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Weltwährungssystem Weitere Kritik am Dollar als Leitwährung

11.07.2009 ·  Auf dem Weltwirtschaftsgipfel sprachen sich China und Frankreich für Veränderungen des Weltwährungssystems aus. Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich skeptisch über chinesische Vorstellungen. Die Amerikaner wehren ab.

Von Andreas Mihm, L'Aquila
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Kritische Äußerungen mehrerer Staats- und Regierungschefs zur Rolle des Dollar haben auf dem Weltwirtschaftsgipfel Spekulationen über einen Ersatz der amerikanischen Zahlungseinheit als Weltleitwährung Auftrieb gegeben. Auch wenn das Thema nicht Gegenstand in den offiziellen Beratungen war, sprachen sich mehrere Teilnehmer am Rande der Veranstaltung für eine langfristige Neuordnung des Weltwährungssystems aus. Auch der Vertreter Chinas bekräftigte das entsprechende Verlangen seiner Nationalbank nach einer Ablösung des Dollar, wofür sich zuletzt auch die russische Regierung ausgesprochen hatte. Amerikas Regierung sieht die Führungsrolle des Dollar dagegen nicht in Frage gestellt.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene System sei überholt: „Ehrlich gesagt, 60 Jahre später muss man sich die Frage stellen: Sollte eine Welt, die multipolar ist, nicht durch ein multipolares Währungssystem widergespiegelt werden?“ Wie der britische Premierminister Gordon Brown machte aber auch Sarkozy deutlich, dass es sich nicht um ein kurzfristiges Projekt handele. Brown wurde mit der Bemerkung wiedergegeben, es komme erst einmal darauf an, die Weltwirtschaft aus der Krise zu führen.

Merkel zeigt sich skeptisch

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, im offiziellen Teil des Gipfels sei darüber nicht gesprochen worden. Sie zeigte sich zudem skeptisch über chinesische Vorstellungen zur Verwendung einer künstlichen Rechnungseinheit als weltweiter Reservewährung. Sie sei sicher, dass dieser Vorschlag „in nächster Zeit nicht von praktischer Relevanz ist“. Allerdings sagte Merkel auch, dass der Dollar-Raum durch andere Währungsräume ergänzt werden sollte.

Die Frage nach der Zukunft der Weltleit- und Reservewährungen sei schon beim Weltfinanzgipfel in London im April aufgebracht worden, erläuterte die Kanzlerin. Seither würde darüber ständig gesprochen. Der Weltfinanzgipfel soll Ende September in Pittsburgh fortgesetzt werden. Merkel kündigte erstmals an, dass sie an dem zweitägigen Treffen unmittelbar vor der Bundestagswahl am 27. September teilnehmen werde. Dort steht vor allem die künftige Regulierung der Weltfinanzmärkte auf der Tagesordnung.

Die Stellung des Dollar wird nicht in Frage gestellt

In einer Rede bei einem Arbeitsessen in Anwesenheit des amerikanischen Präsidenten Barack Obama hatte zuvor der chinesische Staatssekretär Dai Bingguo in L'Aquila die Debatte ausgelöst. „Wir sollten ein besseres System für die Ausgabe und Regulierung von Reservewährungen haben“, hatte Dai verlangt und damit Forderungen seiner Zentralbank bekräftigt. Mit Dai, der den wegen der Unruhen nach China zurückgereisten Staatspräsidenten Hu Jintao bei dem Gipfel vertrat, verlangt erstmals ein hochrangiger chinesischer Politiker einen solchen Schritt. Eine Reform trüge unter anderem zu einer Stabilisierung der Wechselkurse zwischen den großen Währungen bei. Direkt zum Dollar äußerte sich Dai nicht.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, sagte, der Dollar sei auch nicht bei einem Treffen von Präsident Obama mit seinem brasilianischen Kollegen Luiz Inácio Lula da Silva angesprochen worden, obwohl es eine längere Diskussion über wirtschaftliche Themen gegeben habe. Er sehe nicht, dass die Stellung des Dollar in Frage gestellt werde.

Für ein stabiles Weltwährungssystem eintreten

In ihrer gemeinsamen Erklärung versicherten die Mitglieder der G 8 und die ebenfalls vertretenen großen Schwellenländer der G 5, sie würden sich nicht in einen Abwertungswettlauf ihrer Währungen begeben, um sich so eventuell kurzzeitig Exporterfolge verschaffen zu können. Sie wollen vielmehr für ein stabiles Weltwährungssystem eintreten.

Chinas Zentralbank hatte im März eine umfassende Reform des Währungssystems und langfristig eine Ablösung des Dollar als Leitwährung verlangt. Pekings Notenbank hatte vorgeschlagen, die Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu einer multinationalen Reservewährung weiterzuentwickeln. Der Wert der SZR bemisst sich nach einem Währungskorb, der die Bedeutung unterschiedlicher Währungen für den Welthandel widerspiegelt.

Die schwindende Hegemonie des Dollar

Die Hegemonie des Dollar geht auf die Zeit zwischen den Weltkriegen zurück. Sie reflektiert die politische und wirtschaftliche Macht Amerikas. Die erste Leitwährung war das Pfund in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das Britische Empire in Blüte stand und London sich als führender Finanzplatz der Welt etabliert hatte. Damals waren die wichtigsten Währungen durch Gold gedeckt (Goldstandard). Tatsächlich aber spielte das Pfund die dominierende Rolle.

Zwischen den Weltkriegen fand eine politische und wirtschaftliche Machtverschiebung von Großbritannien in Richtung der Vereinigten Staaten statt. New York löste London als führendes Finanzzentrum ab und der Dollar begann das Pfund als wichtigste Währung der Welt abzulösen. In jener Zeit sammelten die Amerikaner erhebliche Goldreserven an.

Im Jahre 1944 wurde auf der Konferenz von Bretton Woods der Dollar als Leitwährung offiziell auserkoren. Seitdem dominiert er die internationalen Währungsbeziehungen, auch wenn seit dem Zusammenbruch des Festkurssystems von Bretton Woods in den siebziger Jahren kein offizielles Weltwährungssystem mehr existiert. Auf regionaler Ebene etablierte sich die D-Mark als Leitwährung im Europäischen Währungssystem (EWS).

Eine Leitwährung findet international Verwendung als Zahlungsmittel, Währungsreserve und Anlagewährung an den Kapitalmärkten. Andere Länder ketten den Außenwert ihrer eigenen Währung an die Leitwährung, um Störungen des Außenhandels durch starke Wechselkursschwankungen zu verhindern. So haben Länder in Asien ihre Währungen an den Dollar gebunden.

Probleme entstehen, wenn die Politik des Leitwährungslandes für die Partner unverträglich wird, zum Beispiel als Folge von Inflation. In diesem Fall müssen die Partner entweder selbst inflationieren oder größere Schwankungen der Wechselkurse akzeptieren. Immer mehr Länder sind heute nicht bereit, eine Dominanz der Währungsbeziehungen durch Washington zu akzeptieren. gb.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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