Über die Devisenmärkte lässt sich seit ein paar Tagen gleichzeitig vieles und nichts sagen. Auf der einen Seite gibt und gäbe es viele einzelne Entwicklungen, die unter normalen Umständen eine nähere Betrachtung und eine Analyse wert wären.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob die Umstände am Devisenmarkt noch normal sind, sofern man sie jemals so bezeichnen konnte oder wollte. Denn ist es normal, dass einzelne Staaten oder gar Staatenblöcke ihre Währungen offiziell oder inoffiziell an andere Währungen koppeln, um auf diese Weise ihre Ziele zu erreichen, die sich in der Regel durch wirtschaftliche Vorteile definieren lassen? Ist es normal, wenn einzelne Staaten ihre Zinsen extrem tief halten und gleichzeitig ihre Geldmenge stark ausweiten lassen?
Ungleichgewichte als „relative Normalität“
Ist es normal, wenn auf Basis solcher Konstellationen internationaler Handel betrieben wird, wenn Investitionen getätigt werden und wenn toleriert wird, dass immer größere makroökonomische Ungleichgewichte in Form von Handels- und Leistungsbilanzüberschüssen und -defiziten im Trend auflaufen, ohne dass jemand dagegen etwas entscheidendes unternähme?
In den vergangenen Jahren war das die „relative Normalität“ und die entsprechenden makroökonomischen Trends sind nach wie vor intakt. Auf der einen Seite nimmt das amerikanische Leistungsbilanzdefizit im Trend zu, auf der anderen häufen auf der anderen Seite asiatische „Exportplattformen“ und Energie- und Rohstoffstaaten immer größere Devisenreserven an. Und das, obwohl sie in ihrer absoluten Höhe ökonomisch nicht nur widersinnig, sondern sogar verlustträchtig sind.
Allerdings gab und gibt es im Rahmen der jüngsten Unsicherheiten an den internationalen Finanzmärkten so etwas wie Korrekturansätze. Immer wieder scheint es Tendenzen zu geben, die so genannten Carry Trades, die sich durch die Refinanzierung von Geldern in Währungsräumen mit niedrigen Zinsen und die Wiederanlage in Vermögenswerten mit höheren Renditen auszeichnen, zu reduzieren. Solche Strategien hatten sich in den vergangenen Jahren immer weiter verbreitet und wurden zuletzt in Form von Währungsfonds oder Zertifikaten von verschiedenen Emittenten inzwischen sogar Kreti und Pleti angeboten.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt war in der Vergangenheit immer wieder das Ende einer solchen „Welle“ erreicht. Möglicherweise ist das auch jetzt so. Denn die zunehmenden Schwierigkeiten am amerikanischen Immobilienmarkt und die möglichen negativen Folgen für die amerikanische Konjunktur können deutlich dazu beitragen, die bisherige Grundkonstellation für die Strategie zu verändern. Denn sollte das bisher schon dürftige amerikanische Wachstum noch weiter abschwächen, so dürfte die amerikanische Zentralbank zu Zinssenkungen neigen. Gleichzeitig würde sehr wahrscheinlich der Konsum und damit das Gewinnwachstum der Unternehmen zurückgehen.
Werden die Währungsrisiken unterschätzt?
Auf der anderen Seite ist die wirtschaftliche Dynamik bisher in anderen Teilen der Welt deutlich höher und die Zinsen tendieren dort eher nach oben als nach unten. Insgesamt gerät damit das theoretische Ertragspotential der Carry Trades gleich von zwei Seiten unter Druck. Ein ausgeprägtes Risiko liegt auch in den Wechselkursen. Denn sollten immer mehr Marktteilnehmer entsprechende Positionen reduzieren wollen, so müssten sie höher verzinsliche Währungen verkaufen, um die Kredite in den tiefer verzinslichen Währungen zurückzahlen zu können.
Sollten die Wechselkurse in diesem Rahmen eine Eigendynamik entwickeln, würden viele Anleger rasch in die Verlustzone geraten, wollten oder müssten aus Risikoaspekten ihre Positionen ebenfalls abbauen und würden die Entwicklung auf diese Weise noch verstärken. Nach einer kurzen Zwischenerholung deutet sich am Devisenmarkt wieder so etwas an. Denn Yen und Schweizer Franken erholen sich gegen Dollar, Euro und höher verzinsliche „Risikowährungen“. Gleichzeitig haben die Volatilitäten am kurzen Laufzeitende zum Beispiel in Euro-Yen wieder deutlich angezogen.
Insgesamt wird der Währungsmarkt vom gebannten Blick auf diese Entwicklung dominiert. Denn wer wollte sich schon von einer raschen, deutlichen Aufwertungsbewegung des Yen wie im Jahr 1997 oder einer entsprechenden Abwertungsbewegung des Dollars schon gerne überraschen lassen? Denn genau hier liegen auch die Risiken zu hoher Währungsresercven, die vor allem im Dollar geparkt sind.