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Virtuelle Währung : Wo verstecken sich die Bitcoin-Millionäre?

Rasanter Wertanstieg: Bitcoins Bild: Picture-Alliance

Die Internetwährung Bitcoin hat eine rasante Bergfahrt hinter sich – mittlerweile hat ihr Kurs die Marke von 1200 Dollar geknackt. Tausende könnten reich geworden sein, doch davon wissen sie womöglich nichts.

          Für Kristoffer Koch muss es sich wie ein Lottogewinn angefühlt haben: Der junge norwegische Ingenieur kaufte sich im Jahr 2009 genau 5000 Bitcoins für damals 27 Dollar - insgesamt wohlgemerkt. Koch schrieb seine Abschlussarbeit an der Universität über Verschlüsselungstechniken, und die damals noch junge Währung schien ihm interessant zu sein. Seine Freundin war sauer, für sie war es aus dem Fenster geschmissenes Geld.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch für Koch und seine Freundin sollte es die beste Investition ihres Lebens werden. Denn sein Bitcoin-Konto geriet in Vergessenheit – und dieses Frühjahr waren seine Bitcoins plötzlich 886.000 Dollar wert. Etwa 20 Prozent seiner Bitcoins verkaufte der Glückspilz und leistete sich für sich und seine Freundin eine Drei-Zimmer-Eigentumswohnung im Osloer Stadtteil Toyen. Damit hält er heute noch 4000 Bitcoins – die nun rund 4 Millionen Dollar wert sind.

          Wenige Superreiche, viele Arme

          Kristoffer Koch ist einer der wenigen bekannten Menschen, die mit der digitalen Devise reich geworden sind. Ein Bitcoin kostete zum Jahresanfang etwa 15 Dollar, am Mittwoch ist der Kurs nunmehr bis auf 1225 Dollar gestiegen. Doch verdächtig wenig Menschen suchen das Scheinwerferlicht. Zu ihnen gehört Rick Falkvinge, der schwedische Gründer der Piratenpartei. Nach eigenen Angaben hat er sein gesamtes Vermögen in Bitcoins angelegt. „Ich war noch nie so reich“, behauptet Falkvinge heute.

          Aber wo befinden sich die anderen Profiteure? Die Antwort ist simpel: Es gibt gar nicht so viele Bitcoin-Millionäre, wie es den Anschein hat. Von den 11,4 Millionen Bitcoin-Konten liegen auf 11,3 Millionen Accounts lediglich ein Bitcoin oder noch weniger. Auf 10,8 Millionen Konten liegen sogar weniger als 0,001 Bitcoin. Millionäre sind dagegen nur wenige. Auf lediglich 1350 Konten liegen mehr als 1000 Bitcoins.

          Denn auch wenn die Bitcoins ein neues Phänomen sind, sie sind doch so ungleich verteilt wie die etablierten Währungen. Die 100 reichsten Bitcoin-Besitzer haben 20 Prozent aller Bitcoins in ihren Beständen. Zum Vergleich: In Deutschland besitzen 380 Haushalte, das entspricht den reichsten 0,001 Prozent, 5,3 Prozent des Vermögens.

          Eine andere Möglichkeit der Interpretation wird für viele Quelle der Hoffnung sein oder sie ins Tal der Depression stürzen. Denn auf 35 der reichsten 100 Konten wurde zuletzt im Jahr 2012 oder noch früher zugegriffen. Natürlich kann es sein, dass die Besitzer ihre Bitcoin-Konten als Anlageform benutzen und deshalb vorerst nicht mehr darauf zugreifen. Wesentlich wahrscheinlicher sind aber zwei andere Varianten. Die optimistische ist, dass die Konten einfach vergessen wurden – und jetzt mehrere Multimillionäre ähnlich wie Kristoffer Koch von ihrem Glück nichts wissen. Die wesentlich niederschlagendere Variante ist aber, dass die Besitzer ihrer Konten einfach das Passwort dazu vergessen haben. Und ist das verlorengegangen, dann ist das Vermögen auf den Konten unwiderruflich verloren.

          Das größte Konto hat mit 111.111 Bitcoins heute einen Wert von rund 106 Millionen Dollar. Wer sich dahinter genau verbirgt, ist unklar, bekannt ist nur die 34-stellige Account-Nummer, die aus wild durcheinander gewürfelten Zahlen und Buchstaben besteht. Zuletzt wurden sogar in einem Zug 195.000 Bitcoins verkauft – das waren damals 136 Millionen Euro.

          Diese Zahlen sind für jedermann einzusehen. Beteiligt man sich am Bitcoin-Netzwerk, erhält man eine komplette Liste mit allen Nutzern und sämtlichen Transaktionen, die jemals getätigt wurden. Dadurch gilt die Währung als fälschungssicher, da ja sonst die Daten auf allen Rechnern manipuliert werden müssten. Allerdings findet man diese Kontonummern nicht unter Klarnamen, sondern nur die 34-stelligen Benutzernummern. Man kann zwar deren Transaktionen nachverfolgen, aber weiß nicht, wer sich dahinter verbirgt.

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