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Vor dem Opec-Treffen Ölpreis fällt unter 105 Dollar

09.09.2008 ·  Die Ölmärkte stehen an diesem Dienstag ganz im Zeichen des Opec-Treffens. Vor allem auf die Ankündigung des saudischen Ölministers haben die Märkte gewartet. Nun hat al-Naimi gesprochen, und der Ölpreis fällt.

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Auch am Dienstag hat der Preis für Rohöl im frühen europäischen Geschäft weiter nachgegeben, während der Dollar an Wert gewinnt. Um 1,3 Prozent auf 104,96 Dollar je Barrel (159 Liter) fiel die Notierung für die amerikanische Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Oktober. Der Barrel für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im Oktober fiel um 0,89 Dollar auf 102,55 Dollar.

Die Ölmärkte stehen am Dienstag ganz im Zeichen eines Treffens der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in Wien. Auf diesem Treffen sollen auch die Förderquoten des weltgrößten Erdölkartells festgesetzt werden. Als größter Unsicherheitsfaktor galt bisher das einflussreichste Opec-Mitglied Saudi-Arabien, das sich bei der Frage bisher bedeckt gehalten hatte.

Saudi-Arabien will Förderquote nicht senken

Unmittelbar vor dem Opec-Treffen jedoch der saudische Ölminister Ali al-Naimi Änderungen bei der Fördermenge abgelehnt. „Der Markt ist ziemlich ausgewogen, und wir haben seit dem Treffen im Juni sehr hart daran gearbeitet, die Preise auf den derzeitigen Stand zu bringen“, sagte al-Naimi am Morgen in seinen ersten öffentlichen Äußerungen seit Anfang Juli. Auch die Lagerbestände seien gut gefüllt. „Ich glaube, wir waren sehr erfolgreich.“

Ein Opec-Ausschuss, der am späten Montagabend zur Vorbereitung der Plenarsitzung zusammentraf zusammentraf, habe sich ebenfalls für die Beibehaltung der derzeitigen Fördermengen ausgesprochen, sagte ein Delegierter der Nachrichtenagentur Reuters. Beobachter gingen davon aus, dass die Gruppe bei ihrer Sitzung nichts an den Förderquoten ändern werde.

Die Opec-Länder fördern etwa 40 Prozent der weltweiten Ölproduktion und besitzen rund drei Viertel der Weltölreserven. Zweimal jährlich treffen sich die Opec-Ölminister, um den Stand des Erdölmarktes zu beurteilen und die Förderquoten festzusetzen, um zugleich ihre eigenen Gewinne aus der Ölförderung zu sichern.

Hurrikan „Ike“ löst Sorgen am Ölmarkt aus

Neben dem Opec-Treffen bewegen vor allem die Wirbelstürme im Golf von Mexiko den Ölmarkt. Am Montag hatte die Angst vor Hurrikan „Ike“ den Oktober-Kontrakt auf Rohöl der Sorte Light, Sweet Crude, vorübergehend bis auf 109,89 Dollar je Barrel steigen lassen. Die Aufwertung des Dollar ließ den Kontrakt dann zeitweise bis auf 104,70 Dollar fallen. Schließlich wurde für den Kontrakt an der Rohstoffbörse Nymex ein Settlement-Preis von 106,34 Dollar ermittelt, der um 0,1 Prozent über dem Settlement vom Freitag lag.

„Ike“ wird voraussichtlich am Dienstagabend (Ortszeit) den Golf von Mexico erreichen. Allerdings ist ungewiss, wo und mit welcher Wucht der Hurrikan auf Land treffen wird. Ein glimpflicher Verlauf sei ebenso möglich wie eine Katastrophe, hieß es.

Mit der Aufwertung des Dollar verteuerte sich Öl allerdings für Käufer aus anderen Währungsräumen, sodass deren Interesse nachließ. Ursächlich für die Erholung der amerikanischen Währung war die Entscheidung der amerikanischen Regierung, die beiden angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac unter ihre Kontrolle zu bringen.

Förderquoten werden wohl beibehalten

Mit der Ankündigung al-Naimis ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die Opec ihre offiziellen Förderquoten - wie an den Märkten überwiegend erwartet - nicht ändern wird. Zwar sprächen die seit Mitte Juli kräftig gesunkenen Ölpreise für eine Kürzung der Förderquote, hieß es laut dpa-AFX unter Marktbeobachtern. Allerdings sei derzeit schwer absehbar, ob der Preisrückgang nachhaltig sei. Sollten die Ölpreise wieder steigen, würde sich das Ölkartell mit einer Förderkürzung keinen Gefallen tun, da eine Quotenkürzung die Preise anheizen und die Öl-Nachfrage belasten würde, wurde argumentiert.

„Aller Voraussicht nach wird die Opec ihre offizielle Förderquote unverändert belassen“, sagte die Expertin der Deka-Bank, Dora Borbély. Gleichwohl bestehe das Risiko, dass sich das Ölkartell den Stimmen einzelner Mitgliedsländer wie Iran oder Venezuela beugen werde und doch eine Kürzung beschließe.

Iran und Saudi-Arabien fördern mehr als vereinbart

Experten führen den Umstand, dass die tatsächliche Tagesförderung der Opec derzeit um rund 600.000 Barrel über der vereinbarten Quote liegt vor allem auf die Produktion Saudi-Arabiens zurück. „Neben dem Iran produziert derzeit vor allem Saudi-Arabien über der vereinbarten Förderquote“, sagt Andy Sommer, Rohstoffexperte bei der HSH Nordbank.

Auch Sommer rechnet aber nicht mit einer Reduzierung der offiziellen Förderung. „Derzeit herrschen am Markt zu viele Unsicherheiten vor, als dass die Opec sich zu einer Kürzung hinreißen lassen dürfte.“
Voraussichtlich werde die Nachfrage aus dem ölhungrigen China nach den olympischen Spielen deutlich zurückgehen. Zudem sei bis zum Jahresende ein höheres Öl-Angebot aus Ländern zu erwarten, die nicht der Opec angehören.

Saudi-Arabien war laut dem BP Workbook im vergangenen Jahr mit 493 Millionen Tonnen das größte Förderland der Welt. Auf den Rängen zwei und drei folgten Russland und die Vereinigten Staaten, die nicht Mitglied des Ölförderkartells sind. Das Opec-Mitglied Iran kam auf 212 Millionen Tonnen, gefolgt von China mit 187 Millionen Tonnen, Mexiko mit 173 Millionen Tonnen) und Kanada mit 159 Millionen Tonnen. Norwegen, das größte Förderland Europas, rangiert weltweit auf Platz 11 mit einer Menge von 119 Millionen Tonnen.

Sondertreffen für Mitte Dezember angesetzt

„Vermutlich wird die Opec noch einige Zeit abwarten, um dann auf Basis einer eindeutigeren Lage am Ölmarkt eine Entscheidung zu treffen“, schätzt HSH-Experte Sommer. Hierfür spreche auch, dass das Ölkartell für Mitte Dezember eine außerordentliche Sitzung einberufen habe. Gleichwohl geht auch Sommer davon aus, dass die Opec versuchen wird, ihre tatsächliche Produktion an die offiziell vereinbarte Menge anzupassen. „Eine öffentliche Erklärung der Opec hierzu ist aber nicht zu erwarten“, ist sich Deka-Expertin Borbély sicher.

Die Volkswirte der Commerzbank schätzen die Ausgangslage für das Opec-Treffen ähnlich ein. So fördere das Kartell derzeit deutlich mehr Rohöl als die offiziellen Quoten vorsähen. Wegen der geringen Disziplin unter den Opec-Mitgliedern zur Einhaltung der vereinbarten Menge wäre eine Quotenkürzung wenig glaubhaft. Zunächst müsse die tatsächliche Produktion auf das Zielniveau zurückgeführt werden. Die Deutsche Bank betont unterdessen, dass die Opec auch bei einem Ölpreis von unter 100 Dollar dazu in der Lage wäre, den Ölpreis zu verteidigen.

Quelle: hlr. mit dpa-AFX und Reuters
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