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Veröffentlicht: 28.02.2014, 08:00 Uhr

Wegen Importbeschränkungen Inder schmuggeln tonnenweise Gold

Indien ist einer der größten Goldimporteure der Welt. Wegen des Handelsdefizits darf aber nicht mehr so viel eingeführt werden. Das stört die Inder nur wenig.

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© AFP Gold gilt auch als Glücksbringer: Vor allem kurz vor Beginn der Hochzeitsaison steigen die Goldimporte nach Indien deutlich an

Die Maschine von Dubai ins indische Calicut war deutlich schwerer als sonst. Mehr als 50 Passagiere des Fluges trugen laut Behördenangaben Goldbarren im Wert von 2,5 Millionen Dollar mit sich. Am Flughafen angekommen, zeigten sie das Gold offiziell an und bezahlten 10 Prozent Zoll. Die meisten erklärten den üppigen Einkauf mit einer bevorstehenden Hochzeit in der Familie. Seit die Importbeschränkungen für Gold verschärft wurden, nutzen Juweliere und Händler ein Schlupfloch im Gesetz, indem sie Inder, die von der Arbeit im Ausland heimkommen, als Kuriere für das Edelmetall verwenden.

Erst im vergangenen Jahr hat China Indien als größten Goldimporteur der Welt überholt. Ob als Schmuck, Münze oder Goldbarren – die Nachfrage nach Gold erreichte in China im vergangenen Jahr einen Rekord von 1065,8 Tonnen und damit 32 Prozent mehr als im Jahr 2012, wie der Weltverband der größten Goldproduzenten, World Gold Council, mitteilte. Dass China Indien überholen konnte, ist vor allem auf Maßnahmen der indischen Regierung zur Eindämmung der Goldkäufe zurückzuführen. Denn die Goldimporte sind maßgeblich für das wachsende Leistungsbilanzdefizit Indiens verantwortlich, weil die Importe die Exporte deutlich übersteigen. Da es in Indien kaum Goldminen gibt, gehört das Schwellenland zu den größten Importeuren und absorbiert etwa einen Viertel des gesamten Goldes. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Importe auf fast 1000 Tonnen im Jahr mehr als verdoppelt.

Negative Folgen für die Volkswirtschaft

„Indien leidet an einer Gold-Vergiftung“, sagte Kamalesh Chandra Chakrabarty, Vizepräsident der indischen Zentralbank, im vergangenen Jahr auf einer Gold-Konferenz in Bangalore. Die Verrücktheit nach Gold, wie manche die Leidenschaft der Inder auch nennen, ist leicht zu erklären: Nur wenige Inder besitzen Aktien oder Anleihen, gerade einmal die Hälfte hat ein Bankkonto. Das Edelmetall soll außerdem Glück und Reichtum bringen. So bleibt Gold Sparbuch und Versicherung in einem. Keine Hochzeit ohne goldige Mitgift. Kein Tempel, der nicht über einen reichhaltigen Goldvorrat verfügt. Die Gläubigen spenden das Edelmetall in einer Art modernem Ablasshandel. Die Bauern hinterlassen es als Garantie in schlechten Zeiten.

Gold galt fast zehn Jahre als sichere Anlage. Von 2002 bis 2011 stieg der Goldpreis stetig – genauso wie die Importe nach Indien. Gold wurde nach Öl zum zweitwichtigsten Importgut. Im März 2013 brach der Goldpreis ein und wies ein Minus von 28 Prozent auf. In Indien führte das zu Hamsterkäufen – mit negativen Folgen für die Volkswirtschaft. Bezahlt wird Gold nämlich in Dollar. Mit der schon schwachen Rupie bedeutete das eine zusätzliche Belastung für Indiens Leistungsbilanzdefizit, das im vergangenen Jahr auf alarmierende 4,8 Prozent des Bruttoinlandprodukts anstieg. Mehr als die Hälfte des Defizits war auf die steigenden Goldimporte zurückzuführen.

Um die negativen Auswirkungen auf die Leistungsbilanz des Landes zu dämpfen, hat die Regierung die Einfuhrsteuern für Gold 2013 in mehreren Schritten von 4 Prozent auf 10 Prozent erhöht. Die Zentralbank hat Importeuren außerdem auferlegt, 20 Prozent des importierten Goldes in verarbeiteter Form als Schmuck wieder auszuführen. Vor allem letztere Maßnahme hat Wirkung gezeigt. Ab August konnten die Importzuwächse deutlich gedrosselt werden. Laut dem jüngsten Bericht des World Gold Council hat Indien im Jahr 2013 insgesamt 987 Tonnen Gold eingeführt, was nur noch einem bescheidenen Zuwachs von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Bis zu drei Tonnen Gold kommen pro Monat illegal nach Indien

In diesen Zahlen nicht enthalten ist das geschmuggelte Gold. Putzkräfte fanden etwa im vergangenen November nach der Landung einer Maschine im indischen Kalkutta Goldbarren auf der Flugzeugtoilette. Finanzminister Chidambaram kündigte daraufhin schärfere Kontrollen an Flughäfen und anderen Grenzübergängen an, um den wachsenden Goldschmuggel zu bekämpfen. Sein Ministerium schätzt, dass derzeit bis zu 3 Tonnen Gold pro Monat auf illegalem Weg nach Indien gebracht werden.

Laut dem Ministerium verstoßen die Goldkuriere so lange nicht gegen Gesetze, wie sie tatsächlich sechs Monate im Ausland gelebt haben. In diesem Fall könnten sie sogar offen sagen, dass sie dafür bezahlt wurden, Dritten das Gold mitzubringen „Der Anstieg ist dramatisch“, sagte Peter Abraham, der Flughafenchef in Calicut dem „Wall Street Journal“. „Diese Leute haben selbst nicht die Mittel, um all das Gold zu kaufen. Es sind nur arme Menschen, die im Nahen Osten arbeiten.“ Im Dezember verzollten Flugpassagiere allein in Calicut rund 4000 Pfund Gold im Wert von etwa 80 Millionen Dollar. Im November waren es noch 518 Pfund gewesen, im Oktober lediglich 70.

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