Die Botschaft des Gouverneurs der Bank von Japan, Masaaki Shirakawa, an die Geschäftsleute in Osaka, dem zweiten großen Handels- und Wirtschaftszentrum des Landes, am Freitag war eindeutig. Die japanische Währung sei überbewertet, und die negativen Effekte des starken Yen überwögen die positiven Effekte bei weitem, sagte Shirakawa. Zwar macht der starke Yen die Energieimporte und ausländische Waren für japanische Verbraucher preiswerter, doch „weil der starke Yen die Exporte, die Unternehmensgewinne und die Geschäftsstimmung drückt, ist die negative Auswirkung auf die japanische Wirtschaft größer“, erklärte der Notenbankchef.
Die Euro-Krise, Sorgen um die zu langsame Erholung der amerikanischen Wirtschaft und die Angst vor einer Abschwächung der Weltkonjunktur machen den Yen zur Fluchtwährung für risikoscheue Investoren. Wegen der leichten Deflation, in der das Land seit Jahren gefangen ist, versprechen selbst die niedrigen Zinsen von knapp einem Prozent noch Nettorenditen.
Noch rechnet die Regierung mit einem Wachstum von gut 2 Prozent
Dennoch erwarten Analysten nicht, dass der Höhenflug des Yen weiter anhält oder sich gar verstärkt. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum Einen hat Japans Finanzminister Jun Azumi im Frühjahr erstmals exakte Wechselkurse des Yen zum Dollar genannt, bei denen das Land in die Devisenmärkte intervenieren werde. „Ich habe die Intervention angewiesen bei einem Kurs von 75,63 Yen zum Dollar“, sagte der Minister im Finanzausschuss des japanischen Parlaments, als er von der Opposition zur Wirksamkeit der Intervention Japans gegen den starken Yen am 31. Oktober vergangenen Jahres gefragt wurde. Neun Billionen Yen (rund 92 Milliarden Euro) hat das Land damals verkauft, um den Yen zu schwächen.
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Kursentwicklung seit 2007
Azumi hat seitdem immer mit Interventionen gedroht, wenn sich der Yen der Kursgrenze näherte. Freitag wurde der Dollar mit 78,50 Yen in Tokio gehandelt, der Euro mit 98,15 Yen. Die meisten japanischen Exportunternehmen kalkulieren im laufenden Geschäftsjahr mit einem Kurs von rund 80 Yen zum Dollar und 110 Yen zum Euro. Der Aufwärtstrend des Yen gegenüber dem Dollar ist in den vergangenen Monaten durch die verbalen Interventionen Azumis immer wieder gebremst worden. Befürchtungen, dass Japan interveniert, dürften eher zunehmen, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung des ostasiatischen Landes wegen nachlassender Exporte infolge des starken Yen abschwächt. Noch rechnet die Regierung mit einem Wachstum von gut 2 Prozent.
Befürworter einer extrem lockeren Geldpolitik
Die Euro-Schwäche ist nach Ansicht Shirakawas eine der Hauptursachen für die Yen-Stärke und den schwachen Export. Die Ausfuhren nach Europa und nach China sind in den vergangenen Monaten regelrecht eingebrochen. Analysten erwarten daher, dass die Nachfrage nach Yen vorerst anhalten dürfte, obgleich Japan mit seiner hohen Staatsverschuldung, der anhaltenden leichten Deflation und einer im globalen Wettbewerb zurückfallenden Industrie diese Stärke seiner Währung eigentlich nicht rechtfertigt. Für die Analysten der HSBC war die japanische Währung noch im Juli verglichen mit Dollar und Euro „der einzig wahre sichere Hafen“. Investoren, die Sicherheit suchen, lassen sich auch durch eine Rendite von 0,81 Prozent bei zehnjährigen Papieren nicht abschrecken.
Dow Jones hat jetzt in einer Analyse die These vertreten, die Zeit des starken Yen dürfe bald vorüber sein. Es bereite der Bank von Japan zunehmend Mühe, die exportabhängige Wirtschaft aus sich selbst heraus anzukurbeln. Auch der Yen lässt sich durch die lockere Geldpolitik nicht länger schwächen. In der japanischen Politik werden deswegen Rufe laut, Japans Notenbank solle selbst im großen Stil ausländische Anleihen kaufen - und so den Yen schwächen. Shirakawa wehrt sich noch dagegen. Unter den neuen Mitgliedern des geldpolitischen Rats der Notenbank, die in diesem Monat erstmals mitarbeiten und von der Politik ernannt worden sind, weil sie als Befürworter einer extrem lockeren Geldpolitik gelten, soll es für diesen Vorschlag aber durchaus Sympathien geben.
Wirklich wirksam
Albert Möller (albertmoeller)
- 26.08.2012, 01:19 Uhr