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Vor den Sitzungen der Zentralbanken Die Zeit der Dollar-Schwäche nähert sich dem Ende

04.08.2008 ·  An den Devisenmärkten kündigt sich eine Wende an: Die amerikanische Währung zeigt sich gegenüber schlechten Meldungen widerstandsfähiger als der Euro. Das war in den vergangenen Monaten nicht so. Nun könnte der Dollar Terrain gut machen.

Von Christian von Hiller
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Anleger, die den Dollar schon abschreiben wollten, müssen sich wohl eines Besseren besinnen. An den Devisenmärkten beginnen die Kräfte sich zu verschieben. War bisher der Euro stark und der Dollar schwach, so dürfte die amerikanische Währung allmählich an Stärke gewinnen.

Diese Woche dürfte wichtige Hinweise darauf liefern. Denn gleich drei große Zentralbanken treffen sich zu wichtigen Sitzungen: Am Dienstag tritt in Washington der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank zusammen, am Donnerstag treffen sich die geldpolitischen Gremien der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England.

Keine Veränderung der Leitzinsen erwartet

Zwar wird nach fast einhelliger Meinung der führenden Volkswirte von keiner dieser Sitzungen eine Veränderung der Leitzinsen erwartet. Doch umso werden die Akteure auf den Devisenmärkten auf die Kommentare der Notenbanken achten. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass sich der Dollar allmählich erholen wird“, hieß es am Montag in einer Studie von Unicredit.

Dienstag sind die Devisenmärkte deshalb in Warteposition. Entsprechend wenig bewegte sich der Dollar-Kurs am Montag. Der Euro notierte am frühen Nachmittag bei 1,5561 Dollar und damit etwas leichter.

Jüngste Zahlen aus Amerika gar nicht so schlecht

Grund für die neue Richtung an den Devisenmärkten ist die unterschiedliche Wachstumsdynamik zwischen der Eurozone und den Vereinigten Staaten. Während die Konjunkturnachrichten aus Europa negativ bleiben, sind die jüngsten Zahlen aus Übersee gar nicht so schlecht.

So sind die die persönlichen Einnahmen und Ausgaben der privaten Haushalte im Juni besser als erwartet ausgefallen, teilte das amerikanische Handelsministerium am Montagnachmittag mit. Die persönlichen Einnahmen sind um 0,1 Prozent zum Vormonat gestiegen, obwohl die Volkswirte mit einem Rückgang von 0,2 Prozent gerechnet hatten. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte stiegen mit 0,6 Prozent stärker als erwartet. Hier hatten die Experten einen Anstieg um 0,5 Prozent prognostiziert.

„Die jüngsten Daten deuten auf einen klaren Wechsel in der relativen Wachstumsdynamik“, heißt es bei Goldman Sachs. Europa zeige derzeit klarere Zeichen einer Abschwächung als die Vereinigten Staaten. Dieser Wechsel stünde im Gegensatz zu der Entwicklung in den Quartalen davor. Da habe die amerikanische Wirtschaft mit Schadensmeldungen ganz oben gestanden, während Europa da noch eine größere Widerstandskraft habe aufbringen können.

Immobilienkrise in Amerika belastet weiter

Von einer Aufhellung der Wirtschaftslage mag derzeit noch niemand sprechen. Dazu ist besonders in den Vereinigten Staaten der weitere Verlauf der Immobilienkrise zu ungewiss. Doch macht die amerikanische Wirtschaft im Vergleich zur europäischen Punkte gut. Und dies spricht nach Meinung der Devisenexperten für die amerikanische Währung.

Für die Vereinigten Staaten sind sich die Volkswirte auch ziemlich sicher, dass der nächste Zinsschritt der Fed nach oben gehen wird. Für dieses Jahr gehen die meisten Experten noch davon aus, dass die Leitzinsen stabil bleiben werden. Doch schon im nächsten Jahr könnte die Fed beginnen, ihre Sätze anzuheben. Der Dollar werde sich allmählich erholen, da für die Fed Zinserhöhungen erwartet werden“, meint beispielsweise Unicredit.

In Europa dagegen mehren sich die Anzeichen, dass die EZB in absehbarer Zeit ihre Leitzinsen senken könnte. Wie wahrscheinlich dies ist und wann die Entscheidung fallen könnte - davon erhoffen sich die Devisenexperten Aufschluss von der Pressekonferenz, die EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nach der geldpolitischen Sitzung am Donnerstag abhalten wird. Vor allem seine Analyse der wirtschaftlichen Aussichten und der Inflationsentwicklung wird an den Märkten stark beachtet werden.

Beunruhigend ist vor allem, dass sich die europäische Wirtschaft zuletzt spürbar stärker verschlechtert hat, als es der EZB-Rat offenbar erwartet hatte.

Märkte werden auf das Lager der Abweichler achten

Bei der Fed zeigt sich ein ähnliches Bild: Am Dienstag wird allgemein mit einem unveränderten Leitzins gerechnet. Doch die Finanzmarktakteure werden auf die Details achten. „Das wichtigste Thema werden der Ton der geldpolitischen Erklärung sein und die Zahl der Abweichler, die für einen Zinsschritt stimmen - nach unserer Meinung ist es mindestens einer“, heißt es bei Goldman Sachs.

Richard Fisher heißt der als sicher gesetzte Abweichler, und er ist Präsident der regionalen Federal Reserve Bank von Dallas. Damit steht er zwar nur einer kleineren Zentralbank vor - nach Einlagen ist beispielsweise die Federal Reserve Bank von New York neun Mal größer, und die von San Francisco ist fast drei Mal so bedeutend. Aber der Einfluss eines Notenbankers in den Vereinigten Staaten misst sich nicht nur nach dem Gewicht der Zentralbank, der er vorsteht.

Deshalb wird am Dienstag vor allem darauf geachtet werden, wie stark das Lage der geldpolitischen Falken, die auf einen harten Kurs drängen, tatsächlich ist und wie schnell die Gruppe der Tauben kleiner wird.

Die Zeit der großen Dollarschwäche könnte vorerst enden

„Das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Inflation und der Falken und Tauben im Offenmarktausschuss wird ein Thema, wird Fisher zeigen können, dass er kein einsamer Falke ist? Falls nicht, wird das den Dollar nach oben ziehen“, schreiben die Analysten der Rabobank in einer Studie.
Auch wenn Fisher sein Lager der Falken an diesem Dienstag noch nicht vergrößern kann, wird er dies noch nicht als Niederlage werten müssen. Die Zeichen stehen nicht mehr so schlecht wie jüngst für die amerikanische Währung. Die Zeiten der großen Dollarschwäche gegenüber dem Euro nähern sich vorläufig ihrem Ende.

„Der Dollar fängt an, eine stärkere Widerstandskraft gegen schwache Wirtschaftsdaten zu zeigen in dem Maße, in dem sich das makroökonomische Umfeld weltweit zu verschlechtern beginnt“, meint die schweizerische Großbank UBS. So hatte das schwache Wachstum des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal, das in der vergangenen Woche bekanntgegeben wurde, dem Dollar kaum noch zugesetzt.

Aus charttechnischer Sicht dürfte für den Euro bei einem Kurs von 1,5500 Dollar voraussichtlich eine Bodenbildung einsetzen. In diesem Jahr ist der Euro gegenüber dem Dollar um mehr als 6 Prozent gestiegen. Auf das Niveau von 1,4592 Dollar wird der Euro in den kommenden sechs Monaten nach Meinung von Unicredit nicht fallen, wohl aber auf 1,49 Dollar zurückfallen. Goldman-Chefökonom Jan Hatzius sieht den Euro im Sommer kommenden Jahres bei 1,45 Dollar.

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