Home
http://www.faz.net/-gv6-777ih
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Spekulation mit Nahrungsmitteln Interne Vorbehalte gegen Termingeschäfte

Bei der Deutschen Bank und dem Versicherungskonzern Allianz gibt es entgegen öffentlicher Äußerungen sehr wohl Vorbehalte gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln. Das zeigen neueste Veröffentlichungen von Dokumenten auf.

© dpa Vergrößern Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat die Deutsche Bank und die Allianz im Zusammenhang mit Finanzspekulationen auf Lebensmittelpreise erneut scharf kritisiert.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat die Deutsche Bank  und die Allianz im Zusammenhang mit Finanzspekulationen auf Lebensmittelpreise erneut scharf kritisiert. Dokumente zeigten, dass die volkswirtschaftlichen Abteilungen der beiden Finanzriesen in der Vergangenheit eingeräumt hätten, dass solche Geschäfte Einfluss auf die Agrarpreise haben. Später hätten aber beide Häuser argumentiert, sie hielten an den umstrittenen Praktiken fest, weil es keine Beweise für negative Auswirkungen gäbe. Das teilte Foodwatch mit. Die Verbraucherorganisation und andere Kritiker sind der Ansicht, dass die Spekulationsgeschäfte den Hunger in der Welt verschärfen.

„Gravierende Folgen“

In einem Allianz-Papier soll es demnach beispielsweise bereits 2008 geheißen haben: „Die Preisausschläge an den Agrarmärkten wurden durch spekulative Faktoren nicht ausgelöst, aber verstärkt.“ Die Deutsche-Bank-Abteilung DB Research soll in einem Dokument gewarnt haben: „Solche Spekulationen können für Landwirte und Verbraucher gravierende Folgen haben und sind im Prinzip nicht akzeptabel.“ Der Chefvolkswirt der Bank habe aber laut Foodwatch im Juni 2012 einem Bundestagsausschuss erläutert, es gebe „kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung, dass die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten zu Preissteigerungen oder erhöhter Volatilität geführt hat“.

Mehr zum Thema

Die Deutsche Bank hatte hingegen Mitte Januar angekündigt, trotz der Kritik an den Finanzanlagen auf Basis von Agrarrohstoffen festzuhalten. Nach einer ausführlichen Prüfung habe man „keinen Nachweis gefunden, dass die Spekulation für die Preisentwicklung verantwortlich ist“, hatte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen am Rande der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin gesagt. Der Vorstand habe daher beschlossen, entsprechende börsennotierte Fonds wieder zu vertreiben. Nach Protesten hatte das größte deutsche Geldinstitut das Geschäft mit solchen Anlageprodukten im vergangenen Jahr vorerst ausgesetzt, um es zu überprüfen.

Thema wissenschaftlich kontrovers diskutiert

Preisschwankungen gebe es „auch bei Abwesenheit von diesen Produkten“, hatte Fitschen gesagt. Eine Arbeitsgruppe der Bank stellte nach Konzernangaben nach umfassenden Analysen fest, „dass es kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung gibt, die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten sei für Preissteigerungen oder erhöhte Preisschwankungen verantwortlich.“ Zugleich gebe es aber „zahlreiche Vorteile“ von Agrar-Terminmärkten für Landwirte und Nahrungsmittelverarbeitung.

Wissenschaftlich wird das Thema kontrovers diskutiert. Termingeschäfte auf Agrarpreise sind bereits seit Jahrzehnten üblich, da Bauern damit ihr Einkommen aus den schwer vorauszusehenden Ernteerträgen absichern konnten. In der jüngsten Vergangenheit haben solche Derivatgeschäfte - wie in anderen Bereichen auch - allerdings neue Dimensionen angenommen.

Quelle: FAZ.NET, dpa-AFX, AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Deutsche Bank Investmentbanker, Chefkontrolleur und Mitentscheider

In diesen Stunden berät der Aufsichtsrat unter der Ägide von Paul Achleitner über die Zukunft der Deutschen Bank. Der überzeugte Investmentbanker Achleitner entscheidet dabei aktiv mit: Er möchte die Deutsche Bank mit aller Macht wieder an die Weltspitze zurückzuführen. Mehr Von Markus Frühauf

24.04.2015, 14:57 Uhr | Wirtschaft
Klimawandel Landwirte im Himalaya leiden unter Wassermangel

Durch den Klimawandel schmelzen die Gletscher des Himalayas in Pakistan. Forscher befürchten, Landwirte könnten Probleme mit der Wasserversorgung bekommen. Mehr

24.11.2014, 09:06 Uhr | Wissen
Aufsichtsratssitzung Grabenkämpfe in der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank entscheidet über ihre Zukunft. Zur Stunde tagt der Aufsichtsrat. Die Suche nach einer neuen Strategie tragen die Kontrahenten mit harten Bandagen aus. Mehr Von Markus Frühauf

24.04.2015, 17:48 Uhr | Wirtschaft
Kontroverse Diskussion Hillary Clinton nutzte privates E-Mail-Konto für Regierungsaufgaben

Hillary Clinton soll einem Zeitungsbericht zufolge während ihrer Zeit als Außenministerin für dienstliche Schreiben ihre private E-Mail-Adresse genutzt haben. Damit könnte sie gegen amerikanische Gesetze verstoßen haben. Mehr

04.03.2015, 15:47 Uhr | Politik
Zwischenbilanz Deutsche Bank halbiert Gewinn

Es sind turbulente Zeiten für Deutschlands größte Bank. Gerade hat das Management den Verkauf der Postbank beschlossen, nächste Woche beginnt der Prozess gegen Co-Chef Jürgen Fitschen im Fall Kirch. Heute hat die Bank Zahlen fürs erste Quartal vorgelegt. Mehr

26.04.2015, 15:45 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.02.2013, 08:42 Uhr


Wichtige Wechselkurse
Name Kurs Änderung
  Dollar --  --
  Franken --  --
  Yen --  --
  Pfund --  --
  Dollar in Yen --  --
  Dollar in Pfund --  --
Wertpapiersuche
EUR USD JPY
EUR 1 -- -- --
USD -- 1 -- --
JPY -- -- 1 --
-- -- -- --
=

Wichtige Rohstoffe
Name Kurs Änderung
  Gold --  --
  Silber --  --
  Rohöl Brent --  --
  Rohöl WTI --  --