22.02.2007 · Die WestLB bietet mit dem zweiten „Rohstoff-GarantPlus-Zertifikat“ Partizipation am Rohstoffmarkt bei gleichzeitiger Kapitalgarantie. Doch wie kann es sein, dass das erste analog konstruierte Zertifikat an der Börse deutlich billiger zu haben ist?
„Der Bedarf an Rohstoffen wächst und wächst“, schreibt die WestLB in einer Infobroschüre zum „Rohstoff-GarantPlus-Zertifikat 2“. „Vor allem die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China und Indien sorgen weiterhin für eine hohe Nachfrage nach Industriemetallen und Rohöl. Das macht eine weiterhin anhaltende Verteuerung der Rohstoffpreise wahrscheinlich. Also partizipieren Sie doch einfach an diesem Trend.“
Das hört sich verlockend an, auch weil die Ausstattungsmerkmale durchaus attraktiv klingen: Anleger partizipieren bei vollem Kapitalschutz zum Laufzeitende in fünf Jahren eins zu eins an der Wertentwicklung eines Rohstoffkorbes, in dem zu gleichen Teilen Aluminium, Kupfer, Nickel, Zink und Öl (Brent) liegen.
Gewinne auch bei leicht rückläufigen Rohstoffpreisen
Gewinnen die Rohstoffe nur zwischen null und 30 Prozent an Wert, bekommt der Anleger auf jeden Fall 130 Prozent seines Einsatzes zurück. Und selbst wenn der Rohstoffkorb im März 2012 unter dem Ausgangsniveau notiert, gibt es eine positive Rendite, so lange das Minus nicht mehr als 30 Prozent beträgt. Verliert der Rohstoffkorb zum Beispiel 20 Prozent, bekommt der Anleger 130 minus 20 Prozent, also 110 Prozent.
Bei mehr als 30 Prozent Verlust greift der Kapitalschutz - der Anleger verliert also höchstens den Ausgabeaufschlag von zwei Prozent und verzichtet für diese fünf Jahre auf die Zahlung von Zinsen. Im Vergleich zu anderen Rohstoff-Investments ist das Angebot aber fair, schließlich müssen sich Privatanleger nicht mit Unannehmlichkeiten wie Rollverlusten beschäftigen (siehe auch: Open-End-Zertifikate auf Rohstoffe enttäuschen). Papiere für jeweils 1.000 Euro können bis 9. März gezeichnet werden (Isin DE000WLB3CJ7).
Das alte Zertifikat wird mit Abschlag gehandelt
Doch bevor Anleger, denen das Produkt zusagt, zum Bankschalter rennen und das Zertifikat zeichnen, sollten sie sich ein weiteres Wertpapier anschauen: das erste „Rohstoff-GarantPlus-Zertifikat“ der WestLB, das Ende vergangenen Jahres emittiert wurde und in Frankfurt und Stuttgart gehandelt wird (Isin DE000WLB3BU6).
Dieses Zertifikat ist analog zur zweiten Tranche konstruiert, nur endet die Laufzeit schon im Dezember 2011, weil das Papier einige Monate vorher aufgelegt wurde. Also: Eins-zu-eins-Partizipation am Rohstoffkorb, Gewinnchance auch bei sinkenden Preisen, Kapitalgarantie. Der Unterschied liegt vor allem im Preis: dieses Zertifikat ist derzeit für deutlich weniger als 100 Prozent zu haben. Der Geldkurs lag am Donnerstagnachmittag bei 95,39 Prozent, der Briefkurs bei 97,18 Prozent.
Günstiger an der Börse
Warum das so ist, steht in der Broschüre zum Zertifikat: „Während der Laufzeit orientiert sich der Kurs des „Rohstoff-GarantPlus-Zertifikats“ an der Entwicklung und der Volatilität der Rohstoffpreise sowie dem allgemeinen Zinsniveau, so dass auch Kursnotierungen unter dem Nennbetrag möglich sind.“
Wer sich die Preisentwicklungen der Rohstoffe im Korb anschaut, merkt schnell, warum das Zertifikat heute billiger zu haben ist als zur Emission: Der Nickelpreis hat seit Anfang Dezember zwar um 24,1 Prozent zugelegt. Aluminium hat sich aber um 2,3 Prozent verbilligt, Öl um 6,3 Prozent, Kupfer um 19 Prozent und Zink sogar um 28,8 Prozent. Im Schnitt hat der Basket also deutlich nachgegeben. Auf der Website prognostiziert die WestLB darum auch nur einen Zahlungsstrom von 100,24 Prozent für den Dezember 2011. Der 30-Prozent-Puffer nach unten ist derzeit also ausgereizt.
97 Prozent für 100 Prozent Kapitalschutz
Der Anleger hat jetzt die Wahl: Will er zu 97 Prozent das alte Zertifikat mit 100 Prozent Kapitalschutz kaufen, das vom heutigen Niveau aus nur von steigenden Rohstoffpreisen profitieren würde? Oder will er lieber 102 Prozent für das neue Zertifikat ausgeben, das auch noch einen positiven Ertrag bringt, wenn die Rohstoffpreise im Korb nochmals bis zu 30 Prozent nachgeben?
Ärgern dürften sich jedenfalls einige Anleger, die Ende vergangenen Jahres das erste Zertifikat gezeichnet haben. Sie haben damals 102 Prozent bezahlt für ein Papier, für das sie heute an der Börse nur noch 95,39 Prozent bekommen würden. Sie könnten das Gefühl haben, damals zu viel bezahlt zu haben. Außerdem ist denkbar, dass sich auch das zweite Zertifikat - mit den Rohstoffpreisen auf einem günstigeren Startniveau - eines Tages günstiger an der Börse erwerben lässt als jetzt bei der Zeichnung.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |