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Rohstoffpreise : Goldpreis steigt auf den höchsten Stand des Jahres

Ein amerikanischer Zerstörer im Mittelmeer feuert am 7.April eine Tomahwak-Rakete in Richtung Syrien. Bild: EPA

Der amerikanische Luftangriff in Syrien verunsichert offenbar die Anleger. Neben dem Edelmetall werden Öl und der Yen teurer. Aktien verlieren – allerdings nur leicht.

          Der amerikanische Luftangriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt in der Nähe des Ortes Al-Schairat hat Anleger in aller Welt am Freitag offenkundig verunsichert – wenn auch eine Panik ausblieb. Immerhin stieg der Goldpreis auf den höchsten Stand des Jahres. Auch Öl wurde teurer, weil zunächst unklar war, ob die Zuspitzung des Konflikts Auswirkungen auf die Ölförderung und damit auf das globale Ölangebot haben könnte. Zudem war der japanische Yen als „sicherer Hafen“ gefragt. Der Wechselkurs von Euro und Dollar hingegen bewegte sich wenig, allerdings verlor der russische Rubel deutlich an Wert. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte das amerikanische Bombardement immerhin als „Angriff auf die Souveränität Syriens“ kritisiert.

          Wird der Goldpreis jetzt also wieder stärker politisch geprägt, nachdem er lange Zeit vor allem auf Zinserwartungen und den Dollar reagiert hatte? „Politische Ereignisse werden Gold beeinflussen, wenn sie auch Finanzmärkte beeinflussen, was im vorliegenden Fall wohl der Fall sein dürfte“, meinte Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank: „Allerdings wird sich noch zeigen, ob der Einfluss von Dauer sein wird.“ Dies sei nur im Falle einer weiteren Eskalation des Konflikts wahrscheinlich. Gold kostete am Freitag in der Spitze 1270,46 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), das war ein Plus von rund 1,5 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent stieg zeitweise auf 56,08 Dollar je Fass (159 Liter).

          Verwerfungen nach politischen Ereignissen

          Die Aktienmärkte hingegen reagierten vergleichsweise gelassen. Der deutsche Aktienindex Dax verlor im Tagesverlauf 0,05 Prozent auf 12.225 Punkte. Der europäische Aktienindex Euro-Stoxx gewann 0,2 Prozent. In Amerika gaben die Aktienmärkte leicht nach, während manche Rüstungsaktien zulegten. Der Dow-Jones-Index und der S&P 500 verloren 0,03 bzw. 0,08 Prozent. Papiere von Raytheon, deren Tomahawk-Raketen bei dem Luftschlag verwendet wurden, verteuerten sich um 1,5 Prozent. Die Papiere von Lockheed Martin gewannen 1,2 Prozent.

          Warum reagiert der Aktienmarkt so gefasst, während andere, als Risikobarometer bekannte Größen wie der Goldpreis sich doch deutlicher bewegt haben? Eugen Keller vom Bankhaus Metzler sieht vor allem in der „Alternativlosigkeit“ der Aktienanlage ein wichtiges Moment, das die Kurse in solchen Situationen derzeit stabilisiere. Die Dividendensaison stehe vor der Tür – und viele Investoren rechneten sich aus, dass sie mit Aktien derzeit allemal besser führen als mit Anleihen. „Die Botschaft des Jahres 2016 war doch: Im Zweifel geht es immer wieder gut“, sagt Keller. Ob bei der Trump-Wahl oder beim Brexit-Votum: Immer seien die „risikobewussten“ Anleger, die sich aufgrund politischer Ereignisse im vorigen Jahr erschreckt aus den Aktienmärkten zurückgezogen hätten, eines Besseren belehrt worden. Die Aktienmärkte hätten sich jedes Mal schnell wieder erholt. Irgendwann hätte die Investoren am Markt daraus die Lehre gezogen, dass Verwerfungen nach politischen Ereignissen schnell wieder korrigiert würden.

          Nach Angriff in Syrien : Westen stellt sich hinter Trump

          „Als Absicherung möchte ich Gold niemandem ausreden“

          Aus diesen Erfahrungen heraus habe sich womöglich eine Sorglosigkeit am Aktienmarkt herausgebildet, meint Keller, die einem jetzt auch wieder Sorgen machen könnte. Der Anlagefachmann fühlt sich an das Jahr 2006 erinnert, als der Sorglosigkeit am Aktienmarkt eine starke Korrektur folgte. Hinsichtlich des Luftschlags in Syrien müsse jetzt geklärt werden, ob die Amerikaner lediglich ein Zeichen setzen wollten oder eine neue Strategie im Syrien-Konflikt verfolgt, mit dann vielleicht größeren Auswirkungen auch auf die Finanzmärkte.

          Bild: F.A.Z.

          Während die Geldpolitik derzeit offenbar keine großen Sorgen bereite, rücke die Weltpolitik mit diesem Ereignis wieder stärker in den Fokus der Anleger, schreibt die Landesbank Hessen-Thüringen in ihrem Marktkommentar. Die zeitweise gute Stimmung zwischen Russland und der neuen amerikanischen Administration habe sich eingetrübt. Lutz Karpowitz, Devisenmarktexperte der Commerzbank, meint: „Sollte der Angriff der Auftakt für eine Eiszeit zwischen Trump und Putin werden, dürfte die Risikoaversion bestehen bleiben.“

          Ist Gold also im Moment eine kluge Absicherung auch für Privatanleger angesichts unterschiedlicher politischer Risiken? Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, ist da skeptisch. „Gold als Absicherung im Portfolio rückt wieder in den Fokus der Anleger, als Konsequenz steigt der Goldpreis.“ Insgesamt erwarte die Deutsche Bank auf längere Sicht aber keine Ausweitung der Goldnachfrage und damit auch keinen signifikanten Anstieg des Goldpreises. „Als Absicherung möchte ich Gold niemandem ausreden“, sagte Stephan. Als reine Geldanlage dagegen erscheine ihm das Edelmetall wenig interessant. Es gebe bessere Alternativen, langfristig sprächen etwa steigende Zinsen in Amerika und ein stärkerer Dollar gegen Gold. Schließlich werfe Gold weder eine Dividende noch Zinsen ab.

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          Quelle: F.A.Z.

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          Er verlor zum Handelsstart 0,5 Prozent auf 12.934 Punkte. Ganz so dramatisch sei das Scheitern der Sondierungsgespräche aus Sicht der Märkte aber nicht, hieß es an der Frankfurter Börse.

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