Nachdem das vergangene Jahr bereits das teuerste Tankjahr aller Zeiten für deutsche Autofahrer war, klettern die Preise weiter. „Die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl steigen permanent und rangieren auf einem Rekordniveau“, sagt Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst (EID). Auch für dieses Jahr erwarten Branchenkenner höhere Kosten für Verbraucher. Der Grund für den Preisauftrieb ist nicht nur die Irankrise. Die Furcht vor Lieferengpässen im Ölmarkt wegen des Atomstreits zwischen dem ölreichen Iran und dem Westen hat europäisches Rohöl der Sorte Brent seit Mitte Dezember um rund 15 Prozent verteuert. Auch die hohe Nachfrage in Asien nach Öl und Benzin lässt die Preise in die Höhe schnellen. Hinzu kommt das kalte Wetter in Europa, der Bedarf für Heizöl nimmt zu.
Nach Angaben des EID mussten Autofahrer in dieser Woche im Schnitt bis zu 1,63 Euro je Liter Super E10 zahlen. Für einen Liter E5 seien es bis zu 1,66 Euro gewesen und damit so viel wie noch nie. Die Mineralölindustrie nannte hingegen für Freitagvormittag Preise von 1,65 Euro je Liter E5. Der Automobilclub ADAC ermittelt ebenfalls Benzinpreise, anders als der EID aber nicht wöchentlich, sondern täglich und berücksichtigt neben Markentankstellen auch freie Anbieter. Laut ADAC lag der bundesweit durchschnittliche Preis für E10 am Freitag etwas niedriger: bei 1,61 Euro pro Liter. Im April 2011 habe der höchste Preis für E10 bei 1,612 Euro gelegen.
Die E10-Nachfrage nimmt zu
Der Mineralölwirtschaftsverband teilte mit, dass der E10-Anteil im Januar zwar nur 11,8 Prozent am gesamten Benzinabsatz gehabt habe. Doch die E10-Nachfrage nehme stetig zu. Auch Diesel ist teuer und kostete laut ADAC am Freitag pro Liter im Schnitt 1,50 Euro - damit sei Diesel teurer als an jedem anderen Tag des Vorjahres. Diesel habe im Juli 2008 mit 1,538 Euro je Liter so viel wie noch nie gekostet. Derweil ist Heizöl inzwischen so teuer wie seit drei Jahren nicht mehr. Viele Verbraucher hatten auf einen milden Winter gehofft und gezögert, ihre Öltanks aufzufüllen. Zuletzt waren die Temperaturen aber gesunken und die Nachfrage entsprechend gestiegen.
Im Jahr 2008 hatten die Ölpreise und damit die Kosten für Kraftstoffe schon zugelegt. „Doch damals fielen die Preise wieder schnell“, sagt Wiek. „Nun ist nicht damit zu rechnen, dass die Preise so bald nachgeben.“ Wegen der Schuldenkrise und den Konjunktursorgen auf der Welt waren viele Rohstoff-Analysten im vergangenen Jahr noch davon ausgegangen, dass die Ölpreise nachgeben. Doch mit der Zuspitzung des Atomstreits zwischen dem Iran und dem Westen kletterten die Preise. Das Land ist nach Saudi-Arabien der zweitwichtigste Anbieter der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und beliefert viele europäische Länder, allen voran Griechenland, Italien und Spanien. Iran drohte mehrmals damit, die für den Ölmarkt wichtige Versorgungsroute, die Meerenge von Hormus, zu blockieren. Im Januar entschied die Europäische Union einen Importstopp für iranisches Öl, der ab Juli gelten soll. Diese Auseinandersetzung sorgt dafür, dass die Ölpreise in Europa nicht nachgeben.
Anleger setzen auf steigende Brent-Preise
Hinzu kommt, dass die Weltkonjunktur nicht zusammengebrochen ist und besonders in Asien der Bedarf für europäisches und westafrikanisches Rohöl groß ist. Der Preis für westafrikanisches Öl orientiert sich an Brent. Während in Westeuropa die Nachfrage nach Benzin stagniert, entstehen in Asien große Raffinerien, die das Öl in Produkte wie Benzin und Heizöl weiterverarbeiten. In Europa hingegen gibt es Überkapazitäten im Raffineriegeschäft. In dieser Woche war der Brent-Preis erstmals seit acht Monaten wieder über die 120-Dollar-Marke gesprungen. Viele Finanzanleger setzen nun auf höhere Brent-Preise. Sie gehen davon aus, dass Griechenland weitere Finanzhilfen erhält und sich damit Europas Schuldenkrise eher beruhigt.
Auch der etwas stärkere Dollar gegenüber dem Euro hatte in den vergangenen Monaten dafür gesorgt, dass Öl für Verbraucher in Europa teurer wird. Denn der Rohstoff wird in Dollar gehandelt. Amerikanisches Rohöl der Sorte WTI ist mit knapp 103 Dollar je Barrel (je 159 Liter) so teuer wie seit fünf Wochen nicht mehr. Der relativ große Preisabstand zwischen Brent und WTI erklärt sich damit, dass es im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten, wo der WTI-Preis ermittelt wird, ein Überangebot gibt.
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udo fischer (udo44)
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