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Veröffentlicht: 30.10.2014, 19:36 Uhr

Unsichere Anlage Der Goldpreis wird weiter fallen

Vor zwei Jahren kostete eine Feinunze 1900 Dollar. Seither ist Gold im Abwärtstrend. Trotz vieler neuer Konflikte auf der Welt schafft das Krisen-Metall nicht die Wende.

von Wieland Staud
© Reuters Gold war in Krisenzeiten eine sichere Bank. Doch trotz Krieg in der Welt steigt der Preis nicht.

Eine der ältesten Börsenweisheiten empfiehlt jedem Anleger zu allen Zeiten eine Depotbeimischung von 5 Prozent physischem Gold. Der dahinter stehende Gedanke ist klar: Ein Zwanzigstel des verfügbaren Vermögens soll den Rest gegen richtig schlechte Zeiten absichern. Wenn überall die Lichter ausgehen, dann wird dieser eher geringe Teil des eigenen Portfolios die Verluste in den anderen Anlageklassen wenigstens teilweise kompensieren.

Und wenn man den schlimmsten Katastrophengurus Glauben schenken mag, wird dieses Gold den Erwerb eines Sacks Kartoffeln überhaupt erst möglich machen. Sollte die Welt sich aber in den gewohnten Bahnen weiterdrehen, dann tun Verluste bei diesen 5 Prozent nicht weh. Vor nicht allzu langer Zeit wurde gern noch angeführt, dass Gold keine laufenden Erträge, weder Zinsen noch Dividenden, abwirft und auch deshalb seine relative Position im Portfolio klein gehalten werden sollte. Aber dieses Argument dürfte in der aktuellen Beinahe-Nullzinsphase weitestgehend hinfällig sein.

Ein Handel mit Zitronen

In Zeiten wie diesen hat die „goldene Börsenregel“ von den 5 Prozent „Sicherheits-Gold“ allerdings wenigstens einen kardinalen Schönheitsfehler: Sie setzt voraus, dass der Goldpreis in Krisenzeiten steigt. Tut er es nicht, dann haben die Anleger mit Zitronen gehandelt. Nun kann man mit Sicherheit zu allen Zeiten trefflich darüber streiten, was eine Krise ist und wann demnach die Feinunze im Kurs steigen sollte.

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Aber gerade die letzten neun bis zwölf Monate machen es mit Sicherheit schwer, leichter Hand Krisengedanken zur Seite zu legen. Der kalte Krieg scheint wieder aufzuleben, Ebola versetzt die Welt in Angst und Schrecken, im Nahen Osten tobt ein veritabler Krieg, die europäische Wirtschaft scheint kurz vor dem Rutsch in eine abermalige Krise zu stehen, und die Zinsen befinden sich auf kritischem, deflationären Niveau. Aber vielleicht erklärt sich gerade mit diesem letzten Punkt, dass trotz des in meinen Augen eher goldfreundlichen Umfelds zuletzt mit Gold kein Staat zu machen war.

Größerer Verkaufsdruck – geringe Kaufbereitschaft

Technisch gesehen ist die Entwicklung, wie der geneigte Oberbayer zu sagen pflegen würde, jedenfalls eine „g’mahte Wies’n“. Der langfristige Abwärtstrend ist seit eh und je etabliert, und Hinweise auf eine Trendwende fanden sich in den letzten Monaten ebenso wenig wie sie sich heute finden. Dabei könnten schon die nächsten Tage spannend werden: Die Goldpreis testet derzeit ein weiteres Mal die massive Unterstützung von 1190 bis 1210 Dollar.

Infografik / Chart / Die Feinunze Gold © F.A.Z. Vergrößern Die Entwicklung des Goldpreises in den letzten Jahren

Analytisch von besonderem Interesse ist, dass die jeweiligen Erholungen von diesem Niveau aus immer kleiner wurden. Reichte es beim ersten Abprallen im vergangenen Jahr noch zu einer Rally von rund 250 Dollar, brachte es die jüngste Erholung bislang gerade noch auf etwa 60 Dollar. Das mögliche trendbestätigende „Dreieck“ im Chart zeigt dies deutlich. Im Regelfall sind solche Entwicklungen signifikante Hinweise darauf, dass auf dem aktuellen Niveau der Verkaufsdruck zu- und die Kaufbereitschaft abnimmt.

Bezieht man eher kurzfristig orientierte technische Indikatoren in die Analyse mit ein, dann kann die Feinunze schon in den nächsten Tagen unter diese markante Unterstützungszone zurückfallen. Sobald dies geschieht, dürften wohl nicht wenige Anleger auf dem falschen Fuß erwischt werden. Deren dann begreiflicher Wunsch, ihre Position schnellstmöglich zu korrigieren, wird mein seit Jahren gültiges strategisches Ziel von 1000 Dollar wohl binnen weniger Wochen wenigstens in Reichweite rücken lassen.

Steigt der Goldpreis ohne Krise?

Besonders spannend ist, dass der wahrscheinliche Kursrutsch Richtung 1000 Dollar eine „Elliott 5“ und damit vorerst der Abschluss des langfristigen Abwärtstrends sein dürfte, der die Feinunze seit dem Sommer 2011 mit Bestmarken bei 1900 Dollar begleitet hat. Von dort aus ist demnach wieder ein spürbar länger anhaltender Anstieg wahrscheinlich – und neue Krisen? Nun ja: Wenn das gelbe Metall in Krisenzeiten fällt, dann kann es bestimmt auch krisenlos steigen – oder?

Ehrlich gestanden werden mir „Börsenweisheiten“ wie die eingangs zitierte den immer komplexer werdenden Finanzmärkten nicht mehr gerecht. Gold steigt, wenn es steigt. Und es fällt, wenn es fällt. Die Gründe dafür sind zweitrangig. Wichtig ist nur, dass rechtzeitig die richtigen (technischen) Prognosen vorliegen.

Eine Krise fehlte in der Aufzählung im zweiten Abschnitt: die aktuelle Euro-schwäche. Sie wird zwar von vielen bislang nicht als Krise wahrgenommen. Dennoch notiert der Euro gegenüber dem Dollar nur noch rund 5 Cent über dem Niveau, auf das er im Sommer 2012 gefallen war. Diejenigen, die ihn damals in seiner existentiellen Krise starkredeten, wollen ihn jetzt fallen sehen. Man darf wohl Zweifel haben, ob dies wirklich richtig ist. Unabhängig davon dürfte die Talfahrt weitergehen. Kurse um 1,21 Dollar sind allemal in Reichweite.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

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