Home
http://www.faz.net/-gvz-71ae5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Währungsreserven Euro büßt an Bedeutung ein

 ·  Der Euro verliert als Reserverwährung an Bedeutung, bleibt aber hinter dem Dollar an zweiter Stelle in den Reserven der Notenbanken. Dieses Jahr wird ein weiterer Rückgang erwartet.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (13)
© dapd Die Rolle des Euro als Reservewährung könnte im Zuge der Schuldenkrise weiter leiden

Der Euro hat im vergangenen Jahr an Bedeutung als Reservewährung verloren. Ende des Jahres lag sein Anteil an den von Notenbanken gehaltenen Währungsreserven bei 25 Prozent. Das sind unter Herausrechnung von Wechselkursveränderungen 0,4 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das in ihrem jährlichen Bericht über die internationale Bedeutung des Euro als stabile Entwicklung, zumal der Euro mit einigem Abstand hinter dem Dollar (gut 60 Prozent Anteil) zweitwichtigste Reservewährung bleibt.

„Im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen war die internationale Rolle des Euro 2011 relativ unverwüstlich“, schreibt EZB-Präsident Mario Draghi im Vorwort des am Mittwoch veröffentlichten Berichts. Dies gelte ungeachtet der Einflüsse der Staatsschuldenkrise im Euroraum auf einige Bereiche des Finanzmarktes oder der geringen Investitionsneigung ausländischer Anleger bei Anleihen bestimmter Euroländer.

Allerdings zeigen Daten des Internationalen Währungsfonds, dass der Euro weiter an Bedeutung verliert. Im ersten Quartal ist sein Anteil an den Reserven um einen halben Prozentpunkt gesunken. Die verfügbaren Daten bieten zwar kein vollständiges Bild über Reservepolitik der Notenbanken, da unter anderem die chinesische Notenbank keine Angaben zur Struktur ihrer Reserven macht. In den IWF-Daten sind jedoch immerhin 55 Prozent der Währungsreserven im Wert von rund 10.000 Milliarden Dollar enthalten.

Die Rolle des Euro als Reservewährung könnte im Zuge der Schuldenkrise weiter leiden. Allerdings gab es auch in der Vergangenheit immer wieder leichte Schwankungen. Zu Beginn der Währungsunion betrug der Anteil des Euro noch rund 20 Prozent. Bis zum Jahr 2002 stieg der Anteil des Euro auf gut 27 Prozent. Dieses Niveau erreichte er Anfang 2010 noch einmal.

„Es ist möglich, das die relativ hohe Anleiheemission in der Eurozone seit Beginn der Finanzkrise die ausländischen Anleger überfordert hat und sie vom Euro-Bond-Markt fernhält“, heißt es im Bericht der EZB. „Anzeichen für die ausländische Nachfrage nach Staatsanleihen aus der Eurozone belegen, dass die Staatsschuldenkrise insgesamt den Status des Euro nicht unterminiert hat.“

Das Verhalten der ausländischen Notenbanken wird auch deshalb genau beobachtet, weil sie wichtige Käufer für Schuldtitel sind. Im vergangenen Jahr kauften Notenbanken, die nicht Teil des Euroraums sind, von manchen Anleihen des europäischen Stabilisierungsfonds EFSF mehr als die Hälfte. Dieses Muster hat sich jedoch bei den ersten Emissionen in diesem Jahr in auffälliger Weise verändert. Bei zwei im Februar und März begebenen Anleihen sank der Auslandsanteil auf 17 und 11 Prozent. Die EZB erklärt den Rückgang damit, dass im Frühjahr die Banken des Euroraums über besonders viel Geld verfügten.

Im Dezember und Februar hatte die EZB zwei Finanzierungsgeschäfte mit der ungewöhnlich langen Laufzeit von drei Jahren aufgelegt. Auf diese Weise liehen sich die Banken des Euroraums rund 1.000 Milliarden Euro. Ein Teil des Geldes sei für den Kauf von Staatsanleihen und Anleihen des EFSF verwendet worden, heißt es im EZB-Bericht über die internationale Rolle des Euro. Die zusätzliche Nachfrage habe die ausländischen Nachfrager verdrängt. Auf dem Anleihemarkt wird jedoch bezweifelt, dass der Anlagedruck der Banken allein den geringeren ausländischen Anteil erklären kann. Falls zunehmende Skepsis der Grund für die zeitweilige Zurückhaltung der ausländischen Investoren gewesen sein sollte, dann haben sie zuletzt wieder Vertrauen gefasst. Bei den jüngsten Emissionen lag der Anteil der Verkäufe an Notenbanken außerhalb des Euroraums wieder höher, wenn auch nicht auf dem Niveau des Vorjahres.

Wie rasch Misstrauen die internationale Rolle des Euro beeinflussen kann, zeigen Daten zur Nutzung des Euro-Bargelds im Ausland. Nach Daten der EZB laufen rund 120 Milliarden Euro als Scheine oder Münzen außerhalb des Währungsgebiets um. Der Wert der monatlichen Zu- oder Abflüsse beträgt selten mehr als 2 Milliarden Euro. Nur im Oktober 2008, als die amerikanische Bank Lehman Brothers in eine Schieflage geriet, die mit dem Bankrott endete, schoss der Wert der Barabflüsse in die Höhe. Binnen eines Monats wurden rund 14 Milliarden Euro bar über die Grenzen des Euroraums gebracht.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen

Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

Jüngste Beiträge

Wertpapiersuche
von
nach
Wichtige Wechselkurse
Name Wert Änderung
  Dollar --  --
  Franken --  --
  Yen --  --
  Pfund --  --
  Dollar in Yen --  --
  Dollar in Pfu… --  --
Wichtige Rohstoffe
Name Wert Änderung
  Gold --  --
  Silber --  --
  Rohöl Brent --  --
  Rohöl WTI --  --
Wechselkurse Asien
Name Wert Änderung
  China Yüan --  --
  Austral-Dollar --  --
  Korea Won --  --
  Hongkong-Doll… --  --
  Neuseeland-Do… --  --
  Thailand Baht --  --
  Singapur-Doll… --  --
Wechselkurse Osteuropa
Name Wert Änderung
  Rubel --  --
  Polen Zloty --  --
  Ungarn Forint --  --
  Tschechien Kr… --  --