenden Kleidungspreisen und niedrigen Baumwollpreisen über steigende Margen freuen und ihre Ergebnisse so eventuell deutlich verbessern.

Investoren, die trotz der Risiken direkt in Baumwolle investieren wollen, haben einige Möglichkeiten: Mehrere Großbanken wie Barclays, Unicredit, Goldman Sachs, die Société Générale und die Commerzbank bieten Zertifikate an, mit denen Anleger gehebelt und ungehebelt auf steigende und fallende Preise für Baumwolle setzen können. Auch ETF Securities, der größte Anbieter für börsengehandelte Rohstoffpapiere, sogenannte ETC, hat einige Produkte im Angebot. Mit ihnen können Investoren ebenfalls auf steigende und sinkende Preise setzen. Anleger sollten darauf achten, dass viele Produkte nicht währungsgesichert sind. Außerdem kann es zu Rolleffekten kommen, wenn der alte Kontrakt ausläuft und der neue einen anderen Preis hat als der vorherige.

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