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Wechselkursziel Schweiz stellt sich gegen den Markt

 ·  Die Schweizer Zentralbank macht ernst und kündigt ein Wechselkursziel von 1,20 Franken je Euro an. Die Risiken unbegrenzter Interventionen sind aber beachtlich.

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Die Schweizer Zentralbank macht ernst. Nachdem die jüngsten geldpolitischen Maßnahmen den Kurs der Landeswährung im Verhältnis zum Euro nur vorübergehend beflügelt hatten, gab sie am Dienstag kurz vor zehn Uhr vormittags mitteleuropäischer Zeit bekannt, einen Kurs von weniger als 1,20 Franken für einen Euro nicht mehr tolerieren zu wollen (siehe Mindest-Wechselkurs festgelegt: Schweiz koppelt Franken an den Euro).

Daraufhin legte der Wechselkurs im Vergleich mit dem frühen Handel im professionellen Geschäft um bis zu zehn Prozent auf 1,2155 Franken je Euro zu und hielt sich im weiteren Verlauf knapp über der Marke von 1,20 Franken. In den vergangenen Tagen hatte die Währung des Landes aufgrund der sich fortsetzenden Banken- und Staatsschuldenkrise in Europa wieder deutlich aufgewertet; der Kurs war innerhalb weniger Tage von knapp 1,20 Franken je Euro auf bis zu 1,1 Franken gefallen.

Franken wertet stark ab - Kurse der Schweizer Aktien steigen

Während die Währung des Landes zunächst deutlich abwertet, verbucht der Schweizer Aktienmarkt gemessen am SMI Kursgewinne von bis zu 5,3 Prozent. Der marktbreite SPI kann um bis zu 4,5 Prozent zulegen, nachdem die Aktienkurse in den vergangenen Tagen den Erholungsversuch auf tiefer Basis abgebrochen hatten und wieder gefallen waren. Die gegenwärtige massive Überbewertung des Frankens stelle „eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar“ und berge das „Risiko einer deflationären Entwicklung“, erklärte die Nationalbank. Sie werde den Mindestkurs konsequent durchsetzen.

Dazu sind beachtliche Interventionen am Devisenmarkt nötig. Denn sowohl die extreme geldpolitische Strategie der amerikanischen Zentralbank, die enormen amerikanischen Staatsschulden und die schwache Wirtschaftsentwicklung in den Vereinigten Staaten als auch die wenig überzeugenden Sparmaßnahmen der europäischen Schuldenstaaten haben Anleger dazu verleitet, mehr Franken statt Dollar und Euro als in der Vergangenheit kaufen zu wollen. Schließlich sind die Staatsschulden der Schweiz vergleichsweise gering und die Goldreserven groß.

Die starke Aufwertung des Frankens jedoch beschneidet die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen im internationalen Geschäft. Nach einer Studie des Dachverbands der Schweizer Wirtschaft fürchten 20 Prozent der Exportunternehmen wegen des Höhenflugs des Franken um ihre Existenz. Die Geschäfte dieser Unternehmen hatten in der Vergangenheit floriert, da die Währung vor der Finanzkrise zumindest gemessen an den Erzeugerpreisen um bis zu knapp 30 Prozent unterbewertet war im Verhältnis zur europäischen Einheitswährung. Bei einem Kurs von 1,20 Franken je Euro ist sie nur leicht überbewertet.

Enorme Risiken der Wechselkursbindung - drohende Verwerfungen im Binnenmarkt

Die Schweizer Zentralbank kann theoretisch zwar unbegrenzt gegen eine Aufwertung intervenieren, die Risiken sind jedoch enorm. Denn heute veröffentlichte Daten zeigen, dass die Währungsreserven von 182 Milliarden Ende Juli auf rund 254 Milliarden Franken Ende August gestiegen sind. Damit haben die Wechselkursrisiken weiter zugenommen, nachdem zu frühe Interventionen schon zu beachtlichen Buchverlusten auf erworbenen Fremdwährungsbeständen in Höhe von mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsproduktes führten.

In Verbindung mit der Erhöhung der Sichteinlagen und der Wiederaufnahme von Swapgeschäften dürfte die Geldbasis im August nach Expertenschätzungen um etwa 200 Prozent gegenüber Juli gestiegen sein. Das kann den Preisauftrieb im Lande anheizen, nachdem schon die Währungsgewinne der vergangenen Monate nicht an die Kunden weitergegeben wurden und nachdem der Immobilienmarkt schon länger auf extrem hohem Preisniveau heiß läuft. Überall im Lande sind Baukräne zu sehen.

Zudem sei prekär, dass die Wertpapierkäufe der Schweizer Zentralbank die Spannung an den europäischen Staatsanleihenmärkten verschärften, da sie in erster Linie Anleihen von Schuldnern mit bester Bonität kaufe, heißt es von Seiten der Commerzbank. Damit sorge sie tendenziell für höhere Renditedifferenzen, während die Europäische Zentralbank mit dem Kauf von Staatsanleihen der Peripherieländer gerade das verhindern wolle.

Solche Faktoren und Argumente führen zu einer gewissen Skepsis, ob die Schweizer Zentralbank die angekündigte Koppelung des Wechselkurs an den Euro allzu lange durchhalten kann. Sollte sich die europäische Schuldenkrise nicht bald in Form überzeugender struktureller Finanzreformen in allen beteiligten Staaten - insbesondere in jenen mit hohen Schulden und schwacher Einkommensentwicklung - lösen lassen, dürften auch die theoretisch unendlich tiefen Taschen der Schweizer Zentralbank angesichts der zu erwartenden Verwerfungen im Binnenmarkt erschöpfen können. Zumindest eine weitere Abwertung des Franken gilt im aktuellen Umfeld als unwahrscheinlich.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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