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Schwellenländer Indische Rupie: Neuneinhalb-Jahreshoch gegen den Dollar

10.10.2007 ·  Ein massiver Liquiditätszufluss nach Indien und andere Schwellenländer treibt deren Börsen nach oben und beflügelt die Währungen. In Indien sind die Aktien inzwischen teuer. Wann bremst die Zentralbank die Aufwertung der Rupie?

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Die Kursentwicklung an den Finanzmärkten der Schwellenländer in den vergangenen Jahren ist phänomenal. Diese tendieren nicht nur deutlicher nach oben als die meisten der etablierten Märkte, sondern bisher war jeder Rückschlag eine ideale Kaufgelegenheit.

Angesichts der inzwischen erreichten Bewertung dürfte das bei manchen Märkten wie in China oder inzwischen auch in Indien verwundern. Diese rechtfertigen die Kursgewinne in der gezeigten Form schon lange nicht mehr. Das zeigt sich aus technischer Sicht alleine schon daran, dass die Indizes von immer weniger gut laufenden Einzelwerten nach oben getragen werden.

Massiver Liquiditätszufluss nach Indien und in die anderen Schwellenländer

Angesichts der Liquidität, die ausgehend von den internationalen Anlegern in diese Märkte fließt, sind sie weniger überraschend. Denn eine Analyse des Internationalen Währungsfonds zeigt, dass die Kapitalströme in die Schwellenländer in den vergangenen Jahren massiv zugenommen haben. Das heißt, diese Märkte sind zu einem großen Teil liquiditätsgetrieben. Alleine im laufenden Jahr haben internationalen Fonds indische Aktien im Gegenwert von 15,4 Milliarden Dollar erworben.

Diese Fakten zeigen sich auch an der Entwicklung des realen, effektiven Wechselkurses des Landes, wie er beispielsweise von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel berechnet wird. Immerhin zeigt der Trend der Währung mittelfristig eindeutig nach oben. Gegen den Euro bewegt sich die Rupie schon seit drei Jahren in einem etwas volatilen Seitwärtstrend, während sie gegen den schwachen Dollar deutlicher zugelegt hat als viele anderen der „unfreien“ Währungen Asiens.

Am Mittwoch sind mit einem Kurs von 39,26 Rupien knapp 20 Prozent weniger Währungseinheiten nötig, um einen amerikanischen Dollar erwerben zu können als noch im Mai des Jahres 2002. Gerade in den vergangenen zwölf Monaten hat sie deutlich zugelegt. Alleine am Mittwoch fiel der Kurs um weitere 0,43 Prozent auf den stärksten Stand seit neuneinhalb Jahren.

Der indische Benchmarkindex Sensitive Index (Sensex 30) hat am Dienstag erstmals die Marke von 18.000 Punkten überschritten und den Handel am Mittwoch mit einem weiteren Kursgewinn von 2,07 Prozent bei 18.658,25 Zählern beendet. Die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland haben dem Börsenbarometer innerhalb von acht Handelstagen ein Plus von mehr als 1.000 Punkten beschert.

Wann wird die Zentralbank Indiens die Aufwertung der Rupie bremsen?

Kurstreibend wirkt nicht nur der anhaltende Optimismus der Anleger, der sich unter anderen im Boom an der Wall Street zeigt. Im Hintergrund stehen vor allem die Infrastrukturinvestitionen, die das Land tätigt. Sie treiben die Binnennachfrage und halten die Konjunktur auf hohem Niveau. Die Analysten von S&P rechnen damit, das sich das Wirtschaftswachstum im laufenden Fiskaljahr bis Ende März auf 8,6 Prozent belaufen wird.

Die Papiere des Versorgungsunternehmens Reliance Energy legten seit Beginn des laufenden Jahres 205 Prozent auf zuletzt 1.585,85 Rupien zu. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 40,3 und 35,3 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr ist die Aktie jedoch selbst dann kein Schnäppchen mehr, wenn man mit deutlichen Umsatz- und Gewinnsteigerungen rechnet. Ähnliches gilt auch für die zweitbeste Aktie des Index: Die Papiere des Ingenieurunternehmens Larsen & Toubro haben knapp 134 Prozent zugelegt. Sie sind jedoch genau so teuer wie jene von Reliance Energy. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien im Sensex 30 liegt bei knapp 26.

Solche Bewertungen lassen sich nur rechtfertigen, wenn die Unternehmen in den kommenden Jahren anhaltend deutlich und profitabel wachsen können. Bei einzelnen Werten mögen Bedenken aufkommen, unter anderem im Stahlbereich. Dort können hohe Energie- und Rohstoffkosten sowie drohende Überkapazitäten durchschlagen. Amerikalastige Dienstleister wie Infosys, Wipro oder auch Tata Consultancy dürften die schwache amerikanische Konjunktur, den schwächelnden Dollar und nicht zuletzt auch die deutlich steigenden Arbeitskosten in Indien spüren.

Aufgrund der abnehmenden Wettbewerbsfähigkeit rechnen nicht wenige Marktbeobachter damit, dass die indische Zentralbank mittels Interventionen bald einschreiten könnte, um die Aufwertung der Rupie gegen den Dollar wenn nicht zu stoppen, so doch wenigstens zu bremsen. Dabei sind die Währungsreserven des Landes mit einem Dollarbestand von zuletzt 248 Milliarden Dollar Ende September schon vergleichsweise hoch. Sie führen entweder zu inflationärem Druck oder zu hohen Sterilisierungskosten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: ham., F.A.Z., 27.09.2007, Nr. 225 / Seite 21
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