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Soft Commodities Robusta-Kaffee kurzfristig weiter im Aufwärtstrend

28.08.2006 ·  Ein Wasserschaden in Italien und Spekulationen um die vietnamesischen Erntemengen haben den Preis für Kaffee der Sorte „Robusta“ auf ein Sieben-Jahres-Hoch getrieben. Kurzfristig könnte es weiter nach oben gehen.

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So langsam wird des Deutschen Lieblingsgetränk so richtig teuer. Die Weltmarktpreise für Rohkaffee sind auf ein Sieben-Jahres-Hoch gestiegen und der Deutsche Kaffeeverband erwartet Preiserhöhungen der Kaffeeröster. Einzig ein hoher Wettbewerbsdruck wirke dem bislang entgegen.

Vor allem die Preise für Rohkaffee der Sorte „Robusta“ sind in der vergangenen Woche bis auf 1.740 Dollar je Tonne und damit den höchsten Stand seit Frühjahr 1999 gestiegen. Indes entwickelt sich der Preis für die in Brasilien hauptsächlich angebaute Sorte „Arabica“ derzeit eher seitwärts, wenngleich auch hier seit Mitte Juli die Tendenz gerade wieder nach oben zeigt.

Arabica-Ernte in Brasilien steigt deutlich

Nach Angaben der Internationalen Kaffeeorganisation ICO hängt der Anstieg mit dem Wetter in den beiden Hauptherstellerländern Brasilien und Vietnam zusammen. Während in Brasilien extreme Trockenheit die Kaffeepflanzen zerstörte, litt die Ernte in Vietnam unter außergewöhnlich heftigen Regenfällen.

Am Freitag gab indes der Preis wieder leicht nach. Arabica gab nach, nachdem Brasilien die Ernteprognose für die bis Ende Oktober dauernde Erntesaison von 40,6 auf 41,6 Millionen Sack (rund 2,5 Millionen Tonnen) erhöhte. Damit wird der Anbau gegenüber der vorangegangenen Ernte um 26 Prozent steigen. Grund ist der Eintritt der Pflanzen in den besseren Teil des zweijährigen Ertragszyklus'.

Vor allem die Menge des hauptsächlich angebauten teureren Arabica-Kaffees wird gegenüber der vergangenen Ernte um 35 Prozent höher ausfallen. Die Robusta-Mengen werden dagegen lediglich um 4,4 Prozent auf 9,5 Millionen Sack steigen.

Im kommenden Jahr dürfte die Ernte indes nicht nur zyklisch, sondern auch zusätzlich trockenheitsbedingt niedriger ausfallen, sagte Vilmondes Olegario da Silva, Leiter der Kaffeeabteilung des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums.

Wasserschäden und Sorgen um Vietnam

Da aber Export und einheimischer Verbrauch dennoch die Erntemengen übersteigen werden, werden die Lagerbestände sinken, so da Silva. Ende März lagen diese nur noch bei 9,72 Millionen Sack nach 12,2 Millionen im Vorjahr.

Die geringfügigen Mengenstiegerungen bei Robusta haben die Lage bei dieser Sorte nicht wirklich entschärfen können. Rund ein Viertel der bei der Terminbörse Liffe geführten Lagerbestände wurden aus der Lieferfähigkeit aufgrund eines Wasserschadens in einem Lagerhaus in Triest herausgenommen.

Hinzu kommt, daß die vietnamesische Ernte bis Ende September mit nur zwölf Millionen Sack deutlich niedriger ausfallen wird als 2005 und 2004, so das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA. Die vietnamesische Kaffe & Kakao-Assoziation hingegen schätzte die Erntemenge mit 11,5 Millionen Sack zuletzt noch etwas höher.

Vietnam werde seinen Lieferverpflichtungen für die kommende Ernte nachkommen können, versicherte der Vorsitzende Vietnam Doan Trieu Nhan der Nachrichtenagentur AFP. Das Land hat schon sehr früh hohe Verpflichtungen übernommen, was Anlaß zu Spekulationen gibt, daß die Qualität der Bohnen geringer ausfallen könnte, da diese nicht ausreichend Zeit zum Trocknen haben könnten, bevor sie verschifft werden.

Längerfristige Beruhigung

Bertrand Oesterle, Rohstoffhändler bei Marex Financial, sieht wenigstens solange einen Aufwärtstrend bei den Robsuta-Preisen bis die vietnamesische Ernte auf den Markt kommt oder eine zuverlässige Ernteprognose vorliegt.

Preistreibend für Arabica könnte dagegen eher das Verhalten Brasiliens wirken. So ist der brasilianische Kaffeemarkt untätig, weil sich die Erzeuger zurückgezogen haben. Zum einen sind die Erzeuger aufgrund der anhaltenden Trockenheit wenig bereit aus ihren Lagern zu verkaufen. Zum anderen sind die Erträge aufgrund des starken Real und der eher verhaltenen Dollar-Preise in New York vergleichsweise niedrig.

Die brasilianische Regierung hat Mitte des Monats die Kreditlinien für Kaffeefarmer ausgeweitet, so daß diese keine Not haben, ihre Ware zu verkaufen. Das Ziel der Regierung ist es die Kaffeebestände wieder aufzustocken.

Kurzfristige weitere Preissteigerungen möglich

Längerfristig scheint also eher eine Beruhigung am Kaffeemarkt zu erwarten zu sein. Vor allem die Preissteigerungen für Arabica dürften eher vorübergehender Natur sein. Auch bei Robusta wird wohl in Kürze eine Beruhigung eintreten. derzeit sind noch viele Spekulationen gerade um die vietnamesische Ernte im Markt, die kurzfristig den preis noch weiter nach oben trieben könnten.

Angus Kerr, Eigentümer des britischen Handelsunternehmens Coffee AG, rechnet in er laufenden Woche mit Preissteigerungen. „Erstmals seit zwölf Jahren ist der Kaffeemarkt ein Verkäufermarkt und kein Käufermarkt“, so Kerr. „Auf dem Weltmarkt war die Nachfrage in den letzten drei Jahren größer als das Angebot und die Vorräte sind erschöpft.“

Sollten die Preise nicht sinken, könnten höhere Preise für Kaffee-Fertigprodukte drohen. Nestlé, so Finanzvorstand Paul Polman habe zwar vorgebaut, und sich mit Termingeschäften für die nächsten neun bis zwölf Monate abgesichert. Doch danach seien Preissteigerungen nicht auszuschließen. „Kaffee ist eine sehr transparente Sache. Es ist im Grunde der Rohstoff, den wir verkaufen. Und das ist bei den Wettbewerbern genauso.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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