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Veröffentlicht: 22.02.2013, 09:05 Uhr

Technische Analyse Goldpreis wird wohl weiter fallen

Der Goldpreis hat auf dem Weg abwärts nur noch wenige Unterstützungen vor sich, bis das Ende der Hausse besiegelt ist. Der Dax steckt dagegen in der Konsolidierung.

© dpa Der Glanz des Goldes könnte charttechnisch bald vorbei sein.

Ein kurzer Rückblick: Der Dezember ist der Monat der Propheten, Auguren und Analysten. Die Frage, was die Zukunft wohl bringen wird, ist zu keiner Zeit wichtiger und beliebter als in den letzten Wochen des alten Jahres. Einerseits ist dieses Interesse sehr verständlich. Es kann andererseits aber auch skurrile Blüten treiben. Beispielsweise dann, wenn die Frage, wo der Dax an Silvester des folgenden Jahres stehen wird, minutenlanges Feilschen um Nachkommastellen auslöst. Dabei muss doch klar sein, dass jede analytisch begründete Antwort auf diese Ausgangsfrage immer nur im Ungefähren bleiben kann und muss.

Oft kann ein Interview aber auch sehr aufschlussreich sein. Im Dezember 2012 wurde ich gefragt: „Was halten Sie von Gold, Herr Staud? Rechnen Sie für 2013 auch mit einem Anstieg auf rund 2500 Dollar?“ Meine Antwort: „Eher die Hälfte!“ Sie führte am anderen Ende der Leitung zu einer längeren Pause und starker Verunsicherung. Wer den ganzen Tag Analysten interviewt, stets nur positive Goldeinschätzungen vernimmt und deshalb nicht mehr mit einer sehr verhaltenen Einschätzung rechnet, den musste meine Antwort überraschen. Meine Nachfrage bestätigte es: Ich war damals der einzige Gold-Bär.

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Nächstes Kursziel zwischen 1420 und 1320 Dollar

Nur selten geschehen an der Börse die Dinge, die von der Mehrheit erwartet werden. Weit häufiger überraschen die Entwicklungen an den Finanzmärkten die Mehrheit als die Minderheit. Gerade die letzten Wochen scheinen diese Regel zu bestätigen: Immerhin hat die Feinunze Gold seit Jahresbeginn rund 150 Dollar verloren. Analytisch bedeutender aber ist der Bruch der im Chart rot eingezeichneten massiven Unterstützungslinie von 1630 Dollar. Märkte, die sich in intakten mittel- und langfristigen Aufwärtstrends befinden, fallen nur sehr selten unter eine so analytisch prägnante Unterstützung zurück.

Infografik / Die Feinunze Gold © F.A.Z. Vergrößern

Das Unterschreiten dieser Marke ist eine weitere Facette in der sich weiter und weiter eintrübenden technischen Verfassung des gelben Metalls. Was einst im Dezember 2011 mit dem Bruch des langfristigen Aufwärtstrends seinen Anfang nahm, könnte, über viele zurückliegende Zwischenschritte wie beispielsweise der seit damals weiter zunehmenden Goldeuphorie und zuletzt eben den Bruch der Marke von 1630 Dollar, in Kürze mit dem Unterschreiten der letzten klar definierten Unterstützung bei 1540 Dollar einen Abschluss finden: Die Goldwende. Ich habe in den letzten Monaten aus meiner Goldskepsis keinen Hehl gemacht. Daran hat sich nichts geändert. Gold dürfte weiter fallen. Als Ziel bieten sich zunächst (!) Niveaus zwischen 1420 und 1320 Dollar an.

Auch die Entwicklung bei Silber muss von all seinen Enthusiasten als eher enttäuschend empfunden werden. Aktuell notiert die Unze erstmals seit sechs Monaten wieder deutlich unterhalb der von vielen als magisch empfundenen Barriere von 30 Dollar. Damit ist jedwede zuversichtliche mittel- und vielleicht sogar auch langfristige Einschätzung schon sehr fraglich geworden. Endgültig vorbei wäre es damit, wenn nun auch noch die erreichte entscheidende Unterstützung um rund 28 Dollar Einzug ins Reich der ewigen Jagdgründe halten würde. Es wäre fahrlässig, nicht damit zu rechnen.

Dax: Solange die 7000er-Marke hält...

Der Dax hat sich in den letzten beiden Wochen zunächst von seiner wenig berauschenden, dann von seiner überzeugenden und jüngst von seiner richtig unangenehmen Seite gezeigt. Unterm Strich notiert er derzeit etwa 300 Punkte oder 4 Prozent unter seinem Jahreshoch. Diese Entwicklung ist mit einiger Sicherheit bislang nicht in der Lage, mein langfristiges Szenario für 2013 zu gefährden. Solange der Dax nicht unter rund 7000 Punkten und damit unter den mittelfristigen Aufwärtstrend zurückfällt, bleibt meine Prognose unangetastet: Der Dax wird noch in diesem Jahr neue historische Bestmarken erzielen.

Allerdings bleiben größere Zweifel, ob der Dax dazu bereits in den nächsten zwei bis drei Monaten oder gar schon in den nächsten Wochen in der Lage sein wird. Dafür haben seine Indikatoren in den letzten Monaten einfach zu viel Federn gelassen. Aber auch das im Laufe des Anstiegs der letzten zwölf Monate kontinuierlich zurückgehende Volumen, aber auch die noch relativ frischen negativen Signale der wöchentlichen Candlestick-Charts und gerade die Kurslücke vom Donnerstag (“Gap“) zeugen von Schwäche und sind für einen intakten Aufwärtstrend sehr untypisch. Sie sprechen zusätzlich zu den hier vor zwei Wochen erwähnten Argumenten für eine Fortsetzung und Ausdehnung der begonnenen Konsolidierung. Allerdings fällt es derzeit noch sehr schwer, deren Ausmaß und zeitliche Ausdehnung zu bestimmen. Der Dax könnte sie kurz, schmerzlos und mit überschaubaren Verlusten abhandeln. Es könnte aber auch anders kommen. Nähere Auskunft werden erst die nächsten Wochen geben können.

Die Aktienmärkte an Wall Street sind dem Dax mal wieder ein Stück vorausgeeilt und notierten zu Beginn der zu Ende gehenden Woche nur noch wenige Punkte unterhalb ihrer jeweiligen Allzeithochs. Es steht außer Frage, dass sie ihren erfolgreichen Weg langfristig fortsetzen und diese bisherigen Höchstkurse signifikant überbieten werden. Wie beim Dax auch scheint aber derzeit die technische Verfassung von Dow Jones und S&P 500 alles andere als ideal und damit eine heraufziehende ausgeprägte Konsolidierungsphase wahrscheinlich zu sein.

Der Autor leitet die Staud Research GmbH in Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.

 

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