http://www.faz.net/-gv6-8kkbl

Energie : Der Algier-Effekt treibt den Ölpreis über 50 Dollar

Bei dem nächsten Treffen der Erdölexport-Länder Ende September soll über Preisobergrenzen für Rohstoffe diskutiert werden. Bild: dpa

Energie ist wieder deutlich teurer geworden. Der Preis für Rohöl steigt über 50 Dollar je Fass – der Preis für Heizöl in Deutschland über 50 Cent je Liter. Woran liegt das?

          Wer an einem etwas kühleren Abend in letzter Zeit überlegt hat, schon mal Heizöl für den Winter zu kaufen, dem ist womöglich aufgefallen: Seit dem 2. August geht es mit dem Heizölpreis fast täglich aufwärts. Am Freitag erreichte der Preis je Liter nach Angaben des Internetportals Heizoel24, für das immerhin 500 Ölhändler in Deutschland ihre Daten liefern, mit rund 51 Cent zumindest die „Zone“ eines Jahreshochs. Über den Sommer hatten die Preise deutlich nachgegeben, wohl vor allem wegen des starken Rückgangs der internationalen Rohölpreise, allerdings auch aufgrund hoher Lagerbestände und geringer Verkäufe. Dies war insbesondere in der Nähe der großen süddeutschen Raffineriestandorte Karlsruhe und Ingolstadt zu spüren.

          Auch beim Benzin sind die höheren Ölpreise wahrzunehmen, wenn auch noch nicht in diesem Maße. Nach Zahlen der Markttransparenzstelle des Bundeskartellamtes kostete Diesel zuletzt im Durchschnitt wieder mehr als 1,07 Euro je Liter, Super (E10) stieg über 1,265 Euro je Liter. Das war eine Aufwärtsbewegung gegenüber den Vorwochen – aber noch keine sehr auffällige.

          Hintergrund der höheren Energiepreise ist eine bemerkenswerte Rallye der Rohölpreise: Der Preis der Nordseesorte Brent hat die Grenze von 50 Dollar je Fass (159 Liter) wieder überschritten und notierte am Freitagnachmittag bei 50,62 Dollar. Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete rund 48 Dollar je Liter. Bei Preise haben seit Monatsbeginn wieder deutlich zugelegt. Ausgehend vom Monatstief beträgt der Aufschlag durch die anhaltende Preisrallye nunmehr rund 20 Prozent. Anfang August hatte der Brent-Preis noch unter 42 Dollar gelegen.

          Das Ausmaß der Schwankungen des Ölpreises in letzter Zeit ist auffällig. 2014 und 2015 war der Preis sehr stark gefallen, von mehr als 100 Dollar je Fass auf gut 28 Dollar Anfang dieses Jahres. Von Januar bis Juni 2016 war er dann wieder gestiegen, auf mehr als 53 Dollar. In der zweiten Junihälfte und im Juli war Öl aber wieder deutlich billiger geworden, bis auf weniger als 42 Dollar. Das hatte sogar die Aktienmärkte, vor allem in Ländern mit großen Ölförder-Unternehmen und -Dienstleistern, in Mitleidenschaft gezogen. Und jetzt, im August, steigt der Ölpreis wieder auffällig stark.

          Mit Schwankungen in der Konjunktur, also stark schwankender Nachfrage nach Öl, ist dieses extreme Auf und Ab kaum zu erklären. Die wirtschaftliche Entwicklung, und auch die Entwicklung an anderen Märkten und Börsen, ist deutlich ruhiger verlaufen. Dahinter steckt wohl vor allem Spekulation – und zwar Spekulation auf das Verhalten der Ölförderländer.

          Treffen der erdölexportierenden Länder eventuell nicht erfolgversprechend

          Im Augenblick ist die große Frage, ob es jetzt doch eine Verständigung zwischen Ölförderländern über ein „Einfrieren“ („Freeze“) der Ölfördermenge gibt. Ende September soll ein informelles Treffen der Mitglieder der Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) in Algier, der Hauptstadt von Algerien stattfinden. Opec-Präsident Saleh Al Sada, der Ölminister von Qatar, hatte das Treffen Anfang August einberufen. Und seither steigt der Ölpreis. Auch Absprachen mit anderen Ländern, allen voran Russland, sind dabei im Gespräch.

          Weitere Themen

          Das bringt der Montag

          Der Tag : Das bringt der Montag

          Die Parteien bereiten die erste Bundestagssitzung vor. Die EU-Sozialminister beraten Maßnahmen gegen das Sozialdumping. Bund und Länder verhandeln über eine Air-Berlin-Transfergesellschaft.

          Topmeldungen

          FDP zurück im Parlament : Der Wunder-Lindner

          Die FDP ist wieder da, und schon in den wenigen Tagen seit der Wahl vermittelt sie den Eindruck, es gehe Freien Demokraten immer nur um das eine: um sie selbst. Und um ihren Vorsitzenden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.