Nach schönen, relativ eindeutigen Trends in den vergangenen zwei Jahren sind die Finanzmärkte in den vergangenen Tagen in Bewegung geraten. Auf der einen Seite kam es zu deutlichen Korrekturen an den Börsen und bei den Rohstoffen, auf der anderen Seite konnten die Rentenpapiere davon profitieren, und schließlich kam es auch am Devisenmarkt zu entsprechenden Bewegungen.
So steht der Dollar tendenziell in der Defensive, gleichzeitig stehen auch die Währungen vieler Schwellenländer aufgrund der Verkäufe internationaler Anleger unter Druck. Am deutlichsten wird das an der Entwicklung der isländische Krone, der türkischen Lira oder auch des kolumbianischen Peso.
Anhaltende Dollarskepsis unter institutionellen Anlegern
Diese Entwicklungen spiegeln sich auch an Umfragen unter Marktteilnehmern wider. Auch wenn sich der Dollar nach deutlichen Kursverlusten in den vergangenen Tagen kurzfristig etwas erholen konnte, wird er nach wie vor skeptisch betrachtet. Das drückt sich insbesondere im Verhältnis zwischen Dollar und Yen aus. Hier rechnen nach einer Erhebung der französischen Großbank BNP Paribas viele institutionelle Marktteilnehmer mit einer schwachen Entwicklung der amerikanischen Währung.
Das ist kein sonderlich gutes Vorzeichen für den Greenback, sofern sich solche Umfragen nicht als Gegenindikatoren verwenden lassen. Allerdings sollte man sich nur dann gegen den Markt stellen, wenn es auch andere gute Gründe dafür gibt. Die jedoch sind nicht sonderlich überzeugend.
Konnte der Dollar im vergangenen Jahr von der einseitigen Orientierung der Marktteilnehmer an der internationalen Zinsdynamik profitieren, so spricht sie nach jüngsten Daten eher gegen ihn. Vieles deutet darauf hin, daß in Amerika die Zinsen nicht mehr oder nicht mehr viel erhöht werden können. Denn die Wirtschaft des Landes mag im Moment zwar noch robust aussehen. Und die amerikanische Zentralbank wiederholt sich, indem sie sagt, auf kritische Entwicklungen konsequent zu reagieren. Auf der anderen Seite deuten einige vorlaufende Indikatoren auf eine Abschwächung hin, die sie möglicherweise dazu bringen, die beobachtbaren Preisimpulse nach oben als vorübergehendes Phänomen zu betrachten.
Gute Gründe gegen die Währung
Auf der anderen Seite deutet die europäische Zentralbank immer offener anstehende Zinserhöhungen an. Nicholas Garganas, Mitglied des Zentralbankrates, deutete erst jüngst wieder darauf hin, daß das europäische Wachstum einerseits positiv überrasche, die Preisrisiken erheblich seien, die europäischen Kreditsätze nach wie vor sehr tief seien und daß es gute Gründe für eine „Rebalancierung“ des europäischen Zinsniveaus gebe. Auch in Japan dürfte eine restriktivere Geldpolitik nötig sein, um angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung die Konsequenzen der bis noch vor kurzem sehr stark gewachsenen Geldmenge nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.
Zusammen mit den anhaltenden und bisher ungelösten Makro-Problemen Amerikas deutet mittel- und langfristig vieles gegen den Dollar, auch wenn er kurzfristig immer wieder von allen möglichen Argumenten - zum Beispiel von der wieder aufkommenden Sorge, die Vogelgrippe könne von Tieren auf Menschen übergreifen - profitieren mag. Insgesamt dürfte die Dollarskepsis berechtigt sein.