Viele argumentieren, Griechenland könne sei Fiskal- und Wirtschaftsprobleme nur durch einen Austritt aus der europäischen Währungsunion und durch eine drastische Abwertung der danach eingeführten, eigenen Währung lösen. Eine Abwertung würde die Exportwirtschaft des Landes und damit die konjunkturelle Dynamik der Gesamtwirtschaft beflügeln, heißt es gemeinhin.
Solche Argumente mögen eingänglich sein. Allerdings wäre diese Strategie zu kurzsichtig und würde der komplexen Situation kaum gerecht. Eine Abwertung kann, auch einige Argumente für sie sprechen mögen, nicht die Lösung für alles sein, erklärt denn auch Volkswirt Stephane Deo von der UBS.
Lösungen ohne Abwertung sind möglich
Erstens sei Griechenland nicht das einzige Land, das mit der Lösung von Wirtschaftsstrukturproblemen mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds konfrontiert werde, ohne die Währung abwerten zu können. Schließlich habe Lettland ebenfalls nicht abwerten können, da ein großer Teil der privaten Schulden in fremden Währungen denominiert waren. Eine Abwertung hätte zu einer Insolvenzwelle im Lande geführt. Auch im Senegal war Ende der 90er-Jahre keine Abwertung möglich, da das Land zur Franc-Zone gehörte.
Selbst das Argument, eine Abwertung mache die Exportprodukte eines Landes wettbewerbsfähig, sei mit Vorsicht zu genießen. Denn die Analyse historischer Daten widerlegt einen eindeutigen, systematischen Zusammenhang zwischen der Abwertung der Währung eines Landes und einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum, das sich in den fünf Jahren nach der Abwertungsphase realisieren ließ. Wenn es einen geben sollte, so deutet die Indikation eher auf das Gegenteil hin: Eine Abwertung bremst die konjunkturelle Entwicklung eines Landes mittel- und längerfristig.
Erstens würden mit einer Abwertung die Defizite eines Staates in heimischer Währung plötzlich stark steigen. Die Frage ist, ob die Exportnachfrage schnell genug anziehen könnte, um diesen Effekt auch nur annähernd ausgleichen zu können. Zweitens würde das Land mit der Abwertung von den Kapitalmärkten abgeschnitten werden und könnte einen großen Teil seiner Importe nicht mehr finanzieren. Drittens würde die Inflation in Griechenland nach einer Abwertung mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich zunehmen.
Abwertung brächte viele Nachteile mit sich
Sie würde - viertens - die inzwischen ohnehin schon teuer gewordenen Refinanzierungen noch kostenträchtiger machen, wenn sie - fünftens - aus Misstrauen in die Leistungsfähigkeit des Landes überhaupt noch möglich wären. Sechstens stellt sich neben den vom UBS-Analysten aufgeführten Punkten die Frage, was Griechenland in seiner gegenwärtigen wirtschaftlichen Struktur auf die Schnelle überhaupt exportieren könnte.
Insgesamt deuten viele dieser Argumente darauf hin, dass Griechenland sich mit dem Austritt aus der Währungsunion und der Einführung einer eigenen, schwachen Währungen auf Dauer keine nennenswerte Vorteile erreichen würde. Eine Restrukturierung der Wirtschaft und der Verbindlichkeiten im bestehenden Rahmen scheint eine bessere Lösung zu sein.
Restrukturierung der griechischen Wirtschaft! Ja was denn bitte?
Ulrich Hofmann (EpocheA)
- 16.09.2011, 18:43 Uhr
Nur Abwertung hilft
Torlin Monger (TMonger)
- 16.09.2011, 18:30 Uhr
Alimentierung für Griechen günstiger
Andreas Müller (abumachuf)
- 16.09.2011, 18:26 Uhr
Staatsschuldenkrise
Werner Eickhoff (WernerEickhoff)
- 16.09.2011, 18:24 Uhr
Die Befürworter des Austritts möchten sie sich bloß Griechenlands entledigen
Thomas Gaugen (tomasalcubo)
- 16.09.2011, 18:20 Uhr