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Wechselkurse Ebbe im „sicheren Hafen“ des Pfund Sterling

Auf dem Devisenmarkt macht sich deutlich bemerkbar, dass das britische Pfund in der Gunst der globalen Investoren verliert.

© dpa

Auf dem Devisenmarkt macht sich deutlich bemerkbar, dass das britische Pfund in der Gunst der globalen Investoren verliert. Zumindest vorerst ist die Zeit vorbei, da die institutionellen Investoren in ihrer Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion Zuflucht bei Anleihen solider Emittenten und in etablierten Währungsräumen wie dem Pfund suchten. Allein in den ersten drei Wochen dieses Jahres, in denen immer mehr Investoren in die Währungsunion umschichteten, schwächte sich der Wechselkurs des Pfund um rund 3,5 Prozent gegenüber dem Euro und um rund 2,5 Prozent gegenüber dem Dollar ab. Das Pfund steht derzeit bei etwa 1,58 Dollar und bei etwa 1,19 Euro.

Pfund-Schwäche kommt gerade recht

Die neue Schwäche des Pfund kommt den Briten gerade recht, denn eine Wechselkursabwertung kann dem Export helfen, weil die ausführenden Unternehmen zu günstigeren Preisen anbieten können. Hierauf verwies der Notenbankgouverneur Mervin King erst in dieser Woche und handelte sich damit den Vorwurf in der Londoner City ein, er „rede das Pfund schwach“. King selbst würde so etwas nicht gelten lassen. Er pochte Anfang der Woche auf die Unabhängigkeit der Bank von England und verteidigte das Inflationsziel von 2 Prozent.

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Dennoch: Die Bemerkungen Kings und der Druck der japanischen Regierung auf die Bank von Japan, die Wirtschaft zu „reinflationieren“, also eine noch expansivere Notenbankpolitik umzusetzen, haben den Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, veranlasst, vor den Risiken eines potentiellen Abwertungswettlaufs zu warnen. Dies ist in den Augen mancher Kommentatoren in der Londoner City berechtigt, zumal die EZB in der Tat politisch unabhängig, nicht einem einzelnen Land zuzuordnen ist und sie damit weniger als anderen Notenbanken zu einer bestimmten Geldpolitik oder gar indirekten Wechselkurspolitik angehalten werden kann, heißt es bei der Bank of America Merrill Lynch. Deutschland wolle schließlich nicht, dass die Währungsunion schlussendlich mit der stärksten Währung zu kämpfen habe, zumal Deutschland mit seinem Export in direkter Konkurrenz zu Japan stehe.

Infografik / Auswirkungen der Zinspolitik © F.A.Z. Vergrößern

Allerdings gibt es ein Kalkül in Japan, für eine noch stärker expansive Zentralbankpolitik einzutreten. Vergleicht man die Zinspolitik verschiedener Notenbanken mit Blick auf die in ihrem Währungsraum vorherrschende Inflation und Wirtschaftskraft, so wirkt die Geldpolitik am härtesten in Griechenland, gefolgt von Japan, Spanien und Portugal. Am expansivsten und damit die Wirtschaft am meisten fördernd wirkt die Geldpolitik indessen im weltweiten Vergleich in Deutschland.

Großbritannien kämpft

Die Frage ist, ob es zu einem Abwertungswettlauf kommt. Seit Ausbruch der Bankenkrise im Jahr 2008 beherrschte die Angst der Investoren vor der Krise die Anlagepolitik. Seit die EZB jedoch im August vergangenen Jahres eine unmissverständliche Rückendeckung des Euro angekündigt und die Fed ihr drittes Kaufprogramm für Anleihen an den Märkten verkündet hat, reagieren die Investoren risikofreudiger und betrachten die Finanzmärkte differenzierter. „Wir beobachten wieder viel mehr spezifische Wechselkursbewegungen an den Märkten, die nicht nur mit der Risikoscheu der Anleger zu erklären sind“, heißt es bei Bank of America Merrill Lynch. Es werde wieder mehr auf die individuelle Wirtschaftskraft der Länder geachtet.

Dies ist am Wechselkurs des Pfund am deutlichsten zu beobachten, denn Großbritannien kämpft - unabhängig von den Vorlieben der Anleger für sichere Häfen - mit einer extrem schwachen Wirtschaft und strukturellen Schwierigkeiten, die mehr noch als das die Bemerkungen Kings den Wechselkurs des Pfund schwächen.

Quelle: F.A.Z.

 
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