05.06.2009 · Die vietnamesische Börse verzeichnet massive Kursgewinne. Sie profitiert vom allgemeinen Risikoappetit sowie der kompetitiven Abwertungs- und Zinspolitik der Zentralbank. Der robusteste Trend scheint die Abwertung der Währung zu sein.
Mit einem Kursgewinn von satten 103 Prozent auf zuletzt 478,72 Zähler seit Ende Februar zählt der vietnamesische VN-Index zu den besten Marktbarometern weltweit in dieser Zeit. Das gilt zumindest in lokaler Währung.
Einzelne Werte wie die des Reifenherstellers Danang Rubber JSC, des Industrie-Immobilienunternehmens Tan Tao Investment Industry, des Fisch- und Meeresfrüchteanbieters Seafood, des Webereiunternehmens Saigon Garment Manufacturing, des Stahl- und Plastikherstellers Hoa Sen Group oder auch der Bäckereigruppe North Kinhdo Food verzeichneten Kursgewinne zwischen 240 und 340 Prozent.
Risikoappetit, Abwertungs- und Zinspolitik der Zentralbank beflügeln die Börse
Die Aktien des Landes profitieren einerseits von dem in den vergangenen Monaten wieder rasch und deutlich aufgelebten Risikoappetit der internationalen Anleger. Er scheint dazu beizutragen, dass sich in Vietnam der extreme Kursauftrieb wiederholt, der den Index schon in den Jahren 2005 bis 2007 von 230 auf bis zu knapp 1.200 Punkte getrieben hatte, bevor er bis Anfang des laufenden Jahres wieder auf das damalige Ausgangsniveau zurückgefallen war.
Dabei sind die Aktien gemessen an traditionellen Maßstäben mit Kurs-Gewinnverhältnissen von bis zu 383 bei PetroVietnam, 214 bei Vinpearlland Tourism oder 110 bei der Refrigeration Electrical Engineering Corporation inzwischen teilweise schon wieder sehr hoch bewertet. Auf der anderen Seite scheint die Zentralbank des Landes eine aggressive Abwertungspolitik zu verfolgen, um auf diese Weise die Wirtschaft des Landes über die Exportschiene wieder zu beleben, nachdem sie im Rahmen der globalen Wirtschafts- und Kreditkrise und aufgrund einer vorübergehend sehr hohen Inflationsrate förmlich eingebrochen war.
Das Wachstum der Industrieproduktion hat sich im Mai zwar auf vier Prozent erholt, nachdem es im Januar bei minus 4,4 gelegen hatte. In den vergangenen Jahren hatten jedoch die Wachstumsraten zwischen 14 und 17 Prozent gelegen. Das heißt, das Produktions- und Wachstumsniveau Vietnams ist noch stark unterdurchschnittlich.
Der vietnamesische Dong tendierte schon immer leicht zur Schwäche. In den vergangenen Monaten hat er sowohl gegen den Dollar als auch gegen den Euro massiv an Wert verloren. Daran scheint sich vorerst nichts zu ändern. Nach 15,810 Dong im März des vergangenen Jahres sind inzwischen 17.831 Dong nötig, um eine Einheit der amerikanischen Währung erwerben zu können. Das ist ein Plus von knapp 31 Prozent in etwas mehr als einem Jahr.
Nach einer vorübergehenden Zwischenerholung in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres nahm der Dong in den vergangenen Monaten auch gegen den Euro den langfristigen Abwertungstrend wieder auf. Nach 21.000 Dong im Oktober des vergangenen Jahres sind inzwischen 25.314 Dong nötig, um im professionellen Handel einen Euro kaufen zu können. Das entspricht einem Plus von etwas mehr als 20 Prozent.
Der robusteste Trend scheint die Abwertung der Währung zu sein
Diese Strategie ist allerdings riskant. Denn einerseits zögern die Exporteure des Landes den Verkauf ihrer Dollarbestände in Erwartung weiterer Abwertungsschritte hinaus. Das macht es für Importeure immer schwieriger, an Auslandsdevisen heranzukommen. Auf diese Weise verstärkt sich der Abwertungsdruck. Auf der anderen Seite kann sich das Land die Abwertung im Gegensatz zu anderen Schwellenländern leisten, da es sich auf der Energieseite weitgehend selbst versorgen kann. Allerdings fragt es sich, wann handelspolitische Probleme auftreten werden.
Nicht nur die Abwertungspolitik mag die Börse beflügeln, sondern auch die Geld- und Zinspolitik. Immerhin hat sich die Inflationsrate, die im August des vergangenen Jahres einen Spitzenwert von 28,3 Prozent erreicht hatte, bis im Mai auf 5,6 Prozent zurückgebildet. Die Anleihen des Landes, die darauf mit massiven Kursverlusten reagiert hatten, haben sich inzwischen längst wieder erholt. Immerhin hat die Zentralbank den Leitzins von 14 Prozent im Oktober auf sieben Prozent gesenkt. An diesem Niveau scheint sich vorerst nicht viel zu ändern.
Diese Gesamtkonstellation kann nach Ansicht von Experten dazu führen, dass die Börse des Landes angesichts des allgemeinen Risikoappetits weiter nach oben und die Renditen weiter nach unten laufen können, während die Währung weiter abwertet. Allerdings zeigt die Vergangenheit, wie volatil die Aktien- und Rentenmärkte des Landes sind. Der robusteste Trend scheint die Abwertung der Währung zu sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |