http://www.faz.net/-gv6-11o22

Währungsunion : Der „Golfo“ kommt Anfang 2010

Den Vorsitz beim diesjährigen Gipfel der GCC in Maskat hatte Omans Sultan Qaboos Bild: AFP

Der „Golfkooperationsrat“ hat hohe Erwartungen an die frisch beschlossene Währungsunion: Sie soll die Unabhängigkeit vom Dollar garantieren, eine eigenständige Geldpolitik und eine stärkere Position in der weltweiten Konkurrenz der Finanzzentren.

          Die Staatschefs der Länder des „Golfkooperationsrats“ (GCC) haben auf ihrem Gipfeltreffen in der omanischen Hauptstadt Maskat die Einführung einer gemeinsamen Währung zum 1. Januar 2010 beschlossen. An der Währungsunion werden sich Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Qatar, Bahrein und Kuweit beteiligen, nicht aber das Sultanat Oman, das Anfang 2007 bekanntgegeben hatte, auf die gemeinsame Währung noch nicht vorbereitet zu sein.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die GCC-Staaten hatten sich 2001 auf eine Währungsunion vom Jahr 2010 an verständigt. In den vergangenen Jahren hatten sich jedoch die Stimmen gehäuft, die auf eine Verschiebung drängten. Nun hat offenbar die Weltfinanzkrise den Ausschlag für die Einführung der gemeinsamen Währung bereits vom 1. Januar 2010 an gegeben. Im ersten Halbjahr 2009 wollen sich die fünf beteiligten Staaten auf den Sitz des „Geldrats“ einigen, aus dem die künftige Zentralbank hervorgehen soll. Um den Sitz bewerben sich Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Qatar und Bahrein.

          Weg vom Dollar

          Verständigt haben sich die Staatschefs in Maskat, die Einrichtung des Geldrats, der die technischen Voraussetzungen der Währungsunion schaffen solle, zu beschleunigen. Der Geldrat werde erste Beschlüsse fassen, etwa zu den Goldreserven der Zentralbank, sagte der für Wirtschaftsfragen zuständige stellvertretende GCC-Generalsekretär Muhammad al Mazroui. Der saudische König Abdullah Bin Abdalaziz Al Saud sagte in Maskat, die Ausschüsse, die an der wirtschaftlichen Integration der GCC-Staaten arbeiten, sollten bis September ihre Arbeit abschließen.

          Der runde Tisch beim Gipfel der GCC (Gulf Cooperation Council)
          Der runde Tisch beim Gipfel der GCC (Gulf Cooperation Council) : Bild: REUTERS

          Analysten in den Golfstaaten werten die Entscheidung von Maskat als eine Maßnahme gegen die Finanzkrise und die Volatilität, die auch auf ihre Volkswirtschaften übergreift. So soll die gemeinsame Währung die zunehmend geforderte Lösung der GCC-Währungen vom Dollar erleichtern. Sie war auch mit Blick auf die angestrebte Währungsunion Ende 2002 in Kraft getreten.

          In den letzten Jahren wurde sie aber für Fehlentwicklungen in den Golfstaaten verantwortlich gemacht. So reduzierte die Bindung an den Dollar den Handlungsspielraum der GCC-Zentralbanken. Sie mussten den Zinssenkungen der Fed folgen, obwohl sie gegen die Überhitzung ihrer Volkswirtschaften die Zinsen hätten anheben müssen. Die Folgen waren eine anziehende Inflation auf Rekordhöhe und eine Volatilität gegenüber Drittwährungen, gegen die die Zentralbanken keine Mittel hatten.

          Hoffen auf steigende Ölpreise

          Das Dubai International Financial Centre (DIFC) schlug daher vor wenigen Tagen den Übergang zu einem Währungskorb vor, an den die GCC-Währungen gekoppelt sein sollten. Darin solle der Dollar mit 45 Prozent gewichtet werden, der Euro mit 30 Prozent, der Yen mit 20 Prozent und das britische Pfund mit 5 Prozent. Der Chefökonom des DIFC, Nasser Saidi, begrüßt die Einführung der gemeinsamen Währung.

          Unterstützt durch den Ölreichtum der Region, könne sie eine wichtige Weltreservewährung werden, die Gelder an den Golf ziehe und Petrodollars in der Region halte. Auch sieht Saidi einen positiven Einfluss der neuen Währung auf die Etablierung der neuen regionalen Finanzzentren unter den traditionellen großen Finanzzentren der Welt wie New York und London.

          Saidi erwartet ferner, dass die gemeinsame Währung die GCC-Volkswirtschaften stabilisieren werde. Das Bruttoinlandsprodukt der fünf Gründungsstaaten liegt in der Rangfolge der größten Volkswirtschaften auf Platz 13. Die wirtschaftliche Stärke der GCC-Staaten wird mit künftig wieder steigenden Ölpreisen weiter zunehmen. Sie halten etwa 50 Prozent der weltweiten Ölreserven.

          Währung könnte „Golfo“heißen

          Vorbild für die Schaffung der neuen Währung ist der Euro. So soll sie nach inoffiziellen Angaben den Namen „Chalidschi“ erhalten. Eine Entscheidung dazu ist aber noch nicht gefallen. „Chalidsch“ ist das arabische Wort für den Golf, übertragen bedeutete „Chalidschi“ etwa „Golfo“.

          In der wirtschaftlichen Integration ist der GCC, den die sechs Staaten 1981 als Reaktion auf die iranische Revolution gegründet hatten, weitgehend dem europäischen Vorbild gefolgt. Der GCC gilt als die einzige funktionierende Regionalintegration in der arabischen Welt. Im Januar 2003 wurde der GCC eine Zollunion, im Dezember 2005 einigte sich ein GCC-Gipfeltreffen auf Konvergenzkriterien als Voraussetzung für die Währungsunion, und im Januar 2008 wurde der GCC ein Binnenmarkt.

          Die Bewertungsagentur Moody’s kritisiert jedoch, dass der GCC bei den institutionellen Reformen hinter dem zurückbleibe, was der Einführung des Euro vorausgegangen sei. Ferner weist sie darauf hin, dass die gemeinsame Währung nur begrenzt zu einem Anstieg des Handels innerhalb des GCC führe. Denn mit der Dollarbindung bestehe bereits ein stabiler Wechselkurs, zudem sei das Potential für einen Binnenhandel beschränkt. Andererseits sieht die Agentur in der neuen Währung die Chance zu einem flexibleren Wechselkurssystem, was sie als Vorteil für die weitere Diversifizierung der auf Erdöl basierenden Volkswirtschaften wertet.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Das bringt der Donnerstag

          Der Tag : Das bringt der Donnerstag

          Die Frist für die Aufteilung von Air Berlin läuft ab. Österreich entscheidet über eine Klage gegen die deutsche Maut.. Finanzminister Schäuble gibt seinen Abschied auf der internationalen Finanzbühne.

          Topmeldungen

          Lindners Vision: Das Finanzministerium soll aus der Hand der CDU genommen werden.

          Interview mit FDP-Chef : „Alles, bloß kein CDU-Finanzminister“

          FDP-Chef Christian Lindner will verhindern, dass Kanzlerin Merkel im Finanzressort weiter durchregiert. Und er warnt sie im Gespräch mit der F.A.Z., während der Koalitionsgespräche in Brüssel neue Tatsachen zu schaffen.

          TV-Kritik „Hart aber fair“ : Der Wunderknabe aus Österreich

          Sebastian Kurz ist der neue Hoffnungsträger der europäischen Konservativen. Bei „Hart aber fair“ zeigt sich, dass Kurz vor allem von Politikern profitiert, die sich für die Probleme der Menschen als unzuständig erklären.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.