09.10.2008 · Der Won ist schwach. Am Mittwoch fiel die südkoreanische Währung auf ein Zehnjahrestief. Ausländische Anleger ziehen ihre Mittel ab - die Exporteure des Landes dagegen könnten davon profitieren.
Von Moon IhlwanDie südkoreanische Währung fiel am Mittwoch, dem achten Oktober mit 4,8 Prozent auf ein Zehnjahrestief, nachdem inländische Banken aufgrund der anhaltenden weltweiten Kreditknappheit gezwungen waren, sich um den Dollar zu balgen und zahlreiche Unternehmen den Greenback horten mussten. Die Entlassung des Vorsitzenden Lee Myung Bak hatte am Vortag Spekulationen angeheizt, wonach sich die asiatische Finanzkrise vor zehn Jahren wiederholen könnte und trug kaum zur Beruhigung des koreanischen Währungsmarkts bei.
Der Won, der mit 1.395 gegenüber dem Dollar schloss, fiel 16,8 Prozent im Wert, nachdem die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers Mitte September Insolvenz anmeldete. Seit Jahresbeginn fiel der Won gegenüber dem Dollar um 33 Prozent. Damit schneidet die koreanische Währung im internationalen Vergleich mit anderen wichtigen Währungen am schlechtesten ab. Wohin die Reise noch geht, ist nicht absehbar. „Eine Prognose ist unmöglich“, so ein Händler der Kookmin Bank über die kurzfristige Entwicklung der koreanischen Währung.
Andernorts in Asien stieg der japanische Yen sogar, während die Aktien an der Tokioter Börse fielen. Der Absturz des Leitindex Nikkei 225 um 9,38 Prozent am Mittwoch markierte mit einem Verlust von 250 Milliarden Dollar in Aktien den drittgrößten Rückgang in seiner Geschichte. „Dies sprengt jedes normale Maß“, äußerte sich der vor zwei Wochen neu ins Amt gewählte Premierminister Taro Aso vor dem Parlament. Der Absturz, so fügte er hinzu, „übersteigt schlicht unsere Vorstellungskraft“. Obgleich sich die inländischen Banken relativ unbeeindruckt von der Subprimekrise zeigten, brach der japanische Aktienmarkt in diesem Jahr um 40 Prozent im Wert ein.
Weitere Rückgänge der Indizes
Das Massaker war flächendeckend in der Region zu beobachten. Die Leitindizes in Hongkong, Singapur, Südkorea, Taiwan, Indonesien und Thailand brachen um mehr als 5 Prozent ein, bevor sie sich am Donnerstag etwas erholen konnten. In Indonesien wurde der Aktienhandel ausgesetzt, nachdem der Leitindex um 10 Prozent gefallen war. Die Angst vor labilen Finanzmärkten in den Vereinigten Staaten und Europa und Befürchtungen einer weltweiten Rezession drückten den Yen gegenüber dem Dollar zum ersten Mal seit sechs Monaten unter die 100-Grenze.
Durch die Finanzturbulenzen allarmiert, bemühen sich die Währungsbehörden derzeit in der Region um Stabilisierung der Märkte, bislang jedoch ohne erkennbaren Erfolg. Die japanischen und australischen Zentralbanken pumpten 20,9 Milliarden Dollar beziehungsweise 856 Millionen Dollar in ihre Finanzsysteme, um einen akuten Anstieg der Kreditkosten zu verhindern. Hongkong kürzte den Darlehenszinssatz für Banken um einen Prozentpunkt. Die Anleger glauben jedoch nicht, dass diese Maßnahmen ausreichen werden. „Die Panik will einfach nicht weichen“, so Park Kyung Min, CEO des Fondsmanagers Hangaram Investment Management. Die Anleger sind verschreckt angesichts der globalen Kreditkrise, die die größte Kapitalflucht in Korea seit dem Finanzgau in den späten 1990er Jahren auslöst hat. Der internationale Währungsfonds befürchtet, dass die großen Weltbanken in den kommenden Jahren 675 Milliarden Dollar zusätzlichen Kapitals benötigen, um sich von der Kreditkrise zu erholen.
Einige Ökonomen und Analysten gehen davon aus, dass Korea dieser Tage Risiken gegenübersteht, die mit den Risiken von 1997 vergleichbar sind, als das Land beim IWF einen Notkredit über 57 Milliarden Dollar aufnehmen musste, um einen Staatsausfall abzuwenden. Mit 243 Milliarden Dollar, Stand August, verfügt das Land über eine der größten Devisenreserven der Welt, obgleich diese innerhalb von fünf Monaten von $264,2 Milliarden fielen, nachdem die Regierung einen Teil des Geldes verwendete, um die Talfahrt des Won aufzuhalten.
Probleme im Handel, Kapitalanlagen
Die Zentralbank hat es jedoch mit einer ganzen Reihe von Faktoren zu tun, die den Won drücken. Für Startfonds fiel die Handelsbilanz des Landes in den ersten acht Monaten dieses Jahres auf ein Minus von 12,3 Milliarden Dollar gegenüber einem Überschuss von 9,8 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum, was hauptsächlich auf die hohen Kosten für Öl- und Rohstoffimporte zurückzuführen ist. Korea ist auf Ölimporte aus dem Ausland angewiesen und musste in dem Zeitraum etwa 70 Prozent mehr für Öllieferungen zahlen.
Auch Koreas steigende Lohnkosten tragen zur Abwanderung des Kapitals bei, da die Unternehmen Fabriken im Ausland bauen. Laut den Zahlen der Bank of Korea fielen die ausländischen Direktinvestitionen (ADI) in Korea von 3,6 Milliarden Dollar im Jahr 2006 auf 1,6 Milliarden Dollar im Vorjahr. Demgegenüber stiegen Koreas Direktinvestitionen im Ausland 2007 auf 15,3 gegenüber 8,1Milliarden Dollar im Vorjahr. In den ersten acht Monaten dieses Jahres investierte Korea 9,7 Milliarden Dollar im Ausland, während sich die ADI-Zuflüsse insgesamt lediglich auf 30 Millionen Dollar belaufen.
Eine der Hauptursachen für die Dollarknappheit war die Kapitalabwanderung im Finanzsektor. Das Hyundai Research Institute, eine private Denkfabrik, rechnete aus, dass ausländische Aktienanleger in den ersten acht Monaten dieses Jahres 14,3 Milliarden Dollar aus Korea abgezogen haben, nachdem sie 2007 noch 30 Milliarden Dollar investiert hatten. Demgegenüber brachten koreanische Aktienanleger nach Aktienverkäufen im Ausland lediglich 900 Millionen Dollar nach Hause, obgleich sie im Vorjahr zusätzlich Investitionen in Höhe von insgesamt 54,6 Milliarden Dollar an ausländischen Aktienmärkten getätigt hatten.
Absicherungsbedarf
Fondsmanager weisen darauf hin, dass amerikanische Finanzinvestoren und europäische Finanzinvestoren Asien - mit Ausnahme Japans - als Risikomärkte betrachten, die während einer Liquiditätskrise abgestoßen werden, und dass aus Korea mit seinem großen und liquiden Aktienmarkt am leichtesten Geld abgezogen werden kann. Laut einer Studie einer staatlichen Denkfabrik zogen ausländische Aktienanleger in den letzten vier Monaten 14,7 Milliarden Dollar aus Korea ab. Mit diesem Betrag liegt Korea an der Spitze aller asiatischen Länder. „In Anbetracht des Außenhandelsdefizits, des ADI-Ungleichgewichts und der weltweiten Finanzkrise wird der Won vorerst schwach bleiben, obgleich der jüngste Börseneinbruch stark übertrieben ist“, so der Chef-Ökonom von Hyundai Research Baek Heung Gi.
Befördert wurde der Einbruch des Won durch Dollar-Leerverkäufe koreanischer Unternehmen und Fondsmanager. Nachdem der Kurs des Won bis zum Vorjahr stetig angezogen hatte, haben die Koreaner diese Deckungsgeschäfte getätigt, mussten jedoch nach der in diesem Jahr einsetzenden Währungsabschwächung den Dollar zur Deckung ihrer Positionen wieder zurückkaufen. Nach Schätzungen von Hyundai Research müssen die koreanischen Fondsmanager jedes Mal, wenn ihre ausländischen Aktienanlagen um ein Prozent einbrechen, bis zu 800 Millionen Dollar einkaufen.
Gleichwohl - nicht jeder leidet unter dem Einbruch des Won. Die großen Exporteure Koreas, wie beispielsweise Samsung Electronics and Hyundai Motor, profitieren von der Krise, da ihre Exporte durch eine schwächere Landeswährung wettbewerbsfähiger werden. „Sie können dadurch ihre Konkurrenten ausstechen“, so Huh Chan Guk, Chef-Ökonom am Korea Economic Research Institute, einer Denkfabrik für koreanische Großkonzerne, „wenn der Optimismus der Verbraucher jedoch erst einmal durch eine weltweite Rezession gedämpft ist, wird es nur noch Verlierer geben.“
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |