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Welle von Verkäufen Erstarkender Dollar lässt Goldpreis einbrechen

12.08.2008 ·  Der Dollar hat zum Euro und anderen Währungen an Wert gewonnen. Das hat eine Welle von Goldverkäufen ausgelöst. Die Folgerung, dies sei ein offenkundiges Zeichen für das Ende der Kreditkrise, wollen die meisten Fachleute aber nicht gelten lassen.

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Eine massive Verkaufswelle hat den Goldpreis innerhalb von drei Tagen in der Spitze um gut 10 Prozent gedrückt. Seit Mitte Juli ergibt sich sogar ein Fall um rund 20 Prozent. Gegenüber dem Mitte März verzeichneten Rekordhoch von gut 1030 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) sind die Notierungen nun um mehr als 25 Prozent gesunken. Auch die Talfahrt des Euro hat sich am Dienstag fortgesetzt. Am Vormittag wurde die Gemeinschaftswährung zeitweilig nur noch mit 1,4812 Dollar bewertet, später erholte sich der Euro auf Kurse um 1,49 Dollar. Das war rund ein Cent weniger als am Montag und rund 6 Cent weniger als noch Mitte vergangener Woche.

Als Auslöser der plötzlichen Euro-Schwäche gilt, dass Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), am vergangenen Donnerstag seine bisherige Prognose nicht wiederholte, die Konjunktur im Euro-Raum werde sich im vierten Quartal wieder beleben. Viele Anleger an den Finanzmärkten werteten dies als Hinweis, dass die EZB ihren Leitzins demnächst - vermutlich aber erst im kommenden Jahr - wieder herabsetzen werde. „Damit würde sich der erwartete Vorsprung der Euro- gegenüber den Dollar-Zinsen verringern“, erklärt Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank, die heftige Kursbewegung.

Dollar hat Tief zum Euro hinter sich

Der Dollar hat dabei zuletzt nicht nur zum Euro, sondern auch zu zahlreichen anderen Währungen an Wert gewonnen. Viele Anleger setzten darauf, dass die amerikanische Wirtschaft im kommenden Jahr wieder kräftig wachsen werde, während in vielen anderen Ländern der Abschwung erst begonnen habe, erläutert Krämer. Für ihn hat der Dollar-Kurs sein Tief zum Euro hinter sich. Der Euro könne sich zum Dollar zwar kurzfristig wieder etwas erholen, mittelfristig werde die Gemeinschaftswährung aber leicht abwerten, sagt Krämer voraus.

Mit Blick auf den Rutsch des Goldpreises bezeichnen es charttechnisch orientierte Analysten als besonders bedeutsam, dass der Markt ohne großes Zögern die Stützungszone um 860 Dollar durchbrochen habe, um sogleich auf fast 800 Dollar zu fallen. Hier befindet sich eine weitere Stützungszone. Sie stammt noch von Ende 2007/Anfang 2008. Wenn auch sie nicht halten sollte, wäre ein weiterer Rückgang auf etwa 700 Dollar vorgezeichnet, erklären charttechnisch orientierte Analysten. Beim Nachmittags-Fixing vom Dienstag in London wurde ein Preis von 817,75 Dollar ermittelt.

Gold hat Währungscharakter

Das Verhalten des in Dollar gemessenen Goldpreises lässt sich nach einhelliger Ansicht von Fachleuten mit der starken Erholung der amerikanischen Währung erklären, die Mitte Juli eingesetzt hatte. Dass sich Gold zum Dollar verhält wie eine Währung, war während der zurückliegenden Hausse des Edelmetalls beziehungsweise der Baisse dieser Valuta immer wieder betont worden. Jetzt wird diese These mit umgekehrten Vorzeichen abermals bestätigt. Doch der Währungscharakter des Goldes ist nicht alles, was seinen steilen Preiseinbruch begründet.

Vielmehr sollte nach Ansicht von Technischen Analysten beachtet werden, dass große Spekulanten, unter denen die Hedge-Fonds den Ton angeben, am Terminmarkt für Gold in New York (Comex) seit etwa zwölf Monaten fast ununterbrochen exzessiv hohe Netto-Kaufpositionen gehalten haben. Dies könne zweifelsfrei mit den wöchentlich erscheinenden amtlichen Zahlen belegt werden. Es wird vermutet, dass der Verkaufsdruck wesentlich von diesen spekulativen Kaufengagements ausging und wie üblich auch den Kassamarkt mit nach unten gerissen hat. Näheres werden die am Freitag erscheinenden neuen Zahlen über die Aufteilung der Terminpositionen auf kommerzielle Nutzer und Spekulanten nach dem Stand vom 12. August zeigen.

Offenkundiges Zeichen für Ende der Kreditkrise?

Gold war in der jüngeren Vergangenheit von unterschiedlichsten Seiten sowohl physisch als auch auf Termin zur Absicherung nicht nur gegenüber einem weiteren Verfall des amerikanischen Dollar, sondern auch gegenüber den Folgen der internationalen Kreditkrise gekauft worden. Letzteres lässt sich mit einer hohen Korrelation zwischen dem Auf und Ab dieser Krise und den Preisbewegungen des Edelmetalls seit Juli 2007 belegen.

Die Folgerung, der Einbruch des Goldes sei ein offenkundiges Zeichen für das Ende der Kreditkrise, wollen die meisten Fachleute aber nicht gelten lassen. Ihrer Meinung nach kommt es jetzt entscheidend darauf an, ob und, wenn ja, wie rege die physische Nachfrage angesichts des stark gesunkenen Preises wieder zunimmt. Sie lag in den vergangenen Monaten nicht zuletzt aus saisonalen Gründen darnieder. Denn die Schmuckindustrie als der mit Abstand bedeutendste „Verbraucher“ von Gold hält sich von der zweiten Hälfte des Frühjahrs bis zum Ende des Sommers gewöhnlich mit Käufen zurück.

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