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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.10.2012, 06:00 Uhr

Sinkende Gewinne Gegenwind für Chinas Rohstoffkonzerne

Das Land ist der größte Rohstoffverbraucher der Welt und hat viele Investoren verwöhnt. Jetzt sinkt aber die Nachfrage, Gewinne und Aktienkurse fallen.

von , Schanghai
© REUTERS Stahlgeschäft in China: Nachfrage zu schwach, Kosten zu hoch

In erfolgsverwöhnten Branchen fallen Rückschläge besonders auf. Kürzlich sah sich Baoshan Iron & Steel gezwungen, ein Werk in Schanghai stillzulegen. Der Konzern, der auch Baosteel genannt wird, ist Chinas größter börsennotierter Stahlhersteller. Weil die Nachfrage zu schwach und die Kosten zu hoch seien, erwirtschafte der Standort untragbare Verluste, teilte das Unternehmen mit. Der Hochofen fahre jeden Monat einen Fehlbetrag von 100 Millionen Yuan oder 12 Millionen Euro ein.

Christian Geinitz Folgen:

Das Werk fertigt Bleche für den Schiffbau, für Ölplattformen und für Gebäude. Allen drei Wirtschaftszweigen geht es selbst in China nicht mehr so gut wie früher: Wegen der Nachfrageschwäche aus der EU und Nordamerika haben sich die Industrieproduktion, der Energieverbrauch und der Handel abgekühlt. Weil die Regierung die Spekulationen am Immobilienmarkt bekämpft, schwächelt der Bau. „Die chinesische Stahlindustrie wird doppelt gebeutelt, im In- und im Ausland“, sagt Xue Heping, Direktor des Yida-Instituts für Stahlstudien in Wuhan.

Uneinigkeit über die Folgen dieser Entwicklung

Selbst in der Finanzkrise sei die Lage nicht so kritisch gewesen. 2011 habe der Gewinn der chinesischen Stahlindustrie noch 87,5 Milliarden Yuan betragen (11 Milliarden Euro), für dieses Jahr rechnet Xue mit einem Verlust von 10 Milliarden Yuan. Das hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Neben Baosteel stehen auch andere börsennotierte Stahlkocher unter Druck, etwa Ansteel oder Wuhan Iron. Heftigen Gegenwind spüren zudem die Eisenerzlieferanten. Im Ausland trifft es die drei größten Minenbetreiber, Vale, Rio Tinto und BHP Billiton. Xue weist darauf hin, dass der chinesische Markt 70 Prozent ihres Eisenerzes aufnehme. „Die Lage bei uns schlägt voll auf ihre Ergebnisse durch.“ In China selbst ächzen die Bergbaubetriebe unter den sinkenden Preisen. Die Tarife am Spotmarkt liegen auf dem niedrigsten Wert seit drei Jahren.

Infografik / Chinesische Rohstoffproduzenten © F.A.Z. Bilderstrecke 

Nach Angaben von Liu Xiaoliang vom Verband chinesischer Metallbergwerke haben deshalb 40 Prozent der Minen den Abbau ausgesetzt. Die Förderung lohne sich einfach nicht mehr. Der Preisverfall trifft die vier wichtigsten in China gehandelten Rohstoffe gleichermaßen, neben Stahl auch Kohle, Aluminium und Kupfer. Der Goldman Sachs China Commodity Index, der deren Spotpreise gewichtet nachzeichnet, ist seit Juli 2011 um 26 Prozent gefallen. Er notiert auf dem Niveau von 2009 - mitten in der Krise.

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Analysten sind uneins über die Folgen dieser Entwicklung und wie Anleger damit umgehen sollten. Klar ist, dass die Zeiten vorbei sind, in denen Anleger beinahe blindlings in jede chinesische Rohstoffgesellschaft investieren konnten. „Man muss die Aktien sehr vorsichtig auswählen und nichts überstürzen“, rät Wang Lixin vom Informationsdienst für Bodenschätze Umetal in Peking. Viele Fachleute begrüßen die Konsolidierung, da die Industrie aufgebläht gewesen sei und Überkapazitäten angehäuft habe. Schuld daran war das Krisenprogramm nach 2008: niedrige Zinsen, Krediterleichterungen, ein Konjunkturpaket von 4000 Milliarden Yuan (491 Milliarden Euro).

Schwächeres Wachstum bedeutet noch immer Wachstum

Wang nennt die Subventionierung von Haushaltsgeräten, für die viel Kupfer nötig sei. Zum Jahresbeginn sei das Hilfsprogramm ausgelaufen, „seitdem ist die Kupfernachfrage auf dem Land fast tot“. Das bietet auch Chancen: „Das Überangebot wird sich bereinigen, danach sind die Aussichten wieder rosig“, argumentiert Stahlspezialist Xue. Schließlich hinke China den Industriestaaten um mindestens zehn Jahre hinterher, die Nachholeffekte versprächen hohe Renditen. Tatsächlich sind die Potentiale enorm. China ist der größte Energieverbraucher und der wichtigste Markt für viele Metalle und Baustoffe. Zwar sinkt das Wachstum: in diesem Jahr bei der Kohle um 4,2 Punkte auf 7,3 Prozent, beim Stahl um 5,8 Punkte auf 1,2 Prozent. Ähnlich sieht es beim Rohöl aus, wo China der zweitgrößte Verbraucher ist, nicht zuletzt für den größten Neuwagenmarkt der Welt.

Doch schwächeres Wachstum bedeutet noch immer Wachstum. So dürfte China in den kommenden zwei Jahren fast zwei Drittel der internationalen Zunahme in der Ölnachfrage aufbringen. Der Kohleanteil an der Energieerzeugung soll zwar fallen. Dennoch wird sich der absolute Bedarf bis 2035 verdoppeln. Schon heute konsumiert China fast die Hälfte aller Kohle.

„Gold ist in unsicheren Zeiten immer vielversprechend“

Für die Unternehmen sprechen die einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV). Das KGV zeigt, in welchem Verhältnis der Gewinn zur Börsenbewertung steht (siehe Tabelle). Das Unternehmen Inner Mongolia Baotou Steel Union - nach Marktkapitalisierung das viertgrößte chinesische Rohstoffunternehmen - fördert 40 Prozent der seltenen Erden in China. Doch die Gewinne halten nicht, was die Kurse versprechen, so dass das KGV zuletzt fast 26 erreichte. Ähnlich hoch sind die Kennziffern bei den begehrten Edelmetallgesellschaften Shandong Gold und Zhongjin Gold. Als interessanter gelten die in Hongkong recht niedrig bewerteten Titel: China Shenhua, der größte Kohleförderer der Welt, China Coal Energy sowie Yanzhou Coal. Auch Jiangxi Copper, der wichtigste Kupferförderer des Landes, sowie der Aluminiumriese Chalco werden immer wieder zum Kauf empfohlen.

All das sind freilich Wetten auf die Zukunft, in der jüngsten Vergangenheit waren die Daten enttäuschend. Jiangxi Copper etwa hat im ersten Halbjahr fast 40 Prozent seines Gewinns eingebüßt, bei Chalco gab es sogar einen Milliardenverlust. Durch die allgemeine Flucht ins Gold legte hingegen der Überschuss von Shandong Gold um mehr als ein Drittel zu. „Gold ist in unsicheren Zeiten immer vielversprechend, auch in China“, sagt die Metallspezialistin Wang.

Quelle: F.A.Z.

 

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