09.08.2010 · Seit Anfang Juli ist der Weizenpreis explodiert. Aufmerksamkeit zog dies erst vor kurzem auf sich. Doch die Bergfahrt könnte schon wieder vorbei sein.
Von Martin HockManche Spekulationsblase zerplatzt recht schnell. Dies scheint am Montag auch beim Weizenpreis der Fall zu sein. Nach den drastischen Preissteigerungen der vergangenen Wochen wird das Getreide deutlich billiger gehandelt. Aktuell notiert amerikanischer Weizen bei 7,065 Dollar je Scheffel, nachdem er am Donnerstag noch zu 7,8575 Dollar gehandelt wurde.
Da der Preisanstieg sowie der darauffolgende Einbruch mit einem rekordhohen Handelsvolumen einherging, folgern die Analysten der Commerzbank, dass zumindest der letzte Teil des Preisanstiegs spekulativ getrieben war.
Nach Einbruch steigt der Preis wieder
Mit zur scharfen Korrektur trugen Meldungen bei, wonach Russland das vergangene Woche verhängte Exportverbot nach der Ernte nochmals überprüfen möchte. Eventuell könnten so im Oktober die Exporte wieder aufgenommen werden.
Allerdings scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. Denn auf dem aktuellen Niveau hat sich der Preis schon wieder deutlich von dem Niveau erholt, zu dem er am Morgen in den Handel gestartet war. Ursprünglich war der Preis bis auf rund 6,98 Dollar gefallen, was dem dramatischsten Kursverfall seit mehr als 14 Jahren entsprach.
Die Anleger seien extrem nervös und warteten auf neue Hinweise für die weitere Kursentwicklung, sagte Analyst Malcolm Bartholomaeus von Callum Downs Commodity News. Sie richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Prognosen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums zur weltweiten Weizenproduktion und den Lagerbeständen, die am Donnerstag veröffentlicht werden.
Russische Ernte fällt wohl noch schlechter aus als bislang befürchtet
In der Zwischenzeit aber sorgen neue Marktmeldungen für neue Spekulationen. Zum einen drohe die Weizenernte in Russland wegen der anhaltenden Hitzewelle noch schlechter auszufallen als bislang angenommen. Das auf Landwirtschaft spezialisierte russische Analystenhaus Sov-Econ rechnet nur noch mit einer Ernte von 43 bis 44 Millionen Tonnen. Das sind 4 Millionen weniger als zuvor prognostiziert. 2009 waren noch 61,7 Millionen Tonnen eingefahren worden.
Nach Dafürhalten der Commerzbank-Analysten könnten in den kommenden Tagen weitere Abwärtsrevisionen folgen, da Sov-Econ in den vergangenen Wochen Vorreiter bei den Abwärtsrevisionen gewesen sei. Es sei daher bei einer möglichen Wiederaufnahme der russischen Exporte mit einem deutlich geringeren Exportvolumen zu rechnen, schätzungsweise deutlich weniger als 10 Millionen Tonnen, nach 18 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr.
Auch in Deutschland werden nach den Worten von Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), die Ernteerträge bei allen Getreidesorten durchschnittlich rund 10 Prozent niedriger ausfallen als noch im vergangenen Jahr.
Vieles spricht gegen eine weitere Preisexplosion
Die Preisexplosion sei dennoch nicht gerechtfertigt. So seien die weltweiten Weizenvorräte mit 190 Millionen Tonnen rund 50 Prozent höher als nach der Ernte vor drei Jahren, als der Preis schon einmal ähnlich stark explodiert war und den Rekordpreis von 12,80 je Scheffel erreicht hatte. Vor allem aber trägt Russland kaum zur Versorgung der Weltgetreidemärkte bei, so Nüssel, der den Preisanstieg als rein spekulationsgetrieben ansieht.
Auch wenn es keine fundamentalen Gründe für eine Weizenpreisexplosion geben mag, so sind die Spekulationen doch Tatsachen. Allerdings spricht auch unter spekulativen Gesichtspunkten einiges gegen einen weiteren Preisanstieg. „Wenn wir das Hoch nicht bereits gesehen haben, dann sind wir wahrscheinlich nahe dran“, sagt Diana Klemme, Direktorin beim Marktbeobachter und Broker Grain Service.
Sie verweist auf die jüngsten Daten der U.S. Commodity Futures Trading Commission (CFTC), wonach spekulative Anleger am Terminmarkt ihre Netto-Kauf-Positionen in der Woche bis zum 3. August nur um 5,3 Prozent aufgestockt hatten. Das sei der niedrigste Anstieg gewesen, seit sie vor einem Monat begannen, auf steigende Notierungen zu setzen. Im Juli hatten die Weizennotierungen auf Monatssicht den größten Anstieg seit 37 Jahren verzeichnet, als die Netto-Kauf-Positionen sich zwei Wochen lang zunächst mehr als verdoppelt hatten und danach noch um 37 Prozent gewachsen waren.
Das nachlassende Tempo beim Aufbau von Long-Positionen der Anleger könnte ein Anzeichen dafür sein, dass die spekulativen Anleger ihr Augenmerk vom Weizen zu Mais verlagerten. Dort belebe sich die Nachfrage, nicht zuletzt vonseiten der Viehzüchter, sagte Klemme.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |