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Währungen Sorgen um Saudi-Gelder

21.08.2002 ·  Saudische Anleger haben Angst um ihr in den USA angelegtes Geld. Sie schaffen es nach Europa, heißt es. Der Dollar gibt leicht nach.

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Die Gerüchte, saudi-arabische Investoren zögen ihr Kapital aus den USA ab und schichteten es nach Europa um, belasten den Dollar. Die europäischen Währungen profitieren leicht. Der Euro steigt am Mittwoch im frühen Handel über die 0,98-Dollar-Marke. Um 11.37 notiert er noch bei 0,9808 Dollar. Seit Jahresbeginn hat die US-Devise gegenüber Yen und Euro zehn Prozent an Wert verloren.

Das britische Pfund ist am frühen Mittwoch 1,5312 Dollar wert, nach 1,5279 Dollar am Vortag. In der Schweiz bekommt man für einen US-Dollar weniger Franken als am Dienstag, nämlich 1,4980 anstelle von 1,5010. Die US-Währung verliert auch zum Yen an Boden, sogar mehr als gegenüber dem Euro. In London ist der Dollar am Mittwoch gegen acht Uhr Ortszeit nur noch 117,91 Yen wert, 0,98 Yen weniger als am Vortag.

Klage auf Schadensersatz trägt zum Kapitalabfluss bei

Sicher trägt auch die aktuelle Schwäche der US-Wirtschaft und ihrer Börsen zum sinkenden Dollar bei. Die aktuelle Debatte kreist aber vor allem um politische Faktoren: Die arabischen Anleger in den USA haben Angst um ihr Geld. Seit den Anschlägen vom 11. September vergangenen Jahres fühlen sie sich dämonisiert. Damals waren 15 der 19 Flugzeugentführer Saudis. Saudische Wohlfahrtsorganisationen sollen das Terrornetzwerk Al Qaida finanziert haben.

In den vergangenen Tagen hatten einige US-Kommentatoren gefordert, saudische Vermögen einzufrieren. Opfer und Hinterbliebene des 11. September haben gegen saudische Banken, Wohlfahrtsorganisationen und Einzelpersonen geklagt und fordern Schadensersatz in Milliardenhöhe. Die Klage richtet sich unter anderem gegen die größte saudische Bank, die National Commercial Bank, und drei Mitglieder der Königsfamilie, darunter der Verteidigungsminister und Bruder König Fahds, Prinz Sultan bin Abdulazis al-Saud. Der saudische Finanzberater Bishr Bakhet wird mit den Worten zitiert: „Sollte die Schadenersatzklage nicht vom Gericht abgewiesen werden, gibt es kein saudisches Geld mehr in den USA.“

Bis zu 200 Milliarden Dollar sollen die USA verlassen haben

Es geht um gigantische Vermögen: Die Anleger der Golfstaaten haben der Saudi American Bank zufolge 1,2 Billionen US-Dollar im Ausland angelegt - dort erworbenes Eigentum nicht mit eingerechnet. Alleine die saudischen Investitionen in Aktien, Anleihen und Immobilien in den USA sollen zwischen 400 und 600 Milliarden Dollar betragen. Zwischen 50 und 200 Milliarden davon sollen die Investoren bereits aus den USA herausgeholt haben. Gemessen an diesen Summen hat der Dollarkurs am Mittwoch allerdings bemerkenswert gelassen reagiert.

Angeblich haben Banken den Abfluss der Gelder bestätigt. Die Saudis schlössen aber ihre US-Konten nicht, sondern verlagerten nur einen Teil nach Europa, um Anlagerisiken besser zu verteilen, hieß es.

Ein Irak-Krieg dürfte die Kapitalflucht verschärfen

„Die Schwäche des Dollar hat viel mit der Saudi-Geschichte zu tun“, sagte Lee Ferridge, Chefstratege bei der Rabobank in London. Er sorgt sich, dass arabische Investoren noch mehr Anlageobjekte verkaufen könnten. Je wahrscheinlicher ein Angriff der USA auf den Irak ist, desto eher könnte der Kapitalabfluss sich verschärfen.

„Ohne Zweifel belasten die Sorgen um Kapitalabflüsse den Dollar und drücken die Stimmung an den Märkten“, sagte Steve Englander, Währungsstratege bei der Citigroup. In den kommenden Wochen könnte die US-Devise bis zu einem Niveau von 1,03 Dollar je Euro sinken, sagte er.

Denn die Währung leidet nicht nur unter der Sorge um abfließende arabische Petrodollars. Auch die schwachen US-Börsen und die Sorge um die Konjunktur drücken ihren Kurs. Am Mittwoch erwarten die Märkte eine Rede Federal Reserve-Chefs aus Philadelphia, Chicago und San Francisco. „Wir werden sehr genau verfolgen, was sie uns zu sagen haben“, sagte Takeshi Minami, Volkswirt der UFJ Capital Market Securities in Tokio.

Die düsteren Prognosen für den Dollar dürften allerdings dadurch etwas relativiert werden, dass die Konjunktur auch in Europa lahmt und die US-Währung auf die aktuellen Spekulationen um einen Abfluss saudischen Kapitals noch relativ gelassen reagiert hat. Bleibt abzuwarten, was mit den in den USA verbliebenen Summen geschieht. Bis Klarheit darüber herrscht, dürfte die zuletzt gültige Seitwärtsrange im Verhältnis Euro-Dollar anhalten.

Die Kurven zeigen den Kursverlauf des japanischen Yen (oben) seit August 1998 und des Euro (unten) seit Januar 1999, jeweils zum US-Dollar.

Quelle: @aend
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