Auch wenn in den vergangenen Tagen die Preise ein wenig nachgegeben haben: Für Heizölkunden ist in nächster Zeit nicht mit sinkenden Kosten zu rechnen. Die hohen Ölpreise machen ebenso Kraftstoffe wie Benzin und Diesel teuer. „Kleine Preisschwankungen sind üblich“, sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst (EID) in Hamburg, „doch die Preise sowohl für Heizöl als auch für Benzin und Diesel liegen permanent auf einem hohen Niveau.“ Seit Wochen habe zum Beispiel der Heizölpreis im Schnitt nie unter 90 Cent je Liter gelegen, „das ist verdammt teuer“. Wieks Fazit: „Es bleibt weiter teuer.“
Grund für die hohen Preise ist die angespannte Lage am Rohölmarkt. Seit Anfang des Jahres ist der Preis für Öl der Nordseesorte Brent um 15 Prozent geklettert. Das hat vor allem mit der Irankrise und der Sorge um Lieferunterbrechungen zu tun. Ab Anfang Juli gilt auch ein Importstopp für iranisches Öl in der Europäischen Union (EU). Ebenso trägt die hohe Ölnachfrage in Asien sowie der gesunkene Wert des Euro zum Dollar in den vergangenen Wochen zum hohen Ölpreis bei. Rohöl wird primär in Dollar gehandelt - wertet der Euro ab, erhöhen sich für europäische Kunden die Kosten. Hinzu kommt: „Die spekulativen Finanzanleger setzen angesichts der Irankrise auf weiter steigende Ölpreise und tragen damit maßgeblich zum Preisanstieg bei“, urteilen die Analysten der Commerzbank in einem Bericht.
Nachforderungen bei den Heizkosten
Für Konsumenten hierzulande sind das keine guten Nachrichten. Der Anstieg der Preise für Benzin und Diesel sowie Heizöl hatte die Teuerungsrate im Februar auf 2,3 Prozent gehoben. Und das vergangene Jahr war bereits im Schnitt das teuerste Tank- und Heizöljahr aller Zeiten. Die steigenden Preise bescheren vielen Mietern erhebliche Nachforderungen bezüglich der Heizkosten. Etwa ein Drittel aller Haushalte in Deutschland nutzt Heizöl. Laut Internetportal Esyoil waren am Montag die Heizölpreise mit 91,36 Euro je 100 Liter (bei einer Abnahme von 3000 Liter) in München im bundesweiten Vergleich am höchsten. In Hamburg und Berlin zahlten Verbraucher für die selbe Menge lediglich 88,77 Euro.
Verbraucher, die selbst über das Befüllen ihrer Heizöltanks entscheiden können, sind in einer misslichen Lage: „Sie versuchen einen günstigen Preis zu erzielen“, sagt EID-Fachmann Wiek. „Doch wenn sie damit rechnen, dass es eine Trendwende gibt, weil der Preis einen Tag sinkt, steigt er schon wieder.“ Viele Heizölkunden hätten wegen der hohen Preise mit dem Heizölkauf gewartet - bisweilen bis zu einem Jahr. Daher sind viele Tanks jetzt nur noch spärlich gefüllt. Auch der anfangs milde Winter hatte viele Kunden zögern lassen. Doch nachdem die Temperaturen dann stark fielen, zog die Heizölnachfrage erheblich an, die Preise legten zu.
Es liegt nicht an der Kälte
Mittlerweile sind am Heizölmarkt auch saisonale Regeln überholt: So ist Heizöl im Sommer längst nicht mehr besonders günstig. „Die Preise sind im Jahr 2011 hoch gestartet und permanent gestiegen“, sagt Wiek, „das setzt sich auch dieses Jahr fort, egal ob es eine klirrende Kälte gibt oder nicht.“ Insgesamt nimmt der Verbrauch von leichtem Heizöl in Deutschland aber ab, berichtet das Statistische Bundesamt. Die Verbraucher hätten Heizöl „in den letzten Jahren vermehrt durch andere Energieträger ersetzt.“
Die hohen Rohölpreis treffen ebenso die Autofahrer, die Kraftstoffe wie Benzin und Diesel kaufen. Nach Angaben des Automobilclubs ADAC war das Tanken im Februar so teuer wie nie zuvor: Ein Liter Super E10 kostete im Monatsschnitt 1,587 Euro und damit 5,1 Cent mehr als im Januar, so der ADAC. Auch Diesel verteuerte sich gegenüber dem Vormonat stark um vier Cent auf 1,48 Euro je Liter, blieb aber unter seinem Rekordhoch von 2008. Der Benzinpreis in Deutschland erreichte nach ADAC-Angaben am 28. Februar einen historischen Rekord: Ein Liter Super E10 habe an jenem Tag bundesweit im Schnitt an freien wie markengebundenen Tankstellen 1,635 Euro gekostet. Der Dieselpreis erreichte am 22. Februar mit 1,524 Euro seinen Höhepunkt. An diesem Tag war er höher als an jedem einzelnen Tag seit Anfang vergangenen Jahres. Der Diesel-Rekordpreis vom Juli 2008 wurde laut ADAC aber um 1,4 Cent verfehlt.
Eine gute Branche für Herrn Wulff
Gerhard Finsterbusch (bahlsen)
- 05.03.2012, 23:41 Uhr